Hafen-Häuser Tour im Medienhafen Düsseldorf

Medienhafen, Gehry-Häuser-Rheinturm
Gehry-Häuser
Gehry-Häuser
Historisches und Modernes nebeneinander
Interessierte Zuhörer
Vor dem Landtagsgebäude
Wellengangpflaster
WDR-Gebäude
In der "Zicke"
Historische Plakate in der "Zicke"
Historische Plakate in der "Zicke"
Die Exkursionsteilnehmer

„Warum stehen diese Türme nicht bei uns?“
fragte die New York Times nach der Fertigstellung der Gehry- Häuser 1999.

Der Gästeführer Dietmar Schönhoff empfing 20 lehrer nrw-Senioren zu Beginn ihres Rundgangs durch den Medienhafen in Düsseldorf unter der Rheinkniebrücke am Apollo Varieté Theater (1997). Geplant wurde es von Professor Niklaus Fritschi, der auch für das Wellengangpflaster verantwortlich ist, das den Hafen mit der Altstadt verbindet. Hinter der Brückenrampe führt der Weg zum nordrhein-westfälischen Landtag.  Er residiert seit 1988 am Rheinufer. Der Bau ähnelt einem Amphitheater. Das ehemalige Hafenbecken wurde zu diesem Zweck 1980 zugeschüttet. Vor dem Haupteingang steht die 1990 entstandene gusseiserne Bodenplatte „Tzaphon“ des israelischen Künstlers Dani Karavan. Die geneigt  aufgestellte Scheibe nimmt die Form des Landtags auf und bezieht sich mit ihrem Material auf die schwerindustrielle Vergangenheit der Region. Sie ist in der Mitte von einer Schiene geteilt, über die eigentlich als Sinnbild für den Rhein auch noch Wasser fließen sollte, was aus sicherheits-technischen Gründen (Skater) nicht realisiert wurde. Der Schienenstrang soll an den Transportweg für Eisen, Stahl und die Juden zum  KZ erinnern.

Das Stadttor gegenüber ist seit 1998 Staatskanzlei und Sitz unserer Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Das rundum von einer doppelt verglasten Haut überzogene Stahlgebilde besteht aus zwei 80 m hohen Türmen, die durch einen dreigeschossigen Torbogen und mehreren Brücken im Inneren miteinander verbunden sind. Wegen seiner energetisch klugen Bauweise wurde es 1998 auf der weltgrößten Immobilienmesse in Cannes mit dem MIPIM-Award zum besten europäischen Bürogebäude gekürt.

Der Rheinturm (1982), früher Fernmeldeturm, ist mit 240 Metern das höchste Bauwerk Düsseldorfs. Ein besonderer Clou ist eine Lichtinstallation, die nachts aus ihren LED betriebenen Bullaugen die Uhrzeit anzeigt. Oben befinden sich zwei Plattformen, eine Bar, das Restaurant, das sich stündlich nach rechts und links dreht. Als am 09.06.2014 der Pfingst-Sturm Ela (142 km/h Düsseldorf Flughafen) über Düsseldorf tobte, drängelten sich oben die Menschen, da sie das „herrliche“ Schwanken des Turmes miterleben wollten. Dass Geschirr und alles andere durch die Gegend flog, störte sie nicht. Der Turm sei auf europäische Stürme eingerichtet.

Der Medienhafen ist in seiner innovativen Architektur ein Highlight für jeden Besucher. Der Name des Areals erklärt sich durch die Tastsache, dass ungefähr ein Viertel der Unternehmen, die im Hafen ansässig sind, aus der Medienbranche kommt. Das WDR-Gebäude mit dem Fernsehgarten wurde 1991 von den Architekten Parade & Partner erbaut (aktuelle Stunde). Die 25 Meter hohe Eingangshalle wirkt wie ein Volksempfänger.

Der ursprüngliche Hafen wurde 1896 fertiggestellt und war damals einer der modernsten Häfen Europas. Gegen 1970 ließ der Umsatz nach und man beschloss einen Teil des Hafens zuzuschütten.

