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AUFGESPIESST

IM BRENNPUNKT

Logineo NRW:

Wird der

User zum

Loser?

Um das digitale Chaos an Schu-

len zu beenden, wollen die Lan-

desregierung und die Kommu-

nen in Nordrhein-Westfalen lan-

desweit eine verlässliche, stan-

dardisierte und vertrauenswür-

dige Basis-IT-Infrastruktur

(‘LOGINEO NRW’) anbieten, mit

der Schulen über das Internet

Anwendungen zur Kommunika-

tion sowie zur Organisation von

Schule und Unterricht zur Verfü-

gung gestellt werden können.

Doch noch bestehen massive da-

tenschutzrechtliche Bedenken.

ner Flexmittel-Stelle geht es in die Vollzeit

ohne jegliche Ausbildung, sei sie auch

noch so komprimiert? Wie kann das sein?

Was ist mit der Absicherung der Unter-

richtsqualität? Wer besucht die Unter-

richtsstunden dieser Kollegen, um sich ein

Bild davon zu machen? Und zwar mit dem

Ziel, dass diese Kollegen künftig Vollzeit-

lehrkräfte sein sollen, die mit allen Konse-

quenzen Teil des Kollegiums werden. Soll

eine Teilung von Kollegien in Lehrer unter-

schiedlicher ‘Klassen’ festgeschrieben wer-

den? Wo bleibt die Nachjustierung des

MSW?

Auf Nachfrage des Hauptpersonalrates

Realschule nach einer Qualifizierungsmög-

lichkeit irgendeiner Art, musste das MSW

zunächst passen. Das hatte keiner ‘auf

dem Schirm’. Die Bereitschaft, darüber im

Haus nachzudenken, war jedoch vorhan-

den. Und nach unserer Einlassung gab es

bereits eine erste Rückmeldung: In zwei

Gesprächsrunden mit der Abteilung ‘Leh-

rerausbildung’ kam man übereinstimmend

zu dem Ergebnis, dass eine Qualifizierung

dieser Seiteneinsteigergruppe wegen feh-

lender Qualifikation nicht möglich sei.

Denn wer über keine Qualität verfüge,

könne auch nicht eine Qualitätserweite-

rung erhalten. Logisch, nicht wahr?

Von Fortbildung

ausgeschlossen

Wer mit einer ausreichenden Qualifizie-

rung ins System Schule kommt, wird wei-

tergebildet, er kann sein Qualitätsniveau

kontinuierlich durch Teilnahme an Fortbil-

dungen und Weiterbildungen erhöhen.

Wer mit weniger kommt, kann per OBAS

oder Pädagogischer Einführung eine Ver-

besserung und eine Anerkennung als re-

guläre Lehrkraft erreichen. Wer mit so gut

wie nichts Erlerntem aus dem Bereich Pä-

dagogik/Didaktik kommt (außer seiner

täglich zunehmenden Erfahrung), wird

noch zusätzlich »unten in der Lehrerbil-

dungskette« gehalten, weil es »ohne Qua-

lität keine Qualitätserweiterung« geben

kann. Das heißt: Er ist auch von Fort- und

Weiterbildung systemisch ausgeschlossen!

Können Sie das glauben? Ich auch

nicht. Die Gespräche im MSW gehen nach

unserer erneuten Einlassung in die zweite

Runde. Ich habe angeregt, die ZfsL einzu-

binden, denn die sind letztlich für diese

Erstausbildung in Pädagogik, Didaktik

und Methodik zuständig.

Kritische Stimmen

aus den Kollegien

Noch ein Wort zu uns in den Kollegien.

Schon zu oft habe ich erste kritische Stim-

men zu dieser Entwicklung gehört, so

nach dem Motto: »Warum hab’ ich dann

so lange studiert, wenn es auch mit weni-

ger Aufwand geht?« Was soll das werden

– Neid, Missgunst, Ausgrenzung oder Be-

wahren der eigenen Bildungshoheit?

Ich möchte Sie anregen, alle am Schul-

leben Beteiligten mitzunehmen: Das Spar-

tendenken und das Denken in Kategorien

muss auch in unseren Schulen und beson-

ders in unseren Kollegien ein Ende haben!

Unsere jetzigen Zeiten sind unruhig,

durchaus gefährlich, politisch oft irritie-

rend! Das heißt für uns Lehrer: Zusam-

menhalt ist nötig, Zeichen müssen wir

setzen, Werte vermitteln, falsche Entwick-

lungen deutlich negieren, für etwas ste-

hen. Damit müssen wir – wie immer – bei

uns selbst anfangen, in unserem Kollegi-

um! Die Schule von Morgen wird anders

aussehen müssen, bunter, vielfältiger, an-

ders eben. Das müssen wir im Blick ha-

ben.

Das MSW muss die Qualität der Lehr-

kräfte im Blick haben, und zwar bevor sie

ein Arbeitsleben lang vor der Klasse ste-

hen; das Haus muss eine Grundqualifika-

tion jeder Lehrkraft systemisch sicherstel-

len. Denn auch eine spätere Qualitätsana-

lyse macht nur Sinn, wenn ich vorher ei-

nen Mindeststandard für Lehrer festge-

schrieben habe. Das tut zurzeit not.

Quer denken wünsche ich mir manch-

mal im MSW – verquer denken ist leider

öfter mal der Fall – wie unser Beispiel

zeigt.

Brigitte Balbach

ist Vorsitzende des

lehrer nrw

E-Mail:

info@lehrernrw.de

von SVEN CHRISTOFFER

G

emäß LPVG sind die Personalräte der

einzelnen Schulformen bei der Ein-

führung, Anwendung und Erweite-

rung technischer Einrichtungen in der Mitbe-

stimmung, d.h. ohne ihre Zustimmung kann

Logineo NRW in den Schulen nicht einge-

führt werden. Dieses förmliche Mitbestim-

mungsverfahren kann jedoch – gegenseitiges

Einvernehmen vorausgesetzt – durch den Ab-

schluss einer Dienstvereinbarung ersetzt wer-

den. Vor diesem Hintergrund haben Vertreter

der Dienststelle und der Hauptpersonalräte

in den vergangenen Monaten in einer Ar-

beitsgruppe eine Dienstvereinbarung zur

‘Einführung, Nutzung und Weiterentwicklung

von Logineo NRW in Schulen in NRW’ erar-

beitet. Auch der Hauptpersonalrat Realschu-

len war in dieser Arbeitsgruppe vertreten, hat

dem MSW aber von Beginn an signalisiert,

lehrer nrw ·

3/2017

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