Unsere Köln-Exkursion im Dezember 2018

Unsere Gruppe in der Basilika St. Ursula
Unsere Gruppe in der Basilika St. Ursula
Blick vom romanischen Teil in den gotischen Teil
Blick vom romanischen Teil in den gotischen Teil
Der lichtdurchflutete gotische Teil von St. Ursula
Der lichtdurchflutete gotische Teil von St. Ursula
Im Altarraum von St. Ursula mit den zwei Schreinen
Im Altarraum von St. Ursula mit den zwei Schreinen
An der Wand: Reliquiengefäße in der Gebeinkammer
An der Wand: Reliquiengefäße in der Gebeinkammer
Vor dem Essen im Gasthaus "Schreckenskammer"
Vor dem Essen im Gasthaus "Schreckenskammer"
Beim Essen im Gasthaus "Schreckenskammer"
Beim Essen im Gasthaus "Schreckenskammer"

Zwei Gotteshäuser und dazwischen Himmel und Äd

Pünktlich um 10.30 Uhr fand sich am 4. Dezember 2018 eine stattliche Anzahl unserer Kolleginnen und Kollegen von den Senioren des lehrer nrw vor der romanischen Kirche St. Ursula ein.

Mitten in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof, ist hier eine Oase der Ruhe. Hier begrüßte uns unsere Führerin, Frau Dr. Zeitler-Abresch. Sie erläuterte, warum an dieser Stelle seit der frühen Christenheit das Martyrium der heiligen Jungfrauen verehrt wird. Dabei bleibt im Detail viel im historischen Dunkel: Waren es elf Jungfrauen oder waren es weniger? Jedenfalls sicher nicht elftausend, wie es die Legende besagt. Solch eine Übertreibung beruht womöglich auf einem schlichten Missverständnis bei der Deutung des römischen Buchstabens M. Bekannt ist das M als Zahl eintausend, hier aber steht es für Märtyrer. Wie auch immer es gewesen sein mag, ob Ursula ihr richtiger Name war, ob Ätherius ihr Verlobter war und mit ihr sterben musste, ob sie aus Britannien stammte oder aus der Bretagne, ob sie Prinzessin war oder nicht, den Menschen der damaligen Zeit kam es auf etwas anderes an: Sie sahen in den Märtyrern ein Vorbild an Standhaftigkeit im Glauben.
Diesen Glauben wollten sie haptisch mit Reliquien „begreifen“ können. Und in den Gesichtern der Reliquienbüsten drückten sie den Glauben an eine himmlische Glückseligkeit mit einem uns heute naiv anmutenden Lächeln aus.

Über die Baugeschichte der Kirche gäbe es manches zu berichten. Jede Epoche hat ihr Verständnis von der Angemessenheit dieses Raumes neu ausgedrückt.
In der Romanik noch im Dunklen, will die Gotik die goldenen Schreine der Märtyrer in göttlichem Licht erscheinen lassen, will der Barock die dunklen Bögen des romanischen Hauptschiffs hinter einer glatten Wand verschwinden lassen, hat auch das 19. Jahrhundert mit der Rückbesinnung auf die Romanik seine Spuren hinterlassen, und unsere Zeit nach den Zerstörungen des Krieges steht vor der Frage, welche der historischen Formen Anknüpfungspunkt der Wiederherstellung sein sollen. In jeder Zeit nahmen die Architekten Ideen anderer großer Kirchenbauten ihrer Zeit auf; so erinnert der hochgotische Chor an die Sainte Chapelle in Paris, so wurde die romanische Raumgliederung von St. Ursula ihrerseits zum Vorbild für andere romanische Kirchen in Köln.

Besonders, aber auch befremdlich, wirkt auf den heutigen Besucher eine kleine Seitenkapelle mit einem mittelalterlichen Beinhaus. Verständlich ist das alles nur vor dem Hintergrund des bereits erwähnten Glaubensverständnisses, mit seiner Liebe zum anschaulichen Reliquiar. Die offizielle Lehrauffassung hat dies stets mit einer gewissen Sorge vor Übertreibungen betrachtet und beispielsweise den Handel mit Reliquien verboten. Und die Kölner? Sie haben sich natürlich an die Vorschrift gehalten, aber was wäre diese Stadt ohne eine rheinische Lösung? So hat man die Reliquien nicht verkauft, aber ihre Ausfuhr nur unter der Bedingung gestattet, dass sie in einem würdevollen Gefäß erfolgt. Dies wurde für gutes Geld in der Stadt hergestellt....

Nach gut eineinhalb Stunden Bau-, Kirchen- und Glaubensgeschichte ging es zur Stärkung nach nebenan in die Schreckenskammer. Was liegt näher, nach so viel Himmelskunde, als das typischste Kölner Gericht: Himmel und Äd. Und wenn ich mich nicht getäuscht habe, erschien auf dem Gesicht meines Gegenübers dabei das Lächeln der Glückseligkeit. Zumindest für einen Augenblick.