Der Neue Zollhof 1-3 ist inzwischen eine weltweit bekannte Adresse.
Es sind die drei Gebäude des amerikanisch- kanadischen Stararchitekten Frank Owen Gehry (geb.1929), die er selbst als Familie titulierte. Vorbild soll eines der vielen Madonnen-Bilder von Giovanni Bellini (1437-1516, Venedig) sein.
Das Gehry Gebäude Zollhof 1 besteht aus rotem Klinker und erinnert an Stapelware - Kisten aus dem alten Hafen.
Zollhof 3 ist weiß verputzt und mit 53 Metern das höchste der drei Gebäude und seine Türme lassen einen an die Schornsteine eines Dampfers denken.
Zollhof 2 ist das kleinste Gebäude und befindet sich in der Mitte. Es ist mit gefalztem Stahlblech verkleidet und wirkt ein wenig wie eine zerknüllte Blechdose. Die Mutter stellt das rote, den Vater das weiße und das Kind das kleine Gebäude dar. Die Verwandtschaft ist gleichsam an den einheitlich nach außen gestülpten Fensterboxen abzulesen. Es sind mehr als 1500 Fenster, die alle extra angefertigt werden mussten.
Die New York Times fragte nach der Fertigstellung 1999: „Warum stehen diese Türme nicht bei uns?“

Übrigens Dr. Alfred Dahlmann war längere Zeit Chef des Hafens. Er ist ein enger Verwandter unseres sehr geschätzten Konrad Dahlmann.

Bevor die nrw lehrer-Gruppe auf die gegenüber liegende frühere Monkey`s Island kommt, erzählt der Gästeführer, was es mit den Monkeys zu tun habe.
Jörg Immendorff (1945 - 2007), der Düsseldorfer Künstler und Freund von Helge Achenbach hatte den für ihn typischen  Bronzeaffen erschaffen. Nach Immendorffs Tod stellte Helge Achenbach Affen in immer neuen Posen und Größen auf, auch auf der Insel. Sie vermehrten sich wundersam.
Der tiefgetauchte Achenbach wurde 2014 verhaftet, nicht wegen der vielen Affen, sondern weil er einige seiner Klienten zu heftig übers Ohr gehauen hatte.

Vor der Terrasse von Chipperfields Bürohaus (Am Handelshafen) steht die Hans-Albers- Skulptur von Jörg Immendorff. Das Denkmal für den berühmten Sohn Hamburgs wurde in Hamburg erst aufgestellt, als Immendorff eine zweite Skulptur erstellte. In Düsseldorf heißt sie heute „der Seher“.

Vom „Seher“ aus geht es auf die Living Bridge (2005). Sie ist eine Fußgänger- und Radwegbrücke und führt auf die andere Seite des Hafenbeckens. Die Brücke trägt ihren Namen, weil sie durch ihr Konzept zu einem  Aufenthalt einlädt. Die mit Designpreisen ausgezeichnete Fußgängerbrücke ist 150 Meter lang und 12 Meter breit und aus zertifiziert „sauberem“ Tropenholz. Besonders mittags füllt sie sich mit improvisierenden Schnellessern, die auf den Stufen Platz nehmen. Sie wird auf halber Strecke von einem Glaswürfel mit schickem Restaurant dem „Lido“ flankiert. Die Brücke führt zum Julio-Levin-Ufer, das nach dem expressionistischen jüdischen Maler (1901-1943) benannt und der in Auschwitz ermordet wurde. Von der Brücke aus bewundern wir die interessanten Bauten unterschiedlichster Art: den 13-geschossigen Büroturm des Amerikaners Steven Hall (1997), das 59 m hohe DOCK des Niederländers Joe Coenen (2002), das umgewandelte ehemalige Kessel- und Maschinenhaus (von 1896 heute unter Denkmalschutz) PEC mit dem „Wolkenbügel, einem Riegel, der horizontal auf dem alten Gebäude liegt und Studios und Büros enthält.

An der Landspitze der Halbinsel ragen seit 2010 das Hyatt-Regency und ein Büroturm auf. Hinter dem Fünfsternehotel glänzt ein Aluminium verkleideter „Kieselstein“ mit der hauseigenen Pebble`s Bar. Regelmäßig logieren im Hyatt unsere Fußballmannschaften.

