Herbstfahrt der Senioren des lehrer nrw nach Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven vom 23. bis 26. Oktober 2015

Unsere Reisegruppe "unter" den Bremer Stadtmusikanten
Vor dem Airbusgelände
Im Rathaus-Weinkeller zu Bremen
Vor der Mühle am Wall
Schweinehirtendenkmal in Bremen
Auf dem Bremer Blumenmarkt
Auf dem Domfriedhof
Vor dem Fleischwolfdenkmal
Vor der kleinsten Kneipe Bremens
Eingangsfries zur Böttcherstraße
Kleinste Plätze und Straßen
Schmalste Gassen
Der Roland mit Freimarktschmuck
Erkundungsreise nach Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven und Helgoland

Die Herbstfahrt findet vom 23.10. bis 27.10.2015 statt. Eingeladen hat Konrad Dahlmann, Vorsitzender des Seniorenausschusses des Verbandes lehrer nrw. Der Einladung folgen 24 Lehrerinnen und Lehrer. Ziele sind in Bremen Airbus, die Altstadt, in Bremerhaven die Fischerei- und Hochseehäfen, das Auswandererhaus, das Klimahaus, in Cuxhaven die „Alte Liebe“ das Wattenmeer von Duhnen und die Schiffspassage nach Helgoland.

1. Teil Bremen
Ankunft und erste Orientierung

Da die Anfahrt individuell war, kamen einige Teilnehmer schon aufgrund der guten Autobahnverhältnisse früh in Bremen an und konnten schon gegen 11:00 Uhr im erst 6 Jahre alten, modern ausgestatteten Swissotel an der Promenade, nahe der Windmühle am Wall einchecken. Das hatte den Vorteil, da die Führung bei Airbus erst um 14 Uhr begann, vorher noch einen Gang über den Freimarkt in Bremen zu machen. Freimarkt ist ein Volksfest (größere Kirmes) im Innenstadtbereich und auf einem Festplatz, das jedes Jahr für die Dauer von 14 Tagen auch viele Fremde aus aller Welt anzieht. Er soll gegründet sein, wie bei vielen Städten im Rahmen der Erteilung von Stadtrechten (Münzenstanzen, Rechtsprechung bei bestimmten Anlässen, Zollgeldeinnahme und Markabthaltung) durch König Arnulf an den damaligen Erzbischof von Bremen (im Jahre 888) und die Bestätigung im Jahre 1025 durch Kaiser Konrad II. Heute heißt es in Bremen: "Ischa Freimaak!" (Es ist ja Freimarkt!).


Besichtigung bei Airbus

Jedenfalls war dieser Zeitvertreib genau passend zum Mittagessen, sodass man anschließend mit der Straßenbahn Linie 6 zum Flughafen und dort zum Airbusgelände fahren konnte. Auch die „Zugfahrer“ waren mit der Straßenbahn innerhalb Bremens angefahren. Pünktlich 13.45 Uhr begann die „Passkontrolle“, die mittlerweile bei solchen Weltfirmen überall stattfindet. Wir wurden in zwei Gruppen jeweils mit einem Führer und einem Sicherheitsdienstmann, der genauestens in den 2 ½ Stunden auf dem Airbusgelände darauf achtete, dass keiner ein Foto machte, keiner sich von der Gruppe absondern konnte und nicht über die gelben Linien treten durfte. Die Führer waren beide mit Leib und Seele ehemalige Airbusmitarbeiter und schwärmten während der phantastischen Führung durch Flügelbau, Bau von Zwischenteilen der  Flugzeugkabinen und Hecks von ihrer schönen Zeit bei Airbus.

Hervorgegangen ist Airbus (heute mit Hauptsitz in Toulouse und weiteren Fabriken in Nordenham und Hamburg in Deutschland und einem Werk in Großbritannien) aus den ehemaligen Weserflug- und Focke-Wulf-Flugzeugbau. Eine Reihe von bekannten Deutschen Maschinen (etwa die Focke Wulf A 16 etc.) wurde dort schon seit den 1920er Jahren gebaut. Die beiden Führer zeigten uns viele Modelle der Maschinen bis hin zu den modernsten großen Flugzeugen von Airbus. Vor allem ein reines Transportflugzeug, das wir beim Landeanflug und später auch beim Starten sehen konnten, hatte es den beiden angetan: die „Airbus Beluga“, ein unförmiges Gebilde, das extra entworfen worden ist für den Transport von Flugzeugflügeln und Flugzeugkabinenteilen zum Zusammenbau nach Hamburg und Toulouse.

