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Im Nirwana der

Lehrerbildung

Über die fehlende Nach-Qualifizierung von Seiteneinsteigern

W

enn ein Schreiben des MSW schon mit ei-

ner Entschuldigung beginnt, die an das

Verständnis der Hauptpersonalräte appel-

liert, dass diese (leider) erst nach der Schlusszeich-

nung des Staatssekretärs über einen Erlass infor-

miert werden können, liegt die Sache selbst schon

im Argen – das lehrt mich meine langjährige Erfah-

rung mit Personalratsarbeit.

So ist es auch in diesem Fall: Bei dem Erlass geht

es um die Aufstockung von entfristeten Arbeitsver-

trägen zur Deckung des steigenden Bedarfs an Lehr-

kräften, die keine originäre Lehrerausbildung durch-

laufen haben und auch keinen Anspruch auf Aner-

kennung anderweitiger vorheriger Tätigkeiten ha-

ben, der ihnen den Weg über die OBAS oder die pä-

dagogische Einführung in den Lehrerberuf

ermöglichen könnte.

Auf Seiteneinsteiger angewiesen

Mit anderen Worten: Es handelt sich um Personen

wie zum Beispiel Dachdecker oder Bäcker, Menschen

mit nur ein paar Fach-Semestern an einer Universität

oder Hochschule oder ähnlichen Qualifikationen,

wie zum Beispiel einer Berufsausbildung. Zahlreiche

Schulen, besonders auch in ländlichen Gebieten,

sind mittlerweile auf diese Menschen angewiesen,

da sie über das Wissen und ausreichende Kompeten-

zen verfügen, die sie an diesen Schulen in den Fä-

chern, die sie unterrichten können, unentbehrlich

machen. Dieser sogenannte Seiteneinstieg garantiert

uns also in Nordrhein-Westfalen eine Stundentafel,

die den für die Schulen des Landes festgeschriebe-

nen Vorgaben entspricht. Würden diese Menschen

nicht in der Not des Lehrermangels einspringen,

müsste der jeweilige Fachunterricht schlichtweg

ausfallen. Das wäre nicht zu verantworten.

Seit ein paar Jahren spielt die Gerichtsbarkeit

beim Seiteneinstieg eine große Rolle: Zunächst be-

von BRIGITTE BALBACH

AUFGESPIESST

3

3/2017 ·

lehrer nrw

A U F

G

E

S

P

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E

S

S

T

fristete Verträge werden aus unterschiedlichen Grün-

den in unbefristete umgewandelt, meist gilt als

Grund der Zeitraum der Beschäftigung (aktuell nach

etwa fünf bis sieben Jahren, je nach Arbeitsgericht).

Der betroffene Seiteneinsteiger wird in der Regel mit

der Stundenzahl weiterbeschäftigt, die im letzten

Vertrag festgeschrieben war. Mit oben genanntem

neuen Erlass soll diesen Kollegen ermöglicht wer-

den, ihre Stundenzahl bis zur Vollzeittätigkeit aufsto-

cken zu können. Damit sind sie voll in unserem Sys-

tem und in unseren Kollegien. Willkommen! Wo Not

ist, muss oft neu gedacht werden!

Lehrer erster und zweiter Klasse?

Wie kann denn nun eine möglichst volle Integration

in die Lehrerkollegien erfolgen? Oder haben wir mit

dieser neuen Entwicklung jetzt Lehrer erster und

zweiter Klasse, also mit und ohne Lehrerausbildung

in unseren Schulen? Denn Fakt

bleibt ja zunächst, dass diese Kol-

legen zwar über eine Qualifikati-

on für mindestens ein Fach verfü-

gen – wie steht es aber mit Pä-

dagogik und Didaktik? Sie haben

das Lehren ja nicht gelernt! Ich

halte noch einmal fest: Aus ei-