Dr. Bollermann, Sie sind am Zug!
03. Februar 2012
„Hamster-Affäre“: Regierungspräsident muss Lehrerin endlich öffentlich rehabilitieren und sich persönlich entschuldigen.
„Wie sich der Arnsberger Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann aus der so genannten Hamster-Affäre windet, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten“, erklärt Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw. Der Regierungspräsident räumt ein, dass der betroffenen Lehrkraft dienstrechtlich kein Fehlverhalten vorzuwerfen sei. Zur fälligen öffentlichen Entschuldigung kann sich Dr. Bollermann allerdings nicht durchringen. Stattdessen kündigt er an, der Fall solle „in pädagogischer Hinsicht“ noch einmal aufgearbeitet werden. „Und wieder steht indirekt ein nicht belegter, unkonkreter Vorwurf im Raum. Das ist ungeheuerlich“, so Balbach. Der Lehrerrat der Johann-Gutenberg-Realschule hat sich deshalb heute noch einmal mit einem kritischen Brief an den Regierungspräsidenten
gewandt.
Der Regierungspräsident will offenbar von eigenen Fehlern ablenken. Schon im November 2011, als die Hamster-Affäre hochkochte, hat Dr. Bollermann seine Fürsorgepflicht eklatant verletzt und die Lehrerin einer öffentlichen Vorverurteilung preisgegeben. Die Eltern und der Patenonkel einer Fünftklässlerin hatten medienwirksam behauptet, die Lehrerin habe die Schülerin wegen eines in einem ‚Raceball‘ mitgebrachten Hamsters zu Fuß nach Hause geschickt und anschließend gedemütigt, indem die Mitschüler einen Aufsatz über die junge Tierquälerin schreiben mussten. Der Regierungspräsident machte das Thema zur Chefsache, traf sich mit den Eltern, inszenierte sich in der Presse als Kindesbeschützer und befeuerte die Mobbing-Vorwürfe gegen die Lehrkraft durch Pressemitteilungen (Überschrift: „Kinder dürfen nicht gemobbt werden“) sogar noch.
Wie sich nach Zeugenaussagen jedoch schnell herausgestellt hat, sind die Vorwürfe der Eltern und des Patenonkels frei erfunden. Auch die Bezirksregierung Arnsberg räumt ein, dass sich der vermeintliche Vorfall so nie abgespielt hat. Mit der betroffenen Lehrkraft hat Dr. Bollermann bisher entgegen seiner Behauptungen nicht persönlich gesprochen. Dass die Prüfung der Dienstaufsichtsbeschwerde abgeschlossen und die Lehrerin entlastet ist, hat sie übrigens aus der Tagespresse erfahren. „Es ist höchste Zeit, dass der Regierungspräsident endlich Rückgrat beweist, die Lehrerin öffentlich rehabilitiert und sich persönlich bei ihr entschuldigt“, betont Balbach.
Was von der Hamster-Affäre bleibt, ist ein erheblicher Vertrauensverlust. Im Kollegium, nicht nur an der Johann Gutenberg-Realschule, herrscht Unsicherheit. Man darf davon ausgehen, dass das Dortmunder Beispiel Nachahmer findet. Wie sollen Lehrerinnen und Lehrer in Zukunft arbeiten, wenn sie wegen haltloser Vorwürfe an den Pranger gestellt werden? Wie sollen sie Entscheidungen treffen, wenn sie wissen, dass der Dienstherr sie nicht schützt und der Schulleitung und dem Kollegium obendrein (wie im Hamster-Fall geschehen) einen Maulkorb verpasst? Balbach: „Diese Fragen gilt es aufzuarbeiten, und zwar schnell. Herr Regierungspräsident, Sie sind am Zug!“
03.02.2012
Jochen Smets, Pressesprecher
Über „lehrer nrw“:
„lehrer nrw“ ist aus dem traditionsreichen Realschullehrerverband NRW hervorgegangen. lehrer nrw vertritt die Interessen der Lehrkräfte im Sekundarbereich, insbesondere an den Realschulen und Hauptschulen in NRW. Unter dem Dach des Deutschen Beamtenbundes (DBB) tritt lehrer nrw für ein vielgliedriges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein.
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