Jeder der beiden Führer hatte natürlich sein Spezialgebiet, sodass wir auch von Kleinigkeiten des Vernietens von Flugzeugteilen und anderen speziellen Prozessen etwas erfahren konnten. Jedenfalls war die Führung durch das riesige Werk mit direktem Anschluss an den Bremer Flughafen ein ganz besonderes und spezielles Erlebnis. Auf dem Gelände stand auch ein vor einigen Jahrzehnten hier entwickelter „Senkrechtstarter“, dessen weiterer Bau und Weiterentwicklung aber nicht mehr vorangetrieben worden war.

Im Anschluss an das Airbusprogramm checkten alle, die direkt zum Airbusgelände gefahren waren, im Swissotel ein und wir trafen uns im Ratskeller Bremens wieder: an unseren reservierten Tischen zum gemütlichen Abend mit Essen und ausführlichem Gedankenaustausch.


Bremen – Stadtbesichtigung

Am Morgen des nächsten Tages wurden wir von unserem Stadtführer schon um 9 Uhr abgeholt, weil an diesem Morgen die Stadt wegen eines großen Freimarktumzuges in z.T. historischen Kostümen von Menschen überquellen sollte. Der Führer führte uns wirklich durch die schönsten Teile Bremens:

Wir begannen am Hotel mit der alten Stadtmauer, von der heute nur noch der Grüngürtel um die engere Innenstadt, Wall genannt, und nur noch auf dieser Seite der Weser mit verschiedenen kleinen Gewässern zu sehen ist. Auf der Südseite der Weser ist nur noch ein ganz kleiner Teil als sogenannte Neustadter Wallanlage und eine kleine Parkanlage mit Rasenflächen zu sehen.

Die alte Mühle am Wall, auf der höchsten Stelle des Walls von Bremen gelegen, spiegelte sich im Teich am ehemaligen „Herdentor“. Durch dieses wurden früher die Tiere von ihren Hirten auf die Bürgerweide außerhalb der Stadt getrieben. Deshalb steht heute das Schweinehirtendenkmal hier an der Kreuzung von Sögestraße und Knochenhauerstr.

Von hier aus gingen wir durch die Sögestraße, die ihren Namen aus dem plattdeutschen Wort Söge = Säue hat, der heutigen Fußgängerzone bis in die Passage, die zum Katharinenklosterhof führt. Von der Klosteranlage ist nur noch eine Mauer des Dormitoriums erhalten. Ansonsten hat man auch in die moderne Passage einzelne Stellen mit Teilen der ehemaligen Klosteranlage in die Fassaden integriert und auf dem Boden einen Lageplan der gesamten Klosteranlage in eine Platte geritzt.

Durch die Passage gelangten wir hinter die Kirche „Unser Lieben Frau“, um deren offenen Platz herum sich täglich ein herrlicher Blumenmarkt ausbreitet. Am Denkmal  der Bremer Stadtmusikanten seitlich vom Bremer Rathaus erzählte uns der Führer Herr Georg Pantke über die wohl umstrittenen unterschiedlichen Grundlagen, die zu ebendiesem Märchen geführt haben. Als letztes von den Gebrüdern Grimm in der heutigen Fassung aufgeschrieben. Ein Gruppenbild unserer Teilnehmer durfte deswegen an dieser Stelle nicht ausbleiben.

Am mittlerweile sehr überfüllten Marktplatz (s.o.), durch Menschenschlangen und die abgesperrte Hauptstraße kreuzend, gingen wir an herrlichen Häusergiebeln vorbei. Und warfen einen Blick in die Langenstraße (fast 1 ½ km lang), die als erste Straße Bremens schon sehr früh gepflastert worden war. Im Haus „Schütting“, der heutigen Handelskammer Bremen, das gegenüber dem Bremer Rathaus als ein Renaissancehaus gebaut worden ist und schon immer seit dem Mittelalter als Sinnbild der eigenständigen Kaufmannschaft und der Gilden galt, sind sowohl das Stadtwappen mit dem Schlüssel als auch das Kaufmannswappen eingemeißelt.

