Bericht über den lehrer nrw Senioren-Besuch am 1.12.2015 in Münster oder: Münster steckt voller Merkwürdigkeiten

Unsere Gruppe vor dem Paradies, dem Eingang in den Dom
Im Paradies
Fries der Arbeiter
Der hl. Christophorus
Die Klais-Orgel
Die Vettern Jesus und Johannes spielen miteinander
Blick auf die Astronomische Uhr
Das Münstermann-Fenster
Eingang zum Gartensaal
Gartensaal - Blaues Zimmer

26 lehrer-nrw Senioren waren nach Münster gekommen, um zunächst den Dom von einer speziellen Seite zu besichtigen. Thema war: Besonderheiten im Dom. Zwei Gruppen wurden von Frau Benning und Herrn Günther, einem ehemaligen Domkustos (= Domwächter), zu besonders interessanten Stellen des Domes geführt: Zunächst wurde das „Paradies“, der Haupteingang des Domes besucht. Dort sind an den Wänden nach dem Vorbild in Reims Friese in fortlaufender Reihe angebracht mit den Darstellungen aller Bauern und Handwerksberufen, die Zugang zum Himmel haben werden, alles konzentriert auf die in der Mitte thronende Christusfigur mit der Bibel in den Händen. Über den Friesen stehen die 12 Apostel, von denen einer, Bartholomäus, als Patron der Schuhmacher auch Schuhe angezogen bekommen hat, während alle anderen barfuß stehen.

Im Dom selber steht man in einer großen dreischiffigen romanischen Kirche. Er wurde vom hl. Liudger, dem Begründer des späteren Bistums Monasteria (=Münster) zunächst an den erst vor einigen Jahren hier im Dom gefundenen vier Holzpfahlresten der erste „Dom“ erbaut. Später wurde daraus ein Steinbau als romanische dreischiffige Kirche mit festen Bauregeln errichtet, die auch später in dem dritten noch größeren Bau übernommen wurden: zwei gleich breite Seitenschiffe machen die Gesamtbreite des Mittelschiffes aus, das Mittelschiff ist doppelt so hoch wie die Seitenschiffe. Im Gegensatz zu den Hallenkirchen ( z.B. die Lambertikirche mit drei gleich hohen Schiffen). Zwei klobige Türme hatte Bischof Hermann schon 1230 erbauen lassen.

Die Deutschen Bistümer haben alle Petrus als Namenspatron, während dieser Dom speziell Paulus als Namenspatron hat, deswegen gibt es an verschiedenen Stellen im Dom Hinweise darauf und sei es nur, wie auf Kacheln gemalt im blauen Saal, dem Gartensaal, als Schiff des Paulus für seine Reisen gekennzeichnet.

Der Haupteingang des 3. Domes wurde, nach der großen Zerstörung des Domes im 2. Weltkrieg, wieder von hinten an die Seite, zum „Paradies“ verlegt, wie es früher auch schon gewesen war. In den hinteren Teil hatte Bischof Keller dann, in Kenntnis der bevorstehenden Reformen durch das 2. vatikanische Konzil, den Hochaltar im hinteren Teil des Domes wieder aufbauen lassen. Vorne in der Vierung ist dafür ein Altartisch für den Zelebranten mit Blick zum Volk errichtet worden.

Im Hinteren teil befinden sich einige interessante in Stein gehauenen Darstellungen oder auch in Holz geschnitzt, häufig kombiniert mit den „heiligen Zahlen“ 3 (z. B. Dreieinigkeit Gottes),4 (vier Evangelisten oder die vier Himmelsrichtungen), 7(=3+4, die Anzahl der Wochentage ...) oder die 12 (= 3*4, als Anzahl der Apostel, oder auch später die Anzahl der Monate), oder die Festfolge 12 Tage nach Weihnachten, dem Fest der „Geburt Christi“, das Fest der „Erscheinung des Herrn“ etc.

Einige besondere Darstellungsarten fallen auf: die heilige Barbara als Schutzpatronin verschiedener Berufe, u. a. den Bergleuten, die schwangere Gottesmutter, die die Hände schützend vor ihren Leib hält, der Hl. Nepomuk als Schützer der Beichte und als „Brückenheiliger“, weil er von der Prager Karlsbrücke in die Moldau gestürzt worden ist. Besonders auffällig ist der riesige Christophorus an einer Säule stehend mit dem Christuskind auf der Schulter.

Die Bilder auf dem Hochaltar, der wegen der Adventszeit bis Weihnachten geschlossen bleibt und deshalb z. Zt. nur zwei Tafeln zeigt, ist farbig angelegt und es treten immer wieder die natürlichen Grundfarben rot, blau und gelb und deren Mischfarben auf. Das wiederholt sich auch auf vielen anderen farbigen Gemälden des Domes. Rot = Wärme oder Liebe, Blau = Himmel, Gelb= Sonne. Wichtige Figuren haben deshalb immer rot und grün als Hauptfarben, grün als Mischfarbe aus blau und gelb, dem Zeichen der Hoffnung.

Mit der überwiegenden Farbe Braun wurden alle Personen, die Helfer darstellen, erkennbar gemacht. Mit Goldfarbe wird nur Gott dargestellt.

