Besuch der lehrer nrw-Senioren auf dem Melaten-Friedhof in Köln am 14. September 2016

Exkursionsgruppe auf dem Melatenfriedhof in Köln

Unsere Gruppe der Melateninteressenten traf sich zum Mittagessen im traditionellen „Brauhaus Sion“, das uns schon von