Einen Schütting gibt es in verschiedenen Hansestädten, z. B. auch im norwegischen Bergen. Er diente früher auch als Unterkunft für auswärtige Kaufleute, die sich in der jeweiligen Hansestadt aufhielten (schütten= schützen).
Das ehemals gotisch errichtete Rathaus aus dem 17. Jahrhundert überstrahlt heute natürlich alles mit seiner breiten Front, den Bogengängen im Parterre, den Backstein- und Klinkerwänden mit großen Fenstern im Stil der Weserrenaissance. Davor steht die riesige Rolandfigur.
Seitlich vom Markt steht das nach dem Kriege modern gestaltete Haus der Bürgerschaft des Stadtstaates Bremen. (Es entspricht den Landtagen in den Flächenbundesländern.)
Dann führte unser Weg in den sogenannten Bibel-Garten des Domes mit seinen tatsächlich allen möglichen in der Bibel genannten Gewächsen, ob Heilkräuter oder Blumen. Mitten darin steht eine Jakobusfigur als Zeichen, dass hier auch ein Jakobspilgerweg verläuft. Der sagenumwobene sogenannte Bleikeller stellt eine Besonderheit dar, um den sich auch viele Geschichten ranken bezgl. der dort vor langer Zeit gefundenen mumifizierten Leichen.

Durch Anlagen hinter der Bürgerschaft und am „Küchenmaschinenbrunnen“, der aus Fleischwölfen, angefüllt mit Händen und Beinen, besteht, ging es vorbei an der ehemaligen Wollbörse, dann an der ältesten und kleinsten Kneipe Bremens vorbei in das Böttcherstraßenviertel.
Der Eingang zu dieser Straße wird überzogen von einem goldfarbenen riesigen Relief „der Lichtbringer“, im dritten Reich beinahe als entartete Kunst wieder entfernt und nur wegen einer dem dritten Reich angepassten anderen Deutung erhalten geblieben.
Roselius, ein Kaffeekaufmann sorgte für den Aufbau der meisten Häuser dieses früher sehr heruntergekommenen Gebietes. Er ließ die meisten Gebäude in einem modernisierten Backsteinbaustil errichten. So sind heute auf dieser etwa 100 m langen Böttcherstraße zu finden: Das Paula-Modersohn-Haus mit dem Museum, das Haus St. Petrus, das Haus des Glockenspiels mit Bildertafeln zum Glockenspiel bezugnehmend auf die in Bremen entstandene Luftfahrt, das Robinson-Crusoe-Haus und das Haus Atlantis mit einem phantastischen Treppenhaus.
Einige schöne Geschäfte, ein Hotel und Gaststätten sowie ein kleiner Sieben-Faulen-Brunnen und einer andersartigen Stadtmusikantendarstellung davor, verschönern diese Einheit.

Von hier aus gingen wir an der Weserstraße entlang zur katholischen Propsteikirche St. Johann, zu deren Umgebung auch mehrere private katholische Schulen von der Grundschule über Realschule bis zum Gymnasium gehören. Dann führte unser Weg zum Badestubenbrunnen am Beginn des Schnoorviertels.
Das Schnoorviertel untersuchten wir etwas genauer, vor allem die schönen Giebelhäuser mit den offenen „Eulenfenstern“ im Dachgeschoss, (offen, weil Eulen einfliegen könnten und die Mäuse auf den Dachböden erlegen und fressen konnten). Durch die engsten Wege mussten wir uns zwischen den Häusern hindurchzwängen, um voran zu kommen in dem Gewirr von winzigen Gässchen und kleinen Plätzen.

Übrigens diese vormalige Fischeransiedlung zwischen Weser und der früheren Balge (wie an einer Schnur = Schnoor) ist als heruntergekommenes Armenviertel erst im letzten Jahrhundert nach dem zweiten Weltkrieg renoviert worden. Hier endete unsere Führung mit dem Nennen einiger netter Esslokale bzw. Cafés, die für uns jetzt dringend erforderlich waren.


Weiterreise nach Bremerhaven

Nach einigermaßen guter Stärkung konnten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel machen und unseren Weg getrennt nach Bremerhaven antreten. Dort hatten wir als ersten Treffpunkt den Fischereihafen ausgemacht, wo wir alle zum vereinbarten Termin eintrafen und uns gemeinsam dieses alte ehemalige Fischerhafengelände mit einer Reihe von Fischlokalen und kleinen Geschäftchen ansahen.