Das Ziffernblatt der berühmten „Astronomischen Uhr“ zeigt genaue Daten bis zum Jahre 2073 dar und zeigt vielerlei an: außer den Heiligennamen für jeden Tag sind auch Gestirne und vor allem der Verlauf der Planeten und der genauen Mondphasen dargestellt. Außerdem sind die Tierkreiszeichen und eine Reihe von  Spruchbändern für die Evangelisten angebracht.

Die Bilder und Darstellungen am oberen Teil der Uhr bewegen sich: so zeigt Chronos mit der sich umdrehenden Sanduhr den Verlauf der Zeit an, der Tod bewegt sich als „Sensenmann“, ein Bläser tutet in sein Horn, eine andere Figur schlägt auf eine Trommel. Um 12.00 Uhr mittags bewegt sich vor der thronenden Madonna mit dem Jesuskind ein Stern und darunter der „Deikönigszug“, wobei die Dreikönigsfiguren sich einzeln zur Gottesmutter drehen und sich dabei verneigen. Um diese Zeit ist die Uhr natürlich „von Menschenmengen belagert“, die diesen mit Weihnachtsliedern begleiteten Umzug genießen wollen.

Der Düsseldorfer Künstler Gerresheim hat die modernen Figuren des Kreuzweges im Gang um den Altar geschaffen, und die modernen Fenster in den Seitenkapellen wurden vom Kölner Künstler Münstermann produziert.

Die im Seitenflügel befindliche Klaisorgel (5000 Pfeifen) mit dem hochoben thronenden Kuckuck wurde erst in den 70er Jahren von der Bonner Firma Klais neu gebaut.

Die Besonderheit des Domes ist das sogenannte blaue Kachelzimmer oder auch der Gartensaal aus dem ehemaligen bischöflichen Palais genannt. Er wurde in den 80er Jahren nach totaler Zerstörung während des Krieges aus den Fliesenresten in 3-jähriger Puzzlearbeit als Saal in einem Raum neben dem Kreuzgang wieder hergerichtet und bildet eine besondere Schönheit in seiner Gesamtdarstellung. Auch hier sind Darstellungen der 4 Elemente und der 4 Jahreszeiten auf blauen Kacheln gemalt.

Nach diesen Erlebnissen im Dom konnten wir dann endlich eine Pause im typisch westfälischen Lokal Leve mit typisch westfälischer Kost machen.

Dann wurde es auch schon Zeit, das historische Rathaus aufzusuchen, wo wir im Empfangsraum mit der Hansekogge ( Münster war bekanntlich Hansestadt) und dem „Sendschwert“ (Zeichen der Gerichtsbarkeit zur Zeit der Synodefeierlichkeiten mit einem großem Verkaufsmarkt, der heutigen Kirmes oder Send genannt) von der Bürgermeisterin Karin Reismann begrüßt. Sie führte uns in den „Friedenssaal“, in dem der Frieden zum Ende des 30-jährigen Krieges zwischen den katholischen südlichen Ländern und den evangelischen Ländern im Norden abgeschlossen wurde. Hier in Münster trafen sich aber nur die Gesandten der katholischen Länder, während die evangelischen Gesandten sich im heutigen Friedenssaal in Osnabrück trafen. Vorschläge und Entscheidungen wurden von einem Friedensreiter (im Grunde ein berittener Briefträger) zwischen den beiden Orten hin und her transportiert. Der Vertrag zum tatsächlichen Ende des 30-jährigen Krieges auf deutschem Territorium wurde erst nach zwei Verhandlungsjahren zwischen 1646 und 1648 abgeschlossen und war gleichzeitig die Entstehung der Niederlande, die nach 80 Jahren Krieg endlich selbstständig wurden.

Im Sitzungssaal im „Stadtweinhaus“ konnten wir über diese Themen bei einem Glas Wein mit Frau Reismann zusammen weiter diskutieren und dabei auch die heutige Schulpolitik einbeziehen, die der Bürgermeisterin aus eigener Erfahrung sehr bekannt war und ist. Frau Reismann war schließlich in den 80er Jahren lange Zeit Schulpflegschaftsvorsitzende an der münsterischen Erich-Klausener-Realschule, an der ich damals als Lehrer auch ihre Tochter Petra unterrichten konnte. Somit wurde aus dieser Veranstaltung ein sehr persönlich geformtes Erlebnis für uns ehemalige Realschullehrer.

Nach diesem so reichhaltigen Tag hatte jeder noch die Möglichkeit, die Weihnachtsmärkte in der Innenstadt von Münster für den Genuss eines Glases Glühwein aufzusuchen oder um ein Tässchen Kaffee mit Kuchen in einem netten Café zu genießen.

Konrad Dahlmann

Weitere Fotos vom Besuch in Münster am 1.12.2015

Mittagsrast im Gasthaus Leve
Mittagsrast im Gasthaus Leve
Mittagsrast im Gasthaus Leve
Mittagsrast im Gasthaus Leve
Mittagsrast im Gasthaus Leve
Mittagsrast im Gasthaus Leve
Modell der Hansekogge im Münsteraner Rathaus
Das Sendschwert
Im Friedenssaal
Im Friedenssaal
Ahnengalerie eines Teils der Gesandten der kath. Länder
Im Friedenssaal
Bereit zum Sektempfang im Sitzungssaal
Im Sitzungssaal
Münsteraner Rathaus am Abend
Abschied vom abendlichen Prinziplamarkt

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Bürgermeisterin Karin Reismann und Konrad Dahlmann