Das Auswahlgespräch als Chance

Für viele Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter steht nach erfolgreicher Prüfung und Bewerbung eine weitere große Hürde vor der Einstellung an – das Auswahlgespräch.

Erfahrene Kolleginnen und Kollegen wissen, dass Bewerbungen und Bewerbungsgespräche fester Bestandteil des Unterrichts in Klasse 8 bis 10 sind. Leider liegt diese Zeit für viele Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter schon eine ganze Weile zurück.
Wie man eine professionelle und ansprechende Bewerbung verfasst, wird auf vielen Internetseiten ausführlich beschrieben. Auch die Grundlagen für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch werden im Netz erklärt. Trotzdem bleibt oft eine gewisse Unsicherheit zurück: Gelten diese allgemeinen Vorgaben auch für das Auswahlgespräch an einer Schule? Welche speziellen Themen und Fragen erwarten mich?

Zunächst einmal bleibt festzuhalten: Ja, viele allgemeine Vorgaben gelten natürlich auch für das Auswahlgespräch. Eine sorgfältige Vorbereitung ist unerlässlich und erfordert eine gute Recherche.
Besuchen Sie die Homepage, lesen Sie das Schulprogramm und überlegen Sie sich bereits im Voraus, wo Sie sich persönlich in dieser Schule wiederfinden und wie Sie sich dort einbringen können. Sollten Sie Fragen zur Schule haben, notieren Sie diese. Es ist keine Schwäche, Fragen zu stellen – es zeugt von Interesse!

Grundsätzlich kann man das Auswahlgespräch in drei bis vier Phasen einteilen:

  1. Die Eingangssituation:
    Hier stellen Sie sich vor und erklären in der Regel, warum Sie sich gerade an dieser Schule (ggf. auch Schulform) beworben haben.
    Diesen Teil können Sie nach Ihrer Recherche bereits vorbereiten. Ein gelungener Einstieg kommt nicht nur bei der Auswahlkommission gut an, sondern gibt Ihnen auch Sicherheit für das weitere Gespräch.
     
  2. Allgemeine pädagogische Fragestellungen:
    In dieser Phase erwarten Sie häufig Fragen zum Konfliktmanagement. Bedenken Sie, dass es neben Konflikten zwischen bzw. mit Schülerinnen und Schülern auch zu Konflikten mit Eltern oder Kolleginnen und Kollegen kommen kann. Überlegen Sie bereits vor dem Auswahlgespräch, wie Sie mit solchen Konflikten angemessen umgehen können. Weitere Themenbereiche in dieser Phase sind Schulentwicklung (Wie können Sie sich hier einbringen?), Teamarbeit (Vorteile von Teamarbeit z.B. in den Fachschaften oder Jahrgangsstufenteams) sowie Heterogenität von Lerngruppen und Inklusion (Wie begegnen Sie dem Problem der Heterogenität in Ihren Klassen? Wie stehen Sie zum Thema "Inklusion"?). Alle Themen sollten in Ihren Seminaren behandelt worden und somit für Sie auch leicht vorzubereiten sein.
     
  3. Fachbezogene pädagogische Fragestellungen:
    Individuelle Förderung und Schüleraktivierung im eigenen Fachunterricht stehen oft im Zentrum dieser Phase. Es kommt immer gut an, wenn man seine Vorstellungen anhand eines bereits erfolgreich durchgeführten Unterrichtsvorhabens erläutern kann. Denn wir alle wissen, dass zwischen der Theorie und der Praxis Welten liegen können. Verdeutlichen Sie auch in dieser Phase, wie Sie zum Einsatz der sog. Neuen Medien stehen und wo Sie selbst Schwerpunkte in Ihren Fächern setzen.
     
  4. Die Abschlusssituation:
    Diese Phase erlebt man nicht in jedem Auswahlgespräch, trotzdem sollten Sie vorbereitet sein. Folgendes kann Sie erwarten: Wir haben viele Fragen gestellt. Möchten Sie uns - die Kommission - noch etwas fragen oder möchten Sie uns noch etwas mitteilen, das wir aus Ihrer Sicht vergessen haben?
    Nutzen Sie die Gelegenheit um evtl. vorhandene Zusatzqualifikationen zu erwähnen.

    Sie haben uns viele positive Eigenschaften von Ihrer Arbeit vermittelt.
    Üben Sie ausnahmsweise auch mal Selbstkritik.
    Hier ist Vorsicht geboten. Selbstkritik üben ist prinzipiell nichts Schlechtes – in gewissen Grenzen. „Ich komme morgens nicht gut aus dem Bett.“ „Ich bin manchmal aufbrausend.“ … Das sind natürlich absolute Negativbeispiele, aber leider hört man sie immer mal wieder.
    „Ich bin manchmal zu genau.“ „Ich möchte meine Arbeit immer hundertprozentig erledigen.“ „Ich kann Arbeit schlecht liegen lassen.“ Auch so kann Selbstkritik geäußert werden.

    Vorsichtig sein sollten Sie bei Fragen nach der Stundenzahl, mit der Sie unterrichten werden oder Ihrer möglichen Familienplanung. Diese Fragen sind nicht erlaubt und müssen von Ihnen nicht oder nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden!

junge lehrer nrw wünscht Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Auswahlgespräch!

Sarah Wanders
Sarah Wanders
-Vorsitzende junge lehrer nrw-

E-Mail: Wanders@lehrernrw.de
Tel.: 0178/2084976

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