Dann ging es endlich weiter zu unserem nächsten Standort, dem Atlantic Sail City Hotel in Bremerhaven. Dieses Hotel war für uns die Krone. Es lag in dem Hochhaus mit 19 Stockwerken in den Etagen E (Parterre) bis 8 und bot von jedem Zimmer aus einen Blick über einen Teil der Stadt, den Hafen, die Weser und sogar bis hin zur Nordsee. Wer dann noch auf das 20. und 21. Stockwerk ging, konnte aus schwindelnder Höhe noch mehr und noch weiter sehen.

Am ersten Abend trafen sich eine Reihe unserer Teilnehmer im Forum des Mediterraneum zum Essen, ein anderer Teil blieb im Hotelrestaurant. Aber am späteren Abend traf man sich zum Ausklang, wie immer, in der Hotelbar.
Der nächste Morgen war „Langschläfermorgen“, denn erstens war die Zeitumstellung in der Nacht erfolgt und zweitens öffnen die Museen im Winterhalbjahr erst um 10 Uhr. Dadurch gewannen wir zwei volle Stunden. Einige lockte das gute Wetter zu einem Weserstrandgang.

Konrad Dahlmann

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Beim Fischereihafen vor Bremerhaven
Wanderung vorbei an unserem Sail City Hotel
Suche nach Auswandererunterlagen
Schmucklose Gänge bei der Ankunft in Amerika
Registratur in der neuen Welt
Blick über einen Teil des Bremerhavener Hafens
Bohrinsel in der Hafenzone
Ständiger Autotransport zum Überseehafen
Container-Verladungsanlage in Bremerhaven
Ausspannen beim Essen auf der Seute Deern
Interessierte Zuhörer beim Vortrag im Klimahaus 8 Grad ost
Spaziergang am Duhner Wattenmeer
Mit der MS Atlantis auf dem Weg nach Helgoland
Und mit dem schnellen Katamaran unterwegs nach Helgoland
Das nördlichste Ziel auf Helgoland: Die Lange Anna
2. Teil Bremerhaven, Cuxhaven und Helgoland
Bremerhaven:

Nachdem sich die Gruppe am Fischereihafen mit Fischbrötchen den ersten maritimen Geschmack geholt hat, geht es zum Einchecken nach Bremerhaven. Schon von weitem sehen wir unser Hotel, das Atlantic Hotel Sail City am Bremerhavener Weserdeich. Mit seinen 20 Stockwerken ist das 4 Sterne Haus Wahrzeichen der Stadt an der Weser. Wie ein geblähtes Segel stülpt sich die Außenfassade des spektakulären Baus in den Wind. Es ist nicht nur das höchste Gebäude der Stadt, sondern auch des gesamten Bundeslandes. Mit einem Aufzug gelangt man in die 20. Etage auf eine Aussichtspattform, mit einem grandiosen Blick über die Unterweser, die Übersee- und Fischereihäfen und die Stadt bis zur Nordsee. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und genießen am nächsten Tag die Aussicht.
120 Zimmer auf acht Hoteletagen bieten einen einmaligen Ausblick auf die Weser. Staunend stehen wir in unseren großzügig gestalteten Zimmern  und blicken  auf die Weser, die sich uns wie ein Meer mit Ebbe und Flut zeigt. Im Restaurant „Strom“ mit Panoramablick auf die Weser ist das reichhaltige Frühstücksbuffet jeden Morgen für uns eine besondere Freude.
Den ersten Abend stärken sich die meisten bei einem reichhaltigen Abendessen im Mediterraneo, Bremerhavens exklusiver Shoppingmall. Unter einer Glaskuppel kann man hier wetterunabhängig bummeln und speisen. Den erlebnisreichen Tag lassen wir in der Davidoff Lounge ausklingen.

Sonntag, 25.102015

Deutsches Auswandererhaus (DAH)

Nach dem opulenten Frühstück mit Weserblick begibt sich die Gruppe zu dem nahegelegenen Deutschen Auswandererhaus und erlebt die Auswanderergeschichte hautnah. Von 1821 bis 1914 verließen über 44 Millionen Menschen ihre Heimat, davon 7 Millionen über Bremerhaven. 1852 wurde der „Neuen Hafen“ für die große Flut der Auswanderer fertiggestellt. An diesem historischen Ort entstand 2005  das Deutsche Auswandererhaus. Das DAH bekam 2007 den begehrten „European Museum of The Year Award“.

