Besuch der Ausstellung "Japans Liebe zum Impressionismus"

Ausschnitt aus dem Veranstaltungsplakat
Ausschnitt unserer Seniorengruppe bei "Verschnaufpause"
Senioren im lehrer nrw:  Unser Besuch der Ausstellung „Japans Liebe zum  Impressionismus“ in der Bundeskunsthalle in Bonn am 16. Februar 2016

Es trafen sich 24 Teilnehmer zu der Führung mit Frau Dr. Sabine Dahmen in dieser wunderbaren, außergewöhnlichen Ausstellung.
Wer rechnet schon damit, dass die Japaner nach 200-jähriger strikter Abgeschlossenheit von der westlichen Welt, dann in der letzten Phase der Edo-Zeit nach der Öffnung zum Westen hin, solch ein starkes Interesse an der westlichen Kunst haben?

Herrschte doch seit Jahrhunderten in Japan der Holzschnitt vor, zum Teil auch schon mehrfarbig und Zeichnungen mit Pinsel oder geschnittener Bambusfeder gemalt, so war die westliche Malerei etwas umwerfend Neues für die Kunst in Japan.

Die Holzschnitte waren häufig triptichonähnlich oder aus noch mehr Teilen nebeneinander gestellt. Beispiele hierzu konnten wir in großer Zahl sehen. Bei den Holzschnitten sind fast immer zwei Namen in japanischer Schrift angegeben, weil meistens ein Künstler das Bild auf die Holzplatte geschnitten hat und der andere anschließend als Drucker auftrat.
An Gestaltungsmöglichkeit waren viele Varianten aufgetreten, seien es Portraits-, Ganzkörperdarstellungen in verschiedenen Posen, Blumen, bis ins Detail getreu abgebildet, oder auch Landschaften, häufig mit Mandel- und Kirschblüten und vor allem Meeresbilder mit starkem Wellengang, ruhiges Meer mit Booten oder das Meer mit vielen Felseninseln.

Nach der Öffnung zum Westen kamen einige Europäer nach Japan und sahen dort die Holzschnittkunst der Japaner. Umgekehrt kamen Japaner nach Europa, um dort mit der Malerei mit Ölfarben in Kontakt zu kommen und Bilder nach Japan  zu importieren, aber auch um die Kunst der Ölmalerei zu erlernen.

Japanische Sammler, wie z.B. Tadamasa Hayashi waren von den Impressionisten begeistert und kauften deren Bilder. Ab 1878 lebte Hayashi für lange Zeit in Paris und vertrieb dort japanische Kunst. Durch seine Kontakte mit Pariser Malern hatte er viele Bilder nach Japan gebracht und erbaute dort dafür spezielle Museen. Später kamen noch andere Japaner wie Matsukata und Ohara hinzu, die ebenfalls viele Bilder hauptsächlich in Paris kauften und wie Hayashi dafür Museen in Japan errichteten. Zur Weltausstellung im Jahre 1900 in Paris kamen japanische Künstler und studierten bei verschiedenen Malern Malerei, brachten diese nach Japan zurück und eröffneten dort Kunsthochschulen.

Monet, der in Givernet ( Frankreich) lebte, gilt mit seinem Bild „Impression, Soleil Levant“ als Begründer des Impressionismus. Er hatte in Japan viele Holzschnitte gekauft und nutzte diese reichhaltige Sammlung zum „Nachmalen“ in seinem Stil. Folge waren die vielen nach ihm sich ausrichtenden Impressionisten.

Die Winterbilder von Courbet „verschneiter Wald“ und „Fuchs in der Falle“ stellten bei diesem kalten Winterwetter einen schönen Start in die weitere Ausstellung dar.
Monets „Winterlandschaft“ und „Winter in Montfaucault“, zeigt das Neue durch den Schneeefekt besonders deutlich, mit seiner reflektierenden Blaufärbung des Himmels auf dem weißen Schnee, also eine andere Betrachtungsweise im Impressionismus.
Ebenso tauchen jetzt die bei Monet häufig dargestellten windschiefen Bäume, die auch die Japaner oft in den Holzschnitten dargestellt hatten, immer wieder auf. Man malt die Natur, seien es Sonnenaufgänge oder Sonnenuntergänge hinter einer sehr unterschiedlichen Landschaft, man malt Meer, an Steilküsten der Bretagne mit ihren seltenen Felsengebilden aus Spitzen, Toren und Höhlen, häufig mit starkem Wellengang, dann auch häufig ähnlich gestaltet wie bei den japanischen Holzschnitten.

