Von Psychotechniken bis zum Maulkorb

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Demokratie oder „sanfte Steuerung“ der Schule?

Unter dem Motto „Time for change?“ findet am 3. Februar 2018 eine Tagung an der Universität Wuppertal statt, die die Manipulationstechniken und Steuerungsmechanismen der bildungspolitischen Akteure entlarven will. Die Teilnahme ist kostenlos.

Schulen stehen seit den PISA-Studien unter immensem Reformdruck: Kompetenzorientierung, Vergleichstests, zentrale Prüfungen, individuelle Förderung, selbstgesteuertes Lernen, Methodentraining, Schulprogramme, Qualitätsmanagement usw. versprechen Schule besser zu machen. Im Erleben vieler Lehrerinnen und Lehrer bewirken sie faktisch das Gegenteil: unsinnige Arbeitsverdichtung durch Bürokratisierung, Ablenkung vom Kerngeschäft Unterricht, Verlust von Inhalten, Aufgabe der Lehrerrolle, Rückzug aus dem Erziehungsauftrag, Abbau von Können und Wissen, Verlust der pädagogischen Freiheit durch externe Kontrollen, Umsetzungsdruck durch Schulleitungen und Behörden.

Die Reformen selbst kommen in der emphatischen Sprache völliger Alternativlosigkeit daher. Sie unterstellen: „Es ist Zeit für den Wandel!“ Neu ist immer besser; wer nicht mitmacht, ist von gestern – und wird mit sanftem oder unsanftem Druck auf die neue Linie gebracht. Dazu werden zunehmend sozialpsychologische Steuerungsinstrumente des sog. „Change Managements“ eingesetzt. Statt Sachdiskussionen zu führen, wird an „Einstellungen“ gearbeitet. Derart manipulativ sollen pädagogische Überzeugungen und konkretes Handeln der an Schule Beteiligten verändert werden. Doch werden Kritiker durch Vorgesetzte und Schulverwaltung auch direkt eingeschüchtert und gemaßregelt.

So sollen Lehrer unter Druck gesetzt werden, sich von ihren wohl begründeten pädagogischen Überzeugungen zu verabschieden. Schulleitungen sollen als Ausführungsorgan des „Change Managements“ dienen. Fortbildungen und Lehrerausbildung werden entsprechend ausgerichtet. Stiftungen und Lobbygruppen verstärken den Druck von außen.

Die Tagung will diese Entwicklungen aufzeigen und deren Hintergründe und Ziele analysieren. Mit welchen Techniken und Mitteln soll hier gesteuert werden, statt zu argumentieren? Was ist dagegen Aufgabe von Schule in der Demokratie und welche Bedeutung dabei haben Lehrerinnen und Lehrer? Wie kann das Selbstverständnis von Lehrern und die Widerstandskraft gegen Denkverbote und Kontrollen gestärkt werden? Was kann jeder in seinem Unterricht, in seiner Schule tun? Und was können Lehrer, was können Eltern und alle Bürger unternehmen, um Schule in demokratische Verantwortung zu holen?

Die Tagung findet statt am 3. Februar von 9.30 bis 17.30 Uhr in der Bergischen Universität Wuppertal (Fakultät für Design und Kunst, Lehr- und Forschungsgebiet Kunstpädagogik, Gaußstr. 20, 42119 Wuppertal, Hörsaal 32, Gebäude K, Raum 11.23). Die Teilnahme inklusive Mittagsimbiss ist kostenlos. Anmeldung bis zum 19. Januar 2018 an: tagungfk8@uni-wuppertal.de

Ausführliche Informationen und das komplette Tagungsprogramm finden Sie unter

https://bildung-wissen.eu/veranstaltungen-1/time-for-change.html