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PISA und seine Folgen für das Schulsystem; Gastbeitrag von Martin Eder, Universität Passau

PISA und seine Folgen für das Schulsystem

Gastbeitrag von Martin Eder, Universität Passau

„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, schrieb Amely Bölte 1847 in einem Tagebucheintrag und fährt fort: „Was ihm [dem Menschen; M. E.] klein eingelernt ist, das will er in jedem Alter und zu allen Zeiten und auf dieselbe Weise thun, sonst mahnt ihn sein Gewissen“ (Bölte, 1847, S. 177).

Überträgt man dieses überaus geläufige Zitat auf das deutsche Bildungssystem, scheint es sich auch hier zu bewahrheiten. War der Schock bei der Einführung der von der OECD initiierten internationalen Vergleichsstudie PISA bei der Veröffentlichung der Ergebnisse des ersten Durchgangs 2001 auch noch so groß, scheint man sich mittlerweile an den Ländervergleich gewöhnt zu haben. Dem Bildungssystem wurde in Konsequenz auf das unterdurchschnittliche Abschneiden Deutschlands die Kompetenzorientierung „eingelernt“, um Amely Bölte zu bedienen, und nach nun 18 Jahren und der Einführung von vor Kompetenzkomposita strotzenden Lehrplänen erscheint die in dreijährigem Rhythmus stattfindende Studie nur mehr die logische Konsequenz aller derartigen Bemühungen zu sein. Daher wird auch der aktuellsten Kritik von Singer/Braun (2018), die erneut umfangreiche methodische Mängel belegt, nicht in dem Umfang Beachtung geschenkt, wie sie eigentlich angemessen wäre („auf dieselbe Weise thun“; Bölte, 1847, S. 177). Vielmehr wird lediglich darauf verwiesen, dass genannte Kritikpunkte, wie die Unvergleichbarkeit von mittlerweile 79 teilnehmenden Nationen, die Beeinflussung der Testergebnisse durch außerschulische Faktoren oder auch Diskrepanzen bei der Auswahl der Studienteilnehmer, in der aktuellen Erhebung, welche am 03.12.2019 veröffentlicht wird, laut Andreas Schleicher bereits berücksichtigt werden (Anders 2018).

Angst vor dem wirtschaftlichen Abstieg

Wie aus dem Zitat Böltes hervorgeht, erwächst aus etwas anfangs Neuem und Ungewohntem mit der Zeit nicht nur die Billigung dessen, sondern darüber hinaus auch der eigenständige Wille hierzu. Mit der Manifestation des Letztgenannten gehen jedoch auch ein gewisser Zwang zur Gewohnheit und Schuldgefühle einher, sollte der Sache nicht nachgekommen werden. …

De gesamte Beitrag als PDF: Martin Eder: Pisa und die Folgen für das Schulsystem