Mülheimer Kongress 2014 stand unter dem Thema 'Werteerziehung im christlich-humanistischen Kontext'

Mülheimer Kongress 2014, Blick ins Plenum

Vor einem Jahr startete lehrer nrw in Mülheim die Initiative für pädagogische Freiheit und Verantwortung. Nun hat der Mülheimer Kongress 2014 weiter am Fundament der Initiative gebaut. Das Thema „Werteerziehung im christlich-humanistischen Kontext“ war dabei zugleich Rückbesinnung als auch Ausblick auf das, was Bildung eigentlich ausmacht.

„Bildung speist sich aus einer christlichen, humanistischen und emanzipatorischen Tradition“: So heißt es im Mülheimer Aufruf, der im letzten Jahr den Auftakt zur Initiative für pädagogische Freiheit und Verantwortung markierte.
lehrer nrw-Vorsitzende Brigitte Balbach, Dr. Matthias Burchardt (Uni Köln) und Prof. Dr. Jochen Krautz füllten diese These mit Inhalt.

Burchardt betonte, dass Christentum, Humanismus und eine freiheitlich verstandene Emanzipation das Fundament bilden für unsere Demokratie, unser Rechtswesen, unser Bildungswesen, unseren Kulturbegriff, unsere Menschenrechte, unsere Familien und unsere Gesellschaft als Ganzes. Im kompetenzorientierten, auf ökonomischen Nutzen ausgerichteten Bildungskonzept des PISA-Zeitalters hingegen werde das „Konzept Mensch“ zerlegt. Der Mensch wird zum „Homo oeconomicus“, der Schüler verkomme zur programmierbaren Biomasse. Die Schule entferne sich immer mehr vom ganzheitlichen Bildungsideal des Comenius („Allen alles allumfassend lehren“).

In der Praxis drückt sich das durch einen eklatanten Abbau von Qualität aus, wie Brigitte Balbach in ihrer Rede deutlich machte. „Wir nehmen alle mit, wir lassen keinen zurück, heißt dann übersetzt: Wir orientieren uns in der Bildung am untersten Niveau“, betonte Balbach.
Der Lehrer wird derweil zum Lernbegleiter degradiert. Das ist politisch so gewollt und im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung nachzulesen. „In der neuen Lernkultur mit Lernbüros und Lerngalaxien, in denen Schüler selbstorganisiert lernen, stören Lehrer, die mitdenken“, machte Balbach deutlich.

„Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir nicht nur die Qualität nicht halten können, sondern die gesamte Pädagogik vor die Wand fahren.“ Es werde daher Zeit, forderte die lehrer nrw-Vorsitzende, „dass wir uns besinnen, was unsere Werte sind, woher sie kommen und wie wir sie in die Zukunft übertragen können“.

Wie diese Werte, die Burchardt zuvor im christlich-humanistisch-emanzipatorischen Kontext verortet hatte, im Schulleben pädagogisch und didaktisch realisiert werden können, war Thema des glänzenden Vortrags von Prof. Dr. Jochen Krautz.
Er postulierte „die Einheit von Erziehung und Bildung“. Dem läuft aber die heute um sich greifende Ideologie des selbstgesteuerten Lernens zuwider.
Krautz plädierte für eine lehrerzentrierte Perspektive – genau so, wie sie übrigens auch die viel gelobte Hattie-Studie als Voraussetzung für guten Unterricht beschreibt.

Was in Gemeinschaft möglich ist, bewies einmal mehr die Big Band der Erich-Klausener-Realschule Herten. Mit tollem Sound und gelungenen Arrangements von Klassikern und zeitgenössischen Popsongs sorgte das Schul-Orchester einmal mehr für Begeisterung.  

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