Den Lehrerberuf attraktiver machen

Auszug aus der Pressemitteilung vom 24.08.2018

Lehrermangel erfordert ein umfassendes Maßnahmenpaket.

Der Lehrermangel wird zur nächsten großen Herausforderung für Schulministerin Yvonne Gebauer und das Schulsystem in Nordrhein-Westfalen insgesamt. Gerade im Primar- und Sek-I-Bereich ist die Lage zum Start des Schuljahres 2018/19 teilweise dramatisch, wenn auch von Schule zu Schule bzw. von Ort zu Ort in sehr unterschiedlicher Ausprägung. In der Sekundarstufe I tun sich vor allem in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Physik und Technik, bei den Fremdsprachen (insbesondere Englisch und Französisch), aber auch im musischen Bereich mit den Fächern Kunst und Musik große Lücken auf. „Dass Bildungspolitik wahlentscheidend sein kann, hat schon die rot-grüne Vorgängerregierung leidvoll erfahren müssen. Insofern tut die Landesregierung schon im eigenen politischen Interesse gut daran, entschlossen gegenzusteuern“, erklärt Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw.

Erste Schritte sind getan. Dass Schulministerin Yvonne Gebauer in diesem Jahr eine aufwändige Lehrer-Werbekampagne gestartet hat, ist im Grundsatz zu begrüßen. Ob allerdings pseudo-jugendliche Slogans („Ein Leben lang Influencer? Kannste haben!“; „Job mit Pultstatus – Gönn Dir!“) im „Fack-ju-Göhte“-Stil junge Leute für den Lehrerberuf begeistern, darf bezweifelt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die zweite Phase der Kampagne wirklichkeitsnäher wird.

Klar ist, dass es auf Jahre hinaus nicht gelingen wird, die Schulen ausreichend mit grundständig ausgebildeten Lehrkräften zu versorgen, weil der Markt leergefegt ist und die Lehrerausbildung einfach Zeit braucht. Daher ist es sinnvoll und notwendig, Seiteneinsteiger an die Schulen zu bringen. Sie sollten allerdings langfristig die Ausnahme bleiben und dürfen nicht zur billigen Dauerlösung werden. Viele Seiteneinsteiger bringen sehr gutes Fachwissen mit, haben in der Regel aber nicht den nötigen didaktisch-pädagogischen Hintergrund. Hier muss es entsprechende Qualifizierungsmöglichkeiten geben. Sie standen jedoch lange Zeit nicht für alle Seiteneinsteiger offen. Auch auf Initiative von lehrer nrw hat sich das NRW-Schulministerium dieses Problems angenommen und macht nun entsprechende Angebote im Rahmen der einjährigen Pädagogischen Einführung.

In der Pflicht sind neben der Landespolitik auch die Universitäten. Sie müssen mehr Lehramts-Studienplätze vorhalten. Zudem sollte es Nachqualifizierungsmöglichkeiten an den Unis für Seiteneinsteiger geben – etwa um Diplom-Absolventen, die nur über Expertise in einem Fach verfügen, eine breitere fachliche Basis zu vermitteln.

Beim Lehrermangel ist ein Grundsatzproblem nach wie vor ungelöst. Es ist schlicht unattraktiv, in NRW Lehrer zu werden. Das liegt zuvorderst an der Bezahlung: Wer junge Lehrer gewinnen will, muss den Beruf auch finanziell interessant machen. lehrer nrw fordert daher eine Eingangsbesoldung nach A13 für alle Lehrkräfte. „Zu diesem Thema muss die Landesregierung endlich Farbe bekennen. Es wird höchste Zeit. Nordrhein-Westfalen steht mit anderen Bundesländern in einem knallharten Wettbewerb um den Lehrer-Nachwuchs. NRW muss sich in diesem Wettbewerb behaupten, sonst wird sich der Lehrermangel noch verschärfen“, betont Balbach.

Darüber hinaus müssen die Rahmenbedingungen an den Schulen besser werden. Mögliche Maßnahmen: Kleinere Klassen, eine moderate Absenkung des Pflichtstundendeputats, eine Reduzierung der infolge ausufernder Bürokratie anfallenden Mehrarbeit, mehr Zeit fürs Kerngeschäft – guten Unterricht – und ganz allgemein die Abschaffung der Ungleichbehandlung einzelner Schulformen.

Zur Attraktivität des Lehrerberufs gehört eine zeitgemäße digitale Ausstattung der Schulen. In diesem Zusammenhang muss das Schulministerium auch die Einführung der schulischen IT-Plattform LOGINEO NRW weiter vorantreiben. Die Schulen brauchen eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Neben den großen Unsicherheiten um Sicherheit und Datenschutz ist mit den kommunalen Spitzenverbänden noch die Frage zu klären, wer die Finanzierung der Endgeräte übernimmt. Für lehrer nrw ist es schon aus Gründen der IT-Sicherheit und damit verbundenen Haftungsrisiken völlig ausgeschlossen, dass Lehrkräfte private Endgeräte verwenden müssen, um LOGINEO NRW nutzen zu können.

24.08.2018

Jochen Smets, Pressesprecher

Originalpressemitteilung (PDF-Datei)


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