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Neuerscheinung: Für welches Leben lernen wir?

Die Studie weist empirisch nach, inwiefern z. B. die statistische Produktivmachung "Risikokindern" sowie die damit einhergehenden Transformation der hiesigen Bildungs- und Erziehungsbegriffe als biopolitische Strategien zu verstehen sind.

 

 

Die Studie beschäftigt sich in ideologiekritischer Absicht mit dem Zusammenhang von Schule und Gesundheit. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass im Zuge einer beobachtbaren Abkehr von der schulischen Gesundheitserziehung und damit einhergehenden Entwicklung hin zum Konzept der Gesundheitsförderung nicht länger nur das soziale, sondern auch das vitale Leben der Schüler*innen erkennbar zur Sprache kommt. Dabei lässt sich eine frag- und reflexionslose Übernahme internationaler, meist nicht-pädagogischer Begriffe und Modelle (z. B. Health Literacy, Lebenskompetenz, Resilienz, Salutogenese) feststellen, die – im Namen der Gesundheit – in das deutsche Bildungs- und Erziehungswesen übernommen werden.

Diese Entwicklung wird vor dem Hintergrund des historisch gewachsenen Verhältnisses von Pädagogik und Gesundheit einer genauen Analyse unterzogen. Grundlegend hierfür ist der Befund, dass die soziale Disziplinierung der „Armen“ und „Kranken“ sowie der Aufruf zu vitaler Selbstregulation auf Seiten des erstarkenden Bürgertums seit dem 18. Jh. als gleichzeitig auftretende Prinzipien einer Lebensmacht in die Anfänge der modernen Pädagogik eingewoben sind. Mit dem diesbezüglichen Begriff der Biopolitik dokumentiert der französische Philosoph Michel Foucault eine Machtform, die am Ende des 18. Jahrhunderts auftaucht und deren vorrangige Zwecke Erhalt und Verbesserung der Bevölkerung sind.

Auf Grundlage dieser theoretischen Folie untersucht die Studie das Sprechen über Schule und Gesundheit mithilfe eines linguistischen Kategoriengerüsts, das in eine diskursanalytische Method(ologi)e integriert wird. Dieses Verfahren findet in der Analyse jener sprachlich-kommunikativen Muster, die sich in bildungs- und gesundheitspolitischen sowie – wissenschaftlichen Papieren um das Thema Schule und Gesundheit verdichten, seine Anwendung. Die Verschränkung von Biopolitik und Diskursanalyse ermöglicht sodann nicht nur die Beschreibung des Diskurses als sprachliches Form- und Funktionsgefüge, sondern auch die Rekonstruktion der darin verborgenen Rationalitäten. Auf diese Weise lässt sich empirisch nachweisen, inwiefern z. B. die statistische Produktivmachung von „Risikokindern“ sowie die damit einhergehenden Transformation der hiesigen Bildungs- und Erziehungsbegriffe als biopolitische Strategien zu verstehen sind.

 

Link zum Beltz-Verlag: Für welches Leben lernen wir?


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