Unter starkem Protest der Düsseldorfer musste das Erholungsparadies auf der Halbinsel „Monkey´s Island“ mit Immendorfs Monkey dem Nobelhotel weichen.
Am Julo-Levin-Ufer sticht ein mit bunten Gestalten behängtes Hafengebäude ins Auge. Die Gummifiguren, die das ehemalige Speichergebäude erklimmen, heißen „Flossis“(ca. 35) und stammen von der Stuttgarter Künstlerin und Professorin Rosalie.
Daneben fällt uns das kunterbunte Colorium des britischen Malers und Architekten William Alsop (2001) auf. Es wirkt wie ein Mondrian mit seinen 17 verschiedenen Farben.
Daneben steht die 2002 luxussanierte Alte Mälzerei der Dortmunder Union-Brauerei (1896) und das Bürohaus Sign (2010), mit 75 Metern das höchste Gebäude im Medienhafen.

Die (vorgesehenen) „Königskinder“ von Markus Lüpertz, Zwillingstürme, die mit gleichnamigen Skulpturen gekrönt werden sollen und für Luxuswohnzwecken geplant sind, lassen noch auf sich warten. Eine Fabrik verursacht angeblich auf diesem Gelände schlechte Luft.

Auf dem Rückweg halten wir an einem besonderen Platz an. Es ist der Platz der Medien. 1996 wurde er von Günther Uecker entworfen, der vor allem durch seine Nagelbilder bekannt wurde. Granitblöcke, die im Sommer als Sitzplätze für das Open-Air-Kino dienen, sollen wie große Steine im Flussbett wirken. Das Flussbett wird mithilfe von Bruchkies dargestellt. In einer Nacht- und Nebelaktion hatte man den schwergängigen Kies kurzer Hand entsorgt. Da es sich hier jedoch um  ein Kunstwerk handelte, musste der Kies wieder hergeschafft werden.

Am Ende des Hafens glitzert im Sonnenschein der Maki-Solitär, ein achtgeschossiger Würfel mit einer Fassade aus Aluminium und Glas des japanischen Architekten Fumihiko Maki. Er „wiederholte“ hier ein Gebäude, dass er bereits 1998 in Tokio gebaut hatte.

An einer Litfaßsäule vor dem WDR macht uns der Gästeführer auf eine Düsseldorfer Säulenheilige „et Marlies“ aufmerksam. Die Säulenheiligen sind dreidimensionale Ganzkörperporträts von zeitgenössischen Durchschnittsmenschen (auf Litfaßsäulen stehend), die der Maler und Bildhauer Christoph Pöggeler aus Kunststoff modelliert hat. Düsseldorf besitzt 9 davon.
Noch einen sehnsüchtigen Blick auf das Restaurant mit der bekannten Curry-Wurst, dann ist die wunderbare Führung durch den Medienhafen mit Dietmar Schönhoff vorbei. Vielen Dank.

Die Lehrer-Senioren folgen dem Wellengangpflaster am Rhein-Ufer entlang zur „Zicke“ in der Altstadt und nehmen dort ein verspätetes Mittagessen ein.
Der Name „Zicke“ stammt aus einer Zeit, als Zicke noch keine Beleidigung gewesen, sondern Ausdruck für taffe Frau war, wie die Gründerin des Cafés. Die Einrichtung ist so wie sie vor 50 Jahren war. 100 Kunst- und Filmplakate und Ausstellungsplakate schmücken die vom früheren Kettenrauchen verfärbten Wände z.B. von Picasso, Beuys, Immendorf und früheren Filmschönheiten. Der französischen Kellner -„Urgestein“ der Zicke - nimmt wortkarg die Bestellung zur Kenntnis, serviert und quittiert.

Hier lassen die Exkursionsteilnehmer das Essen und die vielen neuen und interessanten Informationen zum Medienhafen sacken.

Lilo Becker, 26.05.2016

Führung durch den Medienhafen Düsseldorf am 24.05.2016 - ausführlicherer Bericht

Blick auf Gebäude des Medienhafens

Warum besucht Königin Silvia von Schweden immer das Luisengymnasium, wenn sie in Düsseldorf ist? Diese Frage stellte der Gästeführer Dietmar Schönhoff den 22 lehrer nrw- Senioren zu Beginn ihres Rundgangs am 24. Mai 2016 durch den  Medienhafen in Düsseldorf.

Mehr im Bericht von Lilo Becker (PDF-Datei)