Neue Ministerin mit Altlasten

Auszug aus der Pressemitteilung vom 25.08.2017

lehrer nrw erwartet Impulse von der neuen Landesregierung.

Die Ministerin ist neu, die Probleme sind geblieben. Zum Beginn des Schuljahres 2017/18 hat Schulministerin Yvonne Gebauer viele offene Baustellen vorgefunden. „Wir erwarten von der neuen Ministerin keine Wunder. Durch Handauflegen lassen sich die Herausforderungen, vor denen das NRW-Schulsystem steht, nicht bewältigen. Aber wir erwarten zeitnah deutliche Impulse, die auch wirklich an den Schulen ankommen“, betont die lehrer nrw-Vorsitzende Brigitte Balbach. Großen Handlungsbedarf sieht lehrer nrw vor allem in den folgenden Bereichen:

Lehrermangel

Wie die Schulministerin heute mitteilte, sind aktuell 2.139 Lehrerstellen unbesetzt. Angesichts des zusätzlichen Bedarfs, der aus Aufgaben wie Inklusion und Integration resultiert, ist das aus Sicht von lehrer nrw nur die Spitze des Eisbergs. Der eklatante Lehrermangel lässt sich nicht von heute auf morgen beheben.
lehrer nrw empfiehlt eine zweistufige Herangehensweise: Kurzfristig gilt es, Pensionäre und Seiteneinsteiger – auch mit finanziellen Anreizen – für den Schuldienst zu gewinnen. Dabei muss sichergestellt sein, dass Seiteneinsteiger vor und während ihrer schulischen Tätigkeit bestmöglich qualifiziert werden.

Mittel- und langfristig muss es ein übergeordnetes politisches Ziel sein, den Lehrerberuf wieder attraktiver zu machen. Imagekampagnen reichen dafür nicht. lehrer nrw fordert daher eine Eingangsbesoldung nach A13 für alle regulär ausgebildeten Lehrkräfte und finanzielle Anreize für Seiteneinsteiger. „Mit Blick auf den dramatischen Lehrermangel müssen wir flexibel denken und auch für unkonventionelle Wege offen sein“, sagt Balbach.

Integration

Die Integration von Zuwandererkindern wird bisher eher verwaltet als gestaltet. Bis heute fehlt – trotz mehrfacher Forderungen von lehrer nrw, auch über den Hauptpersonalrat Realschulen – ein schlüssiges, landesweit verbindliches Gesamtkonzept. Die Schulträger und Schulen vor Ort werden mit dieser Generationenaufgabe allein gelassen und sind vielfach überfordert.

„Grundsätzlich muss gelten, dass Zuwandererkinder nur mit soliden Deutschkenntnissen sukzessive in die Regelklassen eingegliedert werden. Gegebenenfalls müssen Vorbereitungskurse, die ausschließlich dem Erwerb der deutschen Sprache dienen, an den Schulen vorgeschaltet werden. Dabei müssen längerfristige Separierungen dieser Schüler vermieden werden“, so Balbach.

Der Lehrermangel schlägt sich auch im Bereich Integration nieder: Es fehlt vor allem an grundständig ausgebildeten Lehrkräften mit Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF / DaZ). Weil dieses Problem auch in anderen Bundesländern akut ist, wäre es naheliegend, über den deutschen Tellerrand zu schauen. In den skandinavischen Ländern zum Beispiel gibt es viele angehende Lehrer, die Deutsch als Zweitsprache studieren und gut Deutsch sprechen. Für sie könnte Deutschland eine interessante berufliche Station sein.

Inklusion

Unter der rot-grünen Vorgängerregierung lief Inklusion weitgehend im Improvisationsmodus ab. „Inklusion muss deutlich professioneller werden. Dazu gehört eine durchgängige Doppelbesetzung aus Fachlehrer und Sonderpädagoge in allen inklusiv arbeitenden Klassen. Flankiert werden muss dies durch multiprofessionelle Teams. Mit der Aussetzung der Mindestgrößenverordnung für die Förderschulen hat Ministerin Gebauer bereits ein positives Signal gesetzt. Denn die UN Behindertenrechtskonvention verlangt keineswegs die Abschaffung der Förderschulen“, erklärt Balbach.

Fairere Rahmenbedingungen

Rot-Grün hat aus ideologischen Gründen Lehrkräfte insbesondere an Schulen des längeren gemeinsamen Lernens mit einer besseren Schüler-Lehrer-Relation und einer geringeren Unterrichtsverpflichtung deutlich bevorzugt. „Diese Ungleichbehandlung ist diskriminierend und muss beendet werden. lehrer nrw fordert gleiche Bedingungen für alle Lehrkräfte und alle Schulen im Sekundarbereich I“, so Balbach. „Insbesondere eine Besoldungsanpassung ist vonnöten. Gleiche Ausbildung, gleiches Geld, muss die Devise lauten.“

25.08.2017

Jochen Smets, Pressesprecher

Originalpressemitteilung (PDF-Format)



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