Zerschlagung unter Narkose
21. Juli 2010
lehrer nrw: Löhrmann-Interview in der „Rheinischen Post“ sorgt für Unruhe an Realschulen.
Mit Interesse hat lehrer nrw im heutigen Interview der Rheinischen Post mit Schulministerin Sylvia Löhrmann zur Kenntnis genommen, dass die rot-grüne Minderheitsregierung keine Schulformen abschaffen will. Beruhigung will sich aber dennoch nicht einstellen, weil die Ministerin die Hauptschulen offenbar abschreibt und die Realschulen gar nicht erst erwähnt. „Das lässt uns befürchten, dass die Realschulen offenbar nur noch Verfügungsmasse sind, ein Rettungsanker für Hauptschulen und ein Reservoir für die so genannte Gemeinschaftsschule“, erklärt Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw.
Dass alle Schulformen laut Ministerin Löhrmann den Auftrag zur Weiterentwicklung haben, klingt ebenfalls hübsch, aber später deutet sie mehr als nur an, dass die Gemeinschaftsschulen hinsichtlich der Klassengrößen und des Differenzierungsbedarfs besser gestellt werden. Das dürfte zu einem allmählichen Ausbluten der anderen Schulformen führen. „Das bedeutet nichts anderes als die Zerschlagung des gegliederten Schulsystems – und die Beruhigungs-Rhetorik von Rot-Grün ist die Narkose, damit es nicht so weh tut“, so Balbach. Fakt ist, dass sich die Realschulen gerade in den letzten fünf Jahren weiterentwickelt haben – weil die schwarz-gelbe Landesregierung es ihnen ermöglicht hat. Als Beispiele seien die Ganztagsoffensive oder der Modellversuch „Wirtschaft an Realschulen“ genannt. „Wir nehmen die Schulministerin beim Wort und erwarten, dass die Politik die Weiterentwicklung der Realschulen nicht blockiert“, betont Balbach.
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Das Vermeiden des Sitzenbleibens und das Verbot des Abschulens ist ein weiterer Punkt, an dem Wunsch und Wirklichkeit aufeinander prallen. Jeder Lehrer und jede Lehrerin an jeder Schule hat das Ziel, jeden Schüler zu einem Abschluss zu führen. Die Unterstellung, dass das bisher nicht so war und daher ein schulgesetzliches Eingreifen erforderlich mache, ist eine böswillige Missachtung des Engagements der Lehrkräfte. Und eine implizierte gesetzliche Abschluss-Garantie ist höchst problematisch. Denn wie das ohne Senkung der Anforderungen und damit des Qualitätsniveaus funktionieren soll, erklärt Frau Löhrmann nicht. Bezeichnenderweise kommt das Wort Qualität in dem Interview gar nicht vor. „Was nützt das Abitur für alle, wenn es nichts wert ist?“, so Balbach.
21.07.2010
Jochen Smets, Pressesprecher
Über „lehrer nrw“:
„lehrer nrw“ ist aus dem traditionsreichen Realschullehrerverband NRW hervorgegangen. lehrer nrw vertritt die Interessen der Lehrkräfte im Sekundarbereich, insbesondere an den über 550 Realschulen und den rund 670 Hauptschulen in NRW. Unter dem Dach des Deutschen Beamtenbundes (DBB) tritt lehrer nrw für ein vielgliedriges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein.
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