Auch die „Provinz“ hat viel Kultur zu bieten, lehrer nrw-Senioren in Coesfeld

Glaskunst vor dem „Alten Hof Herding"
Farbige Glasteile einzeln gegossen und verbacken zu einem Gesamtwerk
Bilder auf Glasnetzen
Diese Skulptur müsste auf jedem Lehrerpult stehen
Das Modell des Konzerthauses mit seinen Feinheiten
Ein Teil der Tonregieanlage
Auf dem Schnürboden

Das Angebot: ein Tagesausflug nach Coesfeld. Ach ja, westliches Münsterland, unter Autofahrern bespöttelt als einer der ABC-Kreise. Ob sich die Fahrt dahin lohnt? Gegend mit viel Landwirtschaft und – zugegebenermaßen – schön zum Fahrrad fahren. Aber mitten im November?

24 Senioren von lehrer nrw sind der Einladung gefolgt und trafen sich am 19. November um 11 Uhr am Glasmuseum in Coesfeld-Lette. Den „Alten Hof Herding“ hat die Unternehmerfamilie Ernsting aus Coesfeld (Ladenkette Ernstings family; ursprünglich wollten wir ja schon seit langem das große Zentrallager dieser Kette hier in Lette besuchen, aber es werden dort keine Führungen mehr gemacht. Deshalb haben wir uns auf die Mäzenatenseite Enstings begeben.) vor Jahren vor dem Abriss gerettet, das große frühere Wohnhaus mit der Tenne umgebaut und zunächst einige Jahre lang für eine weit über Coesfeld hinaus bekannt-gewordene Kammerkonzertreihe genutzt. Das Ehepaar Ernsting war aber neben der Musik auch auf ande-ren Gebieten der Künste interessiert. So hat Lilly Ernsting im Laufe von über 30 Jahren eine zunächst private Sammlung mit Glasobjekten aufgebaut. Um diese Sammlung der Öffentlichkeit in einem adäquaten Rahmen präsentieren zu können, wurde der Hof Herding in ein modernes Museumsgebäude umgewandelt, das 1996 eröffnet werden konnte.  Es zeigt seitdem in regelmäßigen Wechselausstellungen eine Auswahl der Sammlung, die mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössischem europäischem Glas kontinuierlich erweitert wird.
Als Führerin durch die aktuelle Ausstellung „Zu Gast in Polen – Glass made in Wroclaw“ ( Wroclaw=Breslau) wusste Frau Mersmann von der Ernsting-Stiftung uns Besucher sehr fachkundig die unglaublich vielseitigen Aspekte der Glaskunst nahe zu bringen. Breslau, das traditionsreiche Zentrum für Glas, war schon im 13. Jhd. Produktionsstätte von Glas. Im 17. Jhd. wurde die Glasveredelung (Gravur, Schnitt und Bemalung) meisterlich vorangetrieben. Aber auch neue Techniken aus Italien wie Filigran und Millefiori hatte man hier frühzeitig aufgegriffen und weiterentwickelt. Auf diesen Wurzeln fußt die 1946 gegründete Akademie der Bildenden Künste. Hier wurde die in Polen einzige Fakultät für Glas und Keramik eingerichtet, die sich rasch zum Zentrum für neue künstlerische und glastechnische Impulse entwickelte. Von ihrem hohen Niveau zeugen die ausgestellten Objekte, die uns Besucher ganz in ihren Bann zogen. Kunstvoll gegossene Glasblöcke, fantastisch geformte vielfarbige Skulpturen, filigrane, wie textile Handarbeiten wirkende Flechtwerke, und vieles mehr ließ uns nur noch staunen. Eigentlich wollten wir im „Depot“ noch die Gesamtschau der Sammlung besuchen, doch zogen wir es schließlich vor, uns in der verfügbaren Zeit lieber nur der Museumsschau zu widmen. (http://www.ernsting-stiftung.de/content/glasmuseum/)

Zur Mittagspause kehrten wir im Coesfelder „Brauhaus Stephanus“ ein, wo wir uns für den zweiten Teil des Ausflugstages mit dem leckeren „Stephanusbräu“ und einem deftigen westfälischen Mittagessen stärkten.
Danach stand die Besichtigung des Coesfelder „Konzert Theaters“ auf dem Programm. Auch dieses inzwischen renommierte Haus wurde von der Familie Ernsting erbaut und 2007 eröffnet. Mit seinem Programm hat es die frühere Konzertreihe im Hof Herding in Lette abgelöst und bietet in seiner wegweisenden Architektur und durch die einmaligen akustischen Verhältnisse großartige Aufführungsmöglichkeiten für alle Sparten der darstellenden Kunst.
Das Konzept, das Kurt Ernsting seiner Stiftung zugrunde gelegt hat, sieht vor, dass das Haus sowohl von großen Bühnen und Orchestern wie auch von Kulturschaffenden aus der Region bespielt werden soll.

Burkhard Jeising, technischer Leiter des Hauses, erklärte uns die Entstehungsgeschichte des Konzerttheaters und führte uns durch alle Bereiche. Wir erfuhren z.B., dass die vorderen Sitzreihen abgesenkt werden können, um bei Opern einen großen Orchestergraben zu schaffen, wir hörten von diversen Möglichkeiten, kleine und große Konzertzimmer zur Verfügung zu stellen oder gar die Bühne mit einem Laufsteg in den Saal hinein zu vergrößern. Wir besuchten die Künstlergarderoben, den „backstage-Bereich“ und ließen uns alle technischen Einrichtungen der Regieräume bis hin zum „Schnürboden“ zeigen. Alle Teilnehmer waren fasziniert von den großartigen Möglichkeiten, die dieses Haus mit seinen mehr als 600 Sitzplätzen bietet, und äußerten große Bewunderung für derart selbstloses Mäzenatentum, wie Familie Ernsting es für Coesfeld und die Region geleistet hat. (http://www.konzerttheatercoesfeld.de)

Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsame Kaffeetafel mit Kaffee, Tee und selbst gebackenen Kuchen und Torten im Lokal „Coesfelder Berg“ auf der Höhe des  Coesfelder Bergs. Die letzte gemeinsame Stunde vor der Heimreise bot Gelegenheit zu vielen fruchtbaren  Gesprächen der Teilnehmer über das heute Erlebte .
Manfred Jung

Zum Original-Bericht (PDF-Format)

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