Mit der Straßenbahn ging es dann nach Ehrenfeld zur neuen Zentralmoschee. Bekanntlich ist sie vor einigen Wochen formell vom türkischen Staatspräsidenten eröffnet worden. Dieses Ereignis hat bundesweit Beachtung und auch manche Irritation ausgelöst. Manchem ist da erst bewusst geworden, dass die DITIB als Religionsgemeinschaft eine Behörde des türkischen Staates ist. Sicher hat die Tagesaktualität dazu beigetragen, dass unsere Exkursion deutlich stärker nachgefragt war als üblich. Leider musste manchen abgesagt werden; für diese weise ich darauf hin, dass es öffentliche Führungen gibt, die jeden Mittwoch und Freitag um 15 Uhr angeboten werden. Ggf. sollte man sich vor einem Besuch durch einen Anruf bei dem Empfangsbüro versichern, dass der Termin wirklich stattfindet.

Die einstündige Führung übernahm ein in Ankara ausgebildeter Theologe der DITIB. Der junge Mann war übrigens in Radevormwald groß geworden und hat dort sein Abitur gemacht. Zunächst berichtete er über den langen Weg von der ersten Idee eines Neubaus bis zur Fertigstellung der Moschee. Als Kölner weiß man naturgemäß einiges über die vielen Konflikte, die es in dieser Zeit mit der Stadt und der Bürgerschaft zu bewältigen galt. Aber deren Darstellung war ersichtlich nicht das Ziel der Führung; heute galt es das Ergebnis zu bewundern und nebenbei auch einiges über den Islam zu erfahren.

Moschee als Begriff verweist auf das Gebäude, in dem der Mensch im Gebet Gott begegnet. Im Gebäudekomplex sind weitere Einrichtungen unterschiedlicher Art untergebracht, insbesondere Waschräume, aber auch Cafés, eine Bibliothek, Unterrichtsräume usw.. Die Moschee selber erreicht man über eine Freitreppe, die auf einen großzügigen Platz führt, von dem aus der Kirchenraum betreten wird. Im Vorraum heißt es zunächst, die Schuhe auszuziehen. Erst dann betritt man den leuchtend blauen, hochflorigen Teppich. Der Innenraum beeindruckt durch die gewaltige Kuppel und die riesigen Fensterflächen, die der Moschee eine ungewöhnliche Transparenz verleihen. Der Kölner Baumeister Paul Böhm (aus der berühmten Dynastie moderner Kirchenbauer) hat hier einen überwältigend schönen Raum geschaffen, dessen Transparenz auch für die Öffnung gegenüber der Bürgerschaft stehen soll.

Die religiösen Bezüge in der Moschee wurden von türkischen Künstlern entworfen. Wiederkehrend an der Hauptpforte und im Inneren der Moschee erscheint das zentrale Glaubensbekenntnis des Islam („Es gibt nur einen Gott und Mohammed ist sein Prophet“). Dies wie auch die Namen wichtiger Propheten des Islam findet man in kalligraphisch prachtvoller Form an den Wänden des Innenraums, der ansonsten hell gehalten und geometrisch dekoriert ist. Zumeist findet man dort die Zahlensymbole der fünf Säulen des Islam (Fasten, Glaubensbekenntnis, Gebet, Fahrt nach Mekka, Almosen) wie auch der acht Pforten des Paradieses.
Der fromme Moslem ist gehalten, fünfmal täglich zu beten. Zuvor hat er sich zu reinigen (deshalb das Badehaus, wo einige Körperstellen kurz dreimal überspült werden). Dieser Hinweis war unserem Führer wichtig, schließlich begegnet der fromme Moslem im Gebet Gott.
Das Freitagsgebet vereinigt die Gemeinde; regelmäßig kommen 1200 Gläubige. Das legte die Frage nahe, wie sich dies mit den deutschen Arbeitszeiten vereinbaren ließe. Es gehe im Normalfall, so lautete die Antwort. Und wenn nicht, so sei der Gläubige entschuldigt.
Um uns einen Eindruck vom Gottesdienst zu vermitteln, stimmte unser Theologe mehrere kurze Gesänge an. Dies ist im Gottesdienst die einzige Musik; Instrumente werden nicht eingesetzt.

Immer wieder kam der Hinweis auf die Friedfertigkeit des Islam. Vermutlich wären dazu noch weitere Fragen gestellt worden, aber nach einer Stunde war die Führung zu Ende und es galt, den Heimweg anzutreten. Das „hillige Köln“ hat mittlerweile auch sichtbar moslemische Orte; deren Einbindung in die Stadtgesellschaft wird man vermutlich erst in Jahrzehnten bewerten können. Hoffen wir darauf, dass die guten Absichten, wie sie unser Führer äußerte, wie auch sein Bekenntnis zu Friedfertigkeit und Toleranz in der Lebenswirklichkeit realisiert werden.

In diesem Sinne wünsche ich eine friedvolle Weihnachtszeit und grüße aus Köln

Hildegard Rottmann

Gruppe auf der Freitreppe zur Moschee
Gruppe auf der Freitreppe zur Moschee
Kölner Zentralmoschee
Kölner Zentralmoschee
Eingangstüren der Kölner Zentralmoschee
Eingangstüren der Kölner Zentralmoschee
Im Gebetsraum der Kölner Zentralmoschee
Im Gebetsraum der Kölner Zentralmoschee
Blick in die beleuchtete Kuppel der Zentralmoschee
Blick in die beleuchtete Kuppel der Zentralmoschee
 
 
 

Nach oben