Aus Realschullehrerverband wird "lehrer nrw"
10. März 2010
Traditionsreicher Verband stellt sich im Kampf um Erhalt und Weiterentwicklung des gegliederten Schulsystems auf eine breitere Basis.
Der Realschullehrerverband NRW heißt ab sofort „lehrer nrw“. Dies beschloss am Freitag der Hauptausschuss, das oberste Gremium des Verbandes. „Wir machen uns mit diesem Schritt fit für die Zukunft“, erklärt Brigitte Balbach, Vorsitzende von „lehrer nrw“. „Unser Verband öffnet sich damit für Lehrkräfte anderer Schulformen im Sekundarbereich, insbesondere für Hauptschullehrer.“Wie bisher der Realschullehrerverband tritt auch „lehrer nrw“ engagiert für ein vielgliedriges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein. „Wir sind jetzt breiter aufgestellt und damit noch schlagkräftiger“, so Balbach. „Wir kämpfen weiterhin vehement für den Erhalt der Realschulen, aber jetzt auch der Hauptschulen, und wir sind sicher, dass wir dabei an den Hauptschulen Gleichgesinnte finden. Wir werden in nächster Zeit an den Schulen unseren neuen Namen und unsere Ziele vorstellen.“
Realschulen als tragende mittlere Säule des gegliederten Schulsystems sind ohne funktionierende Gymnasien und Hauptschulen nicht denkbar. Hauptschulen leisten hervorragende Arbeit, sie funktionieren an vielen Standorten problemlos. Dass interessierte Politik- und Lobbykreise in ihrem ideologischen Kampf für die Einheitsschule die Arbeit der Hauptschulen und der dort arbeitenden Lehrkräfte seit Jahren diffamieren, ist aus Sicht von „lehrer nrw“ skandalös. „Wir werden deshalb unsere im März 2009 gestartete Initiative zum Erhalt der Realschulen fortführen und auf den Hauptschul-Bereich ausweiten“, kündigt Balbach an.
Unverkennbar ist, dass einige Hauptschulen vor allem im ländlichen Bereich unter fehlender Akzeptanz leiden – was nicht an ihrer Arbeit, sondern an ihrem Image liegt. Von dieser Entwicklung sind auch Realschulen unmittelbar betroffen. Am sichtbarsten wird dies in der Einrichtung von Verbundschulen. Meist wird dabei bestehenden Hauptschulen ein Realschulzweig angegliedert.
Schon jetzt zeigt sich in vielen dieser Verbundschulen jedoch, dass innerhalb relativ kurzer Zeit mehr Realschul- als Hauptschulklassen gebildet werden. „Die Eltern wollen den Realschul-Bildungsgang“, betont Balbach. „Verbundschulen können unter gewissen Voraussetzungen durchaus ein Modell sein, um vor allem in ländlichen Regionen schulische Vielfalt zu sichern. Um mehr zu sein als eine Notlösung, brauchen Verbundschulen aber ein klares Konzept, das wir bisher vermissen.“
Ein entsprechendes Konzept wird „lehrer nrw“ in Kürze vorlegen. Grundsätzlich wird dabei der Erhalt des gegliederten Schulsystems mit eigenständigen Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien im Zentrum stehen. Dort, wo Hauptschulen nicht mehr allein existieren können, sollten sie unter das Dach der Realschulen gestellt werden. Davon erwartet „lehrer nrw“ eine Stärkung und Standortsicherung der Hauptschulen. Ob die daraus entstehenden Schulen nun Verbundschulen oder vielleicht Aufbaurealschulen heißen, wäre zu diskutieren. Optional und abhängig von regionalen Gegebenheiten könnte unter Einbeziehung der Berufskollegs eine Oberstufe eingerichtet werden.
Vom integrativen Ansatz bekannter Gesamt- und Einheitsschul-Modelle unterscheidet sich diese neue Schulform durch ihren kooperativen Ansatz. Integrative Modelle lehnt „lehrer nrw“ durchweg ab. Stattdessen soll es unter einem Dach in kleinen Systemen getrennte Bildungsgänge und getrennten Unterricht geben. Die Charakteristika des Hauptschul- und des Realschul-Bildungsganges müssen erhalten und weiterentwickelt werden. Hier sind vor allem die Neigungsdifferenzierung im Realschulzweig und die praktisch-berufsorientierte Ausrichtung im Hauptschulzweig zu nennen.
Die punktgenaue und begabungsgerechte Förderung im gegliederten
Schulsystem steht für hohe Bildungsqualität. Integrative Systeme mögen
die Möglichkeit bieten, kostengünstig verschiedene
Schulabschlussangebote am Ort vorzuhalten, aber diese Möglichkeit wird
mit einer deutlichen Senkung des schulischen Leistungsniveaus erkauft.
Nicht von ungefähr lagen die Realschulen in
NRW bei PISA 2006
deutlich vor den Gesamtschulen.
10.03.2010
Jochen Smets,
Pressesprecher
Bei Rückfragen steht Ihnen die Vorsitzende
des Realschullehrerverbandes NRW,
Brigitte Balbach, zur Verfügung:
Tel. 0211/1640971 oder mobil 0172/9018766.
Über „lehrer
nrw“:
„lehrer nrw“ ist aus dem traditionsreichen
Realschullehrerverband NRW hervorgegangen.
„lehrer nrw“ vertritt die
Interessen der Lehrkräfte im Sekundarbereich, insbesondere an den über
550 Realschulen und den rund 670 Hauptschulen in NRW. Unter dem Dach des
Deutschen Beamtenbundes (DBB) tritt „lehrer nrw“ für ein vielgliedriges
Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein.