Schon am Eingang begeben wir uns auf eine abenteuerliche Reise, denn jeder von uns bekommt mit dem Ticket eine „Identität“, den Namen einer tatsächlich ausgewanderten Person. Auf der Reise durch das Museum können wir uns dann auf den Spuren dieses Auswanderers bewegen und die historischen und sozialen Umstände der Reise nachvollziehen. Unser Rundgang beginnt vor der eindrucksvollen übergroßen Wand eines Auswandererschiffes.
Es liegt eine eigenartige Stimmung des Abschieds, Verlust, Hoffnung und Aufbruchs in dem düster gehaltenen Raum. Unterwegs erfahren wir detaillierte und spannend aufbereitete personenbezogene und sozialgeschichtliche Informationen zu den Beweggründen für Auswanderung, den Reisebedingungen auf der Überfahrt und der Ankunft in den USA oder Argentinien.

Beim Schnelltest der US-Einwanderungsbehörde habe ich es wie so viele vor mir nicht geschafft. Ich wurde zurück nach Europa mit dem gleichen Schiff geschickt, obwohl ich blond und blauäugig angegeben hatte. Der Grund: Ich hatte kein Geld und keine Verwandtschaft in den USA vorzuweisen.Auf der Rückfahrt wurde ich für niedere Dienste an Bord abgestellt.

Im Museumskino „Roxy“ sehen wir eindrucksvolle Kurzfilme von deutschen Auswanderern und ihren Nachfahren in den USA, Argentinien und Australien.
Das DAH versteht sich aber auch als ein Ort der Migrantenforschung. Über Terminals kann man in den Archiven des Hauses nach ausgewanderten Familienmitgliedern forschen. Das Thema „Auswanderer“ (heute Asylanten), das zur Zeit uns alle sehr berührt, hat uns in diesem Haus vor Augen geführt, was es heißt, alles in der Heimat zurückzulassen, um einen Neuanfang zu wagen.
Da passt die einfache Kartoffelsuppe mit Einlage sehr gut zum Abschluss dieser eindrucksvollen Besichtigung.

Wieder frei atmen können wir dann auf der Aussichtsplattform des 148 m hohen Turms des Sail City und bestaunen den grandiosen Ausblick über die Unterweser, die Übersee- und Fischereihäfen der Stadt bis zur Nordsee.

14-16.00 Uhr
Hafenrundfahrt in den Überseehäfen

Bremerhaven ist eine der bedeutendsten Hafenstädte Europas.. Hier werden die meisten Autos und die frischesten Früchte umgeschlagen, hier werden Waren von Kaffee und Bier bis zu imposanten Schwergütern im- und exportiert. Hier gibt es spezialisierte Werften. Hier befindet sich die längste Stromkaje der Welt.

Die beste Möglichkeit, nichts zu verpassen, bietet der HafenBus. Wir benutzen um 14.00 Uhr den 3. Zustieg am Zoo am Meer und finden einen schon fast vollbesetzten Bus vor. Ich quetsche mich auf der Rückbank zwischen eine Familie und wäre fast noch gestürzt, da der Bus sofort mit Karacho anfährt. Was wir dann sehen und erfahren lässt dem Mittagblues im warmen vollen Bus keine Chance.
Das älteste Becken in den Überseehäfen ist der 1875 eröffnete Kaiserhafen, der immer wieder erweitert werden musste, damit der Auswandererverkehr des Norddeutschen Lloyd dort abgefertigt werden konnte.

Seit 1960 werden über Bremerhaven in immer größerem Umfang PKW ex- und importiert. Während auf der einen Seite amerikanische oder japanische Modelle vom Schiff rollen, werden auf der anderen Seite in Europa produzierte Wagen nach Übersee verschifft. Trotz der internationalen Wirtschaftskrise 2009/2010 konnte Bremerhaven noch vor dem belgischen Zeebrügge seinen Platz als Europas größten Verladeplatz behaupten. Knapp 6000 Autos werden täglich bewegt, 110 000 Stellplätze stehen in den ausgedehnten Hafenanlagen zu Verfügung. Die Autoschlüssel stecken.

