Kultur und Technik am Möhnesee

Moehnesee-2015
Drüggelter Kapelle
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Grundriss der Drüggelter Kapelle
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In der Drüggelter Kapelle
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In der Drüggelter Kapelle: Wünschelruten-Experiment
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Mittagspause
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Auf dem Weg zur Staumauer
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Auf der Möhnesee-Staumauer
Bericht über unsere Exkursion am 15.06.2015 unter dem Thema „Kultur und Technik am Möhnesee"

23 Kolleginnen und Kollegen fanden den Weg zu der sagenumwobenen und auch etwas zugewachsenen, versteckt liegenden, sich scheinbar im Dornröschenschlaf befindenden Kapelle in dem kleinen Ortsteil Drüggelte auf dem Haarstrang, oberhalb vom Möhnesee, etwa 15 km von Soest entfernt.

Klaus Köller hatte eine Führerin eingeladen, uns diese Kapelle vorzustellen. Diese 12-eckig angelegte Kapelle mit einem Durchmesser von gerade einmal etwa 10m ist von außen schlicht weiß verputzt und mit einem kleinen angebauten halb runden Altarraum versehen. Das Dach der Kapelle, das früher laut Unterlagen nicht vorhanden war, sondern den Blick frei nach oben in den Himmel öffnete, ist heute mit einem zwiebelturmförmigen Glockentürmchen gekrönt.
Man betritt die Kapelle seitlich durch einen Vorraum, auf dessen Fußboden ein durch andersfarbige Steine gekennzeichnetes Kreuz dargestellt ist. In dem im ersten Augenblick recht finster erscheinenden Innern ist man erstaunt über die Vielzahl von Säulen, die heute die Gewölbe mit der Dachkonstruktion halten: in der Mitte stehen im Quadrat angeordnet vier größere Säulen, davon zwei sich gegenüberstehende mit besonders dicker Ummantelung. Diese tragen ein Kreuzgewölbe. Darum, im Kreis aufgestellt, stehen weitere 12 Säulen, deren Kapitelle und Basen mit verschiedenartigen sinnbildlichen Formen versehen sind. Dort findet man z. B. einen Widderkopf, drei Köpfe von germanischen (?) Göttinnen, Mondphasen-und Sonnendarstellung und viele andere Figuren und Muster.
Die Geschichte der Kapelle ist sagenumwoben. Man suchte schon seit Jahrhunderten die Bedeutung dieser Kapelle zu ergründen, dabei kamen verschiedene Theorien auf: Ursprünglich heidnischer offener Kultraum, dann als ein ummauerter Raum und nach dem ersten christlichen Bau evtl. als Taufkapelle gedacht, es könnte auch sein, dass nach weiteren Ergänzungen mit den tragenden Säulen mit dem Gewölbe und dem nunmehr geschlossenen Dach (als Erinnerung an die Kreuzzüge) ein Nachbau der Grabeskirche in Jerusalem stattgefunden hat. Dazu trägt heute der in der Mitte an drei Ketten hängende Leuchter zu diesem Erscheinungsbild bei.

Unter der auf einer Kuppe angelegten Kapelle hat man im Untergrund geologische Verwerfungen festgestellt und es sollen starke positive Kräfte in der Mitte der inneren vier Säulen vorhanden sein, deren Wirkungsgrad eine Teilnehmerin aus unserem Kreis mit ihrer speziellen Wünschelrute anzeigen konnte.

Jetzt wurde es aber Zeit, an die Möhne zu fahren und nach den interessanten Erfahrungen seitens der Erdkräfte und der Historie der Kapelle selbst und zu daraus gewonnenem neuen Gesprächsstoff in einem netten Lokal ein stärkendes Mittagessen einzunehmen.

Anschließend konnten wir einen kleinen Erholungsgang um den „Ausgleichsweiher“ unterhalb der Staumauer machen, um zum Hauptkraftwerk des Möhnesees zu gelangen, wo schon ein Herr Dr. V. vom Ruhrverband auf uns wartete. Im Vortragsraum erläuterte er uns die Schaffung des Ruhrverbandes aus dem ehemaligen Ruhrtalsperrenverein, der sich mit der fortschreitenden Industrialisierung des Ruhrgebietes und der sich damit vergrößernden Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert beim Bau von Wasserwerken an der Ruhr und dem späteren Bau der Stauwerke an der Ruhr und im 20. Jahrhundert den Bau der Stauseen im nahen Sauerland gegründet hatte.
Oberstes Ziel war und ist auch heute noch dabei die Versorgung des gesamten Ruhrgebietes mit Frischwasser, die Regulierung der Flüsse, die Regulierung und Durchführung der Abwässer des Ruhrgebietes, die Energieumwandlung in elektrische Energie und dann natürlich auch die Schaffung von Naturschutzgebieten, Erholungsgebieten, Sportmöglichkeiten etc.  

Für uns stand das Interessanteste noch bevor. Nach einem Gang den Serpentinenweg hinauf auf die Krone der Staumauer, dem Gang über die hier oben 650 m lange und nur 6 m breite Mauer in Form einer Ellipse zum Wasserbecken angelegten Weg, dem zweiten Serpentinenweg auf der anderen Seeseite nach unten folgend, kamen wir direkt an der Staumauer vorbei, die aus großen, unregelmäßig hervorspringenden Steinquadern aus dem Arnsberger Raum erbaut ist. Dort kamen wir neben einer als Schauobjekt liegenden ehemaligen Turbine an den Eingang zum Kontrollgang.
In einem Vorraum konnten wir an großen Schautafeln das vorher schon zu den Stauseen Erklärte in Ruhe nachvollziehen.
Besonders interessierte alle die Zerstörung der Mauer mit ihren Folgen während des letzten Krieges in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 durch englische Bomber mit den extra hierfür konstruierten und auf englischen Seen ausprobierten sogen. Rollbomben, die die Torpedofangnetze im Möhnesee überspringen konnten und von denen eine an der Mauer nach unten rollte und dort explodierte.
Das Wasser der voll gefüllten Möhnetalsperre ergoss sich in einer Flutwelle mit Auswirkungen bis in die Vororte von Essen in mehr als 100 km Entfernung. Es waren etwa 1500 Tote zu beklagen. In anstrengenden vier Monaten Reparaturzeit war aber die für die Bevölkerung wichtige Versorgung durch die Möhnetalsperre wieder vorhanden.

In den 1970er Jahren wurde die Mauer grundsaniert und man legte den Stollen unterhalb der Mauer durch Sprengungen an, den wir jetzt begehen konnten. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man weiß, dass über einem mehr als 130 Millionen cbm Wasser gegen die Mauer drücken und das bei einem Wasserstand von 30 m Höhe.
Im Jahre 2007 lief die Möhnetal zum letzten Male im Frühjahr über, sodass das Wasser außen an der Mauer hinunter strömte. Dies war damals ein phantastisches Schauspiel, das ich auch miterleben durfte.

Konrad Dahlmann

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Hinter der Staumauerr
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In der Möhnesee-Staumauer im Kontrollgang
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In der Möhnesee-Staumauer im Kontrollgang
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Gruppefoto vor ehemaliger Turbine