Besuch in der Orgelfabrik Johannes Klais in Bonn und Besuch auf dem Drachenfels

Gruppe vor der Orgelfabrik Klais
Im Holzlager der Fabrik Klais
Orgelpfeifen
Mittagessen
"Gipfelstürmer" auf dem Drachenfels

Schon 1 ½ Stunden vor dem verabredeten Termin trafen die ersten Teilnehmer aus NRW ein. Vor dem riesigen modernen Graffiti auf der Außenfassade der Orgelfabrik machten wir zunächst ein Erinnerungsfoto, bevor es dann in den Binnenhof des Orgelbetriebes ging.
Dort gesellte sich recht unauffällig Herr Dr. Theobald, ein Mitarbeiter, zuständig für Orgel-Restaurierungen zu uns, der uns anschließend in einer 2 ½-stündigen, alle Teilnehmer begeisternden Führung, im Werk die Entstehung der Orgel von ihren Grundelementen an schilderte: Er zeigte uns die verschiedenen Hölzer und Metalle (Blei-Zinnmischung), die Entwürfe für die einzelnen Teile einer Orgel, die Erstellung dieser verschiedenen Teile bis hin zu der Herstellung verschiedenartiger Pfeifen für die unterschiedlichen Register.

Herr Dr. Theobald ist wirklich mit ganzer Seele mit der Firma seit 33 Jahren verbunden, und von daher verstanden wir auch seine Begeisterung über alles, was hier bezüglich des Orgelbaues im Laufe von mindestens 11 Monaten geschieht und entsteht.
Er erläuterte uns die Geschichte der Herkunft und des Prinzips der Orgel aus alten Zeiten bei den Römern und Griechen. Dort entstanden immer größere Orgeln, wie auch in späteren Jahrhunderten immer wieder geschehen, als Zeichen von Herrschaft und Macht.
Erst im Mittelalter wurde die Orgel in Europa in die christlichen Kirchen gebracht. Daneben gibt es heute immer mehr Konzertorgeln. In anderen Religionen und in der Ostkirche kennt man keine Orgeln.

Für eine Orgel sind grundsätzliche Dinge erforderlich: Die Windlade mit dem Blasebalg, um Luft zu bewegen, die Pfeifen, um die Töne zu erzeugen, die Tasten, um der jeweiligen Pfeife die Luft zuzuführen und die Umgebung der Orgel, um den Klang anzupassen.

Das große Holzlager im abgedeckten Außenbereich enthält deswegen eine Vielzahl von Hölzern, wobei die deutsche Eiche eigentlich als beste Voraussetzung einer europäischen Orgel dient. Für einige Länder müssen aber spezielle Hölzer für deren besondere Klimate herbeigeschafft werden, damit die Orgeln dort nicht durch vermeidbare Schimmelbildung oder Schädlingsbefall beschädigt werden.

Die zum Betrieb zugehörige Schreinerei sägt die notwendigen Hölzer oft zu sehr langen Teilen zu; immerhin gibt es Orgelteile von einigen Metern Länge, seien es die Rahmen oder die Holzflöten für sehr tiefe Töne mit beachtlichen Längen. Diese stellt sie der Weiterverarbeitung zur Verfügung.

Nach den gut durchdachten, den späteren Umgebungsbedingungen angepassten, heute mit Computerprogrammen gezeichneten Plänen der jeweiligen Orgel, werden entsprechend den Zeichnungen in einem Teil der Schreinerei die Windladen als größere Kästen mit genau berechneten Innenteilen zur Verteilung der Luftzufuhr und in einem anderen Bereich die Holzflöten hergestellt.
An einem Modell mit verschiedenen Pfeifenarten, die auch einzelne unserer Teilnehmer mit dem Munde anblasen konnten, erläuterte Herr Dr. Theobald die Funktionsweise mit der mechanischen Übertragung und der Tonentstehung, also das Prinzip einer Orgel.

In einem anderen Teil der Fabrik werden die metallenen Pfeifen und Flöten und die sogenannten spanischen Trompeten (das sind die bekannten waagerecht liegenden, nach vorn konisch auseinanderlaufenden Pfeifen einer Orgel, die meistens im Mittelbereich stecken) in Handarbeit hergestellt mit selbst gegossenen und auf entsprechende Materialdicke gehobelten Metallblechen.
Die Pfeifen werden wirklich jede einzelne aus zwei Grundteilen von Hand aus einem Stück Blech gedreht, zusammengesetzt, verlötet und mit der Tonöffnung versehen.

Außerdem gibt es ja bekanntlich viel Mechanik (z.T. mit elektrischen Impulsen) im Inneren einer Orgel, für die Übertragung von der beweglichen Taste bis zum Öffnen der entsprechenden Windkanäle.
Im Augenblick stehen viele schon zusammengesetzte Einzelteile, Rahmen und große Mengen an Pfeifen für die Orgel der Hamburger Elbphilharmonie bereit und warten auf einen baldigen Aufbau in Hamburg. Alles wird hier einmal aufgebaut, dann wieder für den Transport in größere Komponenten zerlegt.

In der Etage für Planung und Restaurierungen stehen außer vielen Computerarbeits-plätzen auch viele Modelle von bisher neu erstellten oder renovierten alten Orgeln. So fand ich auch das Modell der Orgel aus dem Dom zu Münster mit ihrer markanten Form.
Herr Dr Theobald war mit seinen Erläuterungen kaum zu stoppen; aber wir hatten ja noch viel vor an diesem Samstag.

So ging es dann mit einer halben Stunde Verspätung zum Mittagessen in die bekannte Bonner Pizzeria Tuscolo, wo die ausgehungerte Gesellschaft sich endlich stärken konnte  für den baldigen Aufstieg auf den nur etwa 12 km entfernten Drachenfels.
Dort hatten wir wirklich Glück, die Aussicht über das Rheintal mit dem z.Zt. sehr ausgetrockneten Rheinbett und den Inseln Nonnenwerth und Grafenwerth, sowie den netten Orten Bad Honnef und Königswinter bei noch schönem trockenen Wetter zu genießen.

Erst die Heimfahrt wurde von Bonn ausgehend bis zu den verschiedenen Heimatorten mit starken Wolkenbrüchen begleitet.

Konrad Dahlmann

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