Nach 2001 haben die „Amis“ umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen in aller Welt gefordert. Seither gilt der Container Terminal als „verbotene Stadt“, also keine Chance für Autodiebe und Terroristen.
Die Autocarrier ähneln gigantischen schwimmenden Parkhäusern. Bis zu 6400 Fahrzeuge kann ein modernes Schiff der Tarmesis-Klasse fassen. Um das Auto-Terminal zu erreichen, müssen die gigantischen Schiffe durch das Nadelöhr der Nordschleuse. Seit 2010 bietet die Schleuse mit 305 m Länge und 55 m Durchfahrbreite den erforderlichen Zugang. Auch die Lloyd Werft kann durch die Erweiterung Aufträge deutlich größerer Schiffe annehmen. Die Werft führt Reparaturen und  Vergrößerungen durch.

Containerterminal

Ähnlich wie die Erfindung des Rads hat die Erfindung einer speziellen Transportkiste die Struktur der Wirtschaft, des Handels und des Verkehrs revolutioniert. Der in den 60er Jahren in den USA entwickelte Container hat nicht nur das internationale Transportwesen gründlich umgestülpt, er wurde darüber hinaus neben der Informationstechnologie  zu einem herausragenden Motor der Globalisierung.

In Bremerhaven erleben wir staunend die Dynamik des globalisierten Welthandels. Ein romantisch anmutender Ort ist der Container-Terminal keineswegs. Wir sehen Container, immer drei übereinander gestapelt, soweit das Auge reicht. Dazu die riesigen Containerladebrücken in ständigem Einsatz. Wir erfahren, dass jeder Container seine eigene Kennung in Form von Zahlen und Buchstaben hat und weltweit nicht verwechselt  werden kann.

Als 1966 der US-Frachter „Fairland“ anlegte, wurde noch mitleidig über die Metallkiste gelächelt. Kaffee, Baumwolle, Getreide und Tabak wurden bisher als Stückgut verschifft. Doch die Vorteile des normierten Behälters setzten sich durch. Rund 95% aller Waren des Welthandels werden per Schiff transportiert. Die Grundlage für den wachsenden Containerumschlag wurde in Bremerhaven mit dem Bau des Containerterminals Wilhelm Kaisen geschaffen. Wilhelm Kaisen, dem ersten Nachkriegsbürgermeister, sagt man den angesichts der kriegszerstörten Stadt legendären Satz nach: „Zuerst die Häfen, dann die Stadt“.
Ende der 1960er Jahre wurde der Container-Terminal direkt am offenen Strom, an der sogenannten Stromkaje gebaut. Heute verfügt Bremerhaven über die längste Stromkaje der Welt.

Auf dem Kaiserhafen ist heute eine „Kneipe“, sie gilt als die letzte Kneipe vor New York.

Im Container Terminal wird an 360 Tagen im Jahr gearbeitet, außer 1.1./1. Ostertag/ 1.5./ 24.12. (den 5. freien Tag habe ich nicht mitbekommen!)
Ein Containerschiff wird von 20-25 Personen bedient. Es sind: der Kapitän, der Steuermann, die Maschinisten, Matrosen, der Koch (wichtigste Mann).

Die Weser

Die Weser wird ständig ausgebaggert, um den neuen Containerschiffen  die Fahrt bis Bremerhaven zu ermöglichen. Außerdem wurde der Ausbau des Container Terminals, der Stromkaje notwendig.
Die natürlichen Überschwemmungsgebiete wurden durch Vertiefung und Kanalisation vernichtet und die Flutwelle läuft bedeutend höher. Die Umweltschützer melden große Bedenken an.
Bis nach Bremen, 70 km stromaufwärts, drückt die Nordsee zweimal täglich ihre Wassermassen in die Weser - dann herrscht Flut.

Am Abend auf der "Seute Deern"

Ganz fasziniert von den bisher doch sehr ungewohnten Eindrücken der Hochseehäfen mit ihren gigantischen Hochseeschiffen  verlassen wir den Bus, um vor dem Abendessen an der Weser frische Luft  zu tanken oder im Zimmer die gute Aussicht zu genießen. Manche bummeln in der Shoppingmall im Mediterraneo.

