„Nein“ zu PISA

In einem offenen Brief warnen weit über 100 Wissenschaftler, Pädagogen und Elternvertreter vor den negativen Folgen der PISA-Studien für Schulen und Schüler. Der Brief richtet sich an Dr. Andreas Schleicher als verantwortlicher Direktor der OECD für das „Programme of International Student Assessment“ (PISA).

PISA habe die Bildungspraxis und -politik in vielen Ländern tiefgreifend beeinflusst, heißt es in dem Schreiben. Der dreijährige Testzyklus habe die Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik auf kurzfristige Maßnahmen verlagert – in der Absicht, schnell im Ranking aufzuholen. Zudem werde die öffentliche Vorstellung von dem, was Bildung ist und sein soll, in gefährlicher Weise verengt. Obendrein habe die OECD kein klares und legitimes Mandat in Bildungsbereich. Bedenklich sei zudem, dass die OECD „Public Private Partnerships“ und Allianzen mit multinationalen, profitorientierten Unternehmen eingegangen sei, „die bereit stehen, um aus jedem von PISA identifizierten – realen oder vermeintlichen – Bildungsdefizit Profit zu schlagen“.

Hauptkritikpunkt des offenen Briefs: „Das neue PISA-Regime mit seinen kontinuierlichen globalen Testzyklen schadet unseren Kindern und macht unsere Klassenzimmer bildungsärmer durch gehäufte Anwendung von Multiple-Choice-Testbatterien, vorgefertigten (und von Privatfirmen konzipierten) Unterrichtsmodulen, während sich die Autonomie unserer Lehrer weiter verringert.  Auf diese Weise hat PISA den ohnehin schon hohen Grad an Stress an unseren Schulen weiter erhöht und gefährdet das Wohlbefinden von Schülern und Lehrern.“

Die Unterzeichner fordern mehr Partizipation aller Akteure im Bildungsprozess, mehr Kostentransparenz, eine unabhängige Aufsicht und Überwachung sowie Rechenschaftslegung über die Rolle privater, profitorientierter Unternehmen bei den PISA-Studien. Als „Besinnungspause“ wird vorgeschlagen, die OECD-Testmaschinerie zurückzufahren und den nächsten PISA-Zyklus auszusetzen.

Im abschließenden Absatz heißt es: „Wir können nicht verstehen, wie die OECD zum globalen Schiedsrichter über Mittel und Ziele von Bildung in der ganzen Welt werden konnte. Die enge Ausrichtung der OECD auf standardisierte Tests droht Lernen in Pedanterie zu verwandeln und Freude am Lernen zu beenden. Durch den von PISA stimulierten internationalen Wettlauf um Testergebnisse hat die OECD die Macht erhalten, weltweit Bildungspolitik zu bestimmen, ohne jede Debatte über die Notwendigkeit oder Begrenztheit der OECD-Ziele. Durch das Messen einer großen Vielfalt von Bildungstraditionen und -kulturen mit einem engen und einseitigen Maßstab kann am Ende unseren Schulen und unseren Schülern irreparabler Schaden zugefügt werden.“

Der offene Brief kann im Internet unter http://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/nein-zu-pisa-offener-brief-an-andreas-schleicher.html eingesehen und heruntergeladen werden. Dort können sich Interessenten zudem als Mitunterzeichner für den offenen Brief eintragen.

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