Frühlingslandschaften mit zarten Blättern in ebenso zarten Farben, wie die Japaner häufig Kirschblüten dargestellt hatten. Auch industrieelle Erfindungen wurden dargestellt, wie z.B. die Dampflokomotiven in Bahnhofseinfahrten oder Dampf- und Segelschiffe auf Seen oder Kanälen.
Personen wurden häufig in Gruppen oder als arbeitende Menschen in kleinen Szenen im Kleinformat in das Bild integriert, oder es wurden große Darstellungen der Personen bei ihren Beschäftigungen gemalt.

Monet (Zwei Mädchen im Boot, Gleise am Bahnhof St. Lazare, Holländische Landschaft, Heuschober im Sonnenuntergang, Parc Monceau, Berge im Schnee und der Berg Kolsaas, für einen japanischen Auftraggeber gemalt) war also der Vorreiter in dieser Zeit.
Die Grotte von Port-Domois -an der Meeresküste, Die Nadel und das Tor von Aval - Felsen im Meer, Sonnenuntergang über der Seine im Winter und natürlich zwei seiner berühmten Seerosenbilder, sind in der Ausstellung vertreten.

Berühmte Namen (in Klammern die Titel der von ihnen ausgestellten Werke) wie

  • Manet (Junge mit Blumen, Der Spaziergang),
  • Gauguin (Junge Bretonen beim Baden, Zwei Bretonische Mädchen am Meer, Schweine hütendes Mädchen),
  • Cezanne (Sitzender Bauer, Kind mit Strohhut, Vorbereitung für ein Bankett, Reflexe auf dem Wasser, Die Montagne Sainte Victoire, Vier badende Frauen),
  • van Gogh (Kate mit grabender Bäuerin, Holzsammler im Schnee,
  • Sisley (Bootsfahrt, Moret sur Loing),
  • Renoir (Die Olivenbäume von L’Estaque, Terrasse in Cagnes),
  • Signac mit seinem Pointilismus (Rotterdam – Die Dampfschiffe, Das Hafenbecken von Flushing)

spielten bei den Ausstellungsstücken eine große Rolle.

Ebenso sind viele Bilder in Europa und auch in Japan gemalt von den für uns meist unbekannten Malern wie Torajiro Kojima (Portrait des Sammlers Ohara, Geishadarstellungen mit festlichen Kimonos in Gärten) oder Toyosaku Saito (Fluss im Abendlicht), Eisaku Wada (Anlegestelle in der Abenddämmerung),Takej Fujima (Segelyacht), Sotaro Yasui (Haus im Frühling), Ryuzaburo Umehara (Landschaft bei Moret sur Loing), Ikunosuke Shirataki (Unterricht) und Takeji Fujima (Abendfrische am Teich, zwei sitzende Mädchen). Diese Grundlage war also europäisch und später, nach Japan importiert, wurde dort der Impressionismus japanisiert.

Insgesamt waren die schönsten Bilder mit einerseits kräftigen, andererseits in zarten Farben zu bewundern. Frau Dr. Dahmen hatte uns wirklich einen ausführlichen Rundgang durch diese seltene Kombination von Gemälden und Holzschnitten japanischer und europäischer Maler und zusätzlich vielen Bronzebüsten und Bronzedarstellungen vor allem von Rodin (z.B. Der Kuss) gezeigt.
Wir zogen alle freudig und noch lange darüber sprechend von dieser Ausstellung zum Mittagessen in das Cafe des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Nach der einstündigen Stärkung gingen wir „auf eigene Faust“ durch das Haus der Geschichte, das für uns alle ein Zeugnis der Geschichte seit dem letzten Weltkrieg war. Es ist für uns Lehrersenioren unsere selbst erlebte Geschichte. Von der Zeit der Gründung der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR und deren Wiederaufbau wurden Erinnerungen wach.
Eine Sonderausstellung unter dem Titel „Schamlos“ beschäftigte sich mit den Veränderungen im Verhältnis der Geschlechter zu und untereinander, vor allem mit der Aufklärung früher und heute. Eine andere Sonderausstellung hatte den Titel: „Unter Druck - Medien und Politik“ und eine weitere „Traum und Tristesse - Leben in der Platte“.
So hatte jeder selbst die Möglichkeit, seine Schwerpunkte auszuwählen.

Wir verabschiedeten uns nach der interessanten, besonderen Bonnexkursion auf den Nachhauseweg, der für viele in den Staus auf den Autobahnen kurz hinter Bonn eine lange Geduldsprobe nach sich zog.

Konrad Dahlmann