Das Abendessen findet diesmal im Museumshafen auf einem Schiff statt. An Bord der „Seute Deern“, dem heute größten noch erhaltenen Holzseglers der Welt, erleben wir einzigartiges maritimes Ambiente. Im Laderaum der „Seute Deern“, dort wo einst Fässer, Kisten und Holzstämme, gefüllt mit exotischen Gütern verstaut wurden, speisen und trinken wir heute regionale Köstlichkeiten. In der gemütlichen Seefahrer-Romantik fühlen wir uns sehr wohl, was sich auch in der ausgelassenen Stimmung in der Gruppe zeigt.

Montag, 26.10.2015         4. Tag
Klimahaus Bremerhaven 8° Ost

Schon Angela Merkel sagte in ihrer Rede zur Eröffnung des Klimahauses: „Da muss man hin“. So sehen wir das auch. Die Außenhaut des Gebäudes besteht aus 4700 einzeln angefertigten Glasscheiben, im Inneren befindet sich eines der aufregendsten Science-Center Deutschlands.  Bei einem Einführungsvortrag bekommen wir einen ersten Eindruck in die komplexe Welt des Klimas. Das Klimahaus ist Start und Ziel einer ungewöhnlichen Reise. Entlang des 8. Längengrades fühlen, riechen und erleben wir die schroffe Landschaft der Schweizer Alpen und die Gluthitze der Sahelzone, gelangen von Afrika in die Antarktis über die Südsee nach Alaska und schließlich durch das Wattenmeer zurück  nach Bremerhaven.

Auf unserer Reuse können wir:

  • Kühe melken in der Schweiz
  • duftende Kräuter in Sardinien riechen
  • Erdrutsche erleben
  • 80% Luftfeuchtigkeit bei 30° Hitze auf Samoa fühlen
  • auf dem warmen Wüstensand liegen
  • im undurchdringbaren Dickicht des tropischen Regenwaldes herumirren
  • lebende Korallenriffe bestaunen
  • die antarktische bitterkalte Eiswüste durchschreiten.
  • Auf einer Hallig durch die Flut überrascht werden
  • Fische, Vögel, Schlangen, Spinnen, Käfer bewundern oder fürchten

Neben diesen aufregenden sinnlichen Eindrücken bietet jede Station eine Fülle von Informationen - natürlich zum Klima und zu den aktuellen durch Klimawandel hervorgerufenen Problemen. Interessant sind auch die einzelnen Verhaltensregeln der verschiedenen Völker. In der Südsee hat z.B. derjenige automatisch Unrecht, der einen andern unterbricht. Auch Sex und Liebe werden unterschiedlich gehandhabt.

Im Wetterstudio kann man sich als Wettermoderator ausprobieren
Dazu fehlt uns aber leider die Zeit, denn es wartet Cuxhaven auf uns. Das Wattenmeer wollen wir noch bei Tageslicht sehen.

Cuxhaven
Wattenmeer

Deshalb fahren wir zuerst nach Duhnen, dem Badeort von Cuxhaven
Wir spazieren auf der breiten neu gestalteten Strandpromenade von Duhnen entlang und blicken auf das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer. Gerade fahren mehrere Pferdekutschen auf einem abgesteckten Weg zur Insel Neuwerk. Urlauber laufen barfuß oder mit Gummistiefeln im Watt herum.
Diese besondere Stimmung wird noch durch den wunderbaren Sonnenuntergang verstärkt.

Dann geht es zur letzten Station dem Best Western Donner`s Hotel am Seedeich. Nach dem gigantischen Eindruck des Atlantic Hotel Sail City wirkt dieses Hotel eher schlicht. Sein Vorteil ist familiäre Gemütlichkeit und äußerst nettes Personal und ein Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen lässt. Auf dem kostenlosen Hotelparkplatz steht eine Scheibenwaschstation, das ist doch mal was!

Abendessen gibt es in Nähe der „Alten Liebe“. Die „Alte Liebe“ ist eine zweigeschossige Aussichtsplattform an der Elbe. 1733 wurde sie ursprünglich als Wellenbrecher und Schiffsanleger gebaut. Auch heute noch legen an der Innenseite Schiffe in  Richtung Neuwerk und Helgoland ab.
Jedes Jahr ziehen hier auf dem Weltschifffahrtsweg mehrere zehntausend Schiffe auf ihrem Weg in die Nordsee. Die großen Pötte erscheinen so nah, dass man glaubt sie berühren zu können. Von meinem Balkon aus konnte ich nachts die Schiffe sehen und hören, wenn sie beim Verlassen des Hafens laut tuteten.

Bei einem mehrwöchigen Kuraufenthalt in Cuxhaven schrieb Heinrich Heine 1923 folgendes Gedicht, das heute leider verschollen ist:
„Am Werfte zu Kuxhaven
das ist ein schöner Ort,
da ist die „Alte Liebe“,
die meinige ließ ich dort“.

(auf einer Infotafel dort)

Dienstag, 27.10.2014     5.Tag
Helgoland

Einige, genau fünf Lehrerinnen, wagen am nächsten Tag die Schiffspassage nach Helgoland: drei mit der gemütlichen „Atlantis“ vom Fährhafen aus (2,5 Stunden), zwei mit dem schnelleren eleganteren Katamaran von der „Alten Liebe“ aus (70 Minuten). Bei völlig ruhiger See und Sonnenschein genießen wir „Atlantisfahrerinnen“ den frischen Seewind an Deck. Die anderen im Katamaran haben Sitze wie im Flieger mit Panoramablick und Getränke bis zum Abwinken.

Am Kai und der Kugelbake spüren wir richtiges Abschiedsfeeling (mit Tränchen), als die zurückgebliebenen Kollegen dort winken.
Es heißt, wer auf Helgoland ankommt, hat schon ein schönes Stück Urlaub hinter sich. So geht es uns auch nach 180 Minuten Seefahrt.

Auf Helgoland ist alles anders, die Luft, die Geräusche und die Langsamkeit. Wir begeben uns sofort auf den geraden Weg zum Oberland. Der 3 km lange Klippenrandweg ist ein Rundweg und führt zur „Langen Anna“ Diese zeigt sich uns heute in voller Schönheit, roter Felsen, tiefblaue See und strahlender Sonnenschein. Nur wenige Minuten von hier liegt der Helgoländer Lummenfelsen mit den Lummen und Basstölpeln.

Zu Beginn hat uns die sprichwörtliche Helgoländer Langsamkeit voll im Griff, sodass wir am Ende im „Schweingalopp“ an allen Infotafeln vorbeihetzen müssen und die faszinierende Geschichte, das Unglück für die Bevölkerung nach den Weltkriegen, später nachlesen werden, denn das Schiff verpassen geht gar nicht! Wir kommen auch an Bombentrichtern vorbei. Die Briten wollten nach dem 2. Weltkrieg die Insel völlig zerbomben, was ihnen jedoch nicht gelang.
Zollfrei kaufen wir nur Parfüm und Zigaretten ein. Zu mehr reichen die paar Stunden auf der Insel nicht. Die Rückfahrt im Dunklen mit Vollmond ist sehr romantisch. Zwar wird uns ziemlich kalt an Deck, aber Seeluft auf dem Schiff muss einfach sein.

Das Abendessen an einem reservierten runden Tisch im Donner`s Hotel ist ausgezeichnet.
Die Rückreise im Zug und im PKW verläuft ohne Probleme.

Hinter uns liegt eine wunderschöne Reise. Wir haben so unterschiedliche Orte besucht: nüchtern, mit ausgefeilter Logistik (Airbus, Hochseehäfen), zu Herzen gehende Auswanderer Schicksale (Auswandererhaus) aktuelle Klimaprobleme (Klimahaus) Naturwunder (Wattenmeer) andere Welt (Helgoland) und nicht zu vergessen, eine super gute Gruppe.

Lieber Konrad, liebe Monika wir danken euch ganz herzlich dafür.

Lilo Becker


 

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Senioren-Kurz-Exkursion nach Bremen und Bremerhaven

In der Zeit vom 23. bis 26. Oktober 2015 haben unsere Senioren unter Leitung von Konrad Dahlmann Bremen und Bremerhaven besucht.

Nachfolgend finden Sie einige erste Eindrücke von dieser Reise.

Auf dem niederländischen Blumenmarkt in Bremen
Stärkung im Bremer Ratskeller
"Unser" Atlantic-Sail-City-Hotel in Bremerhaven
Einige haben sich auf die Dachterrasse des Hotels "hinaufgewagt".
Gruppenfoto
Konrad Dahlmann auf einem Auswandererschiff?
Noch ein Abstecher nach Helgoland gefällig?
Ein schöner Sonnenuntergang zum Ausklang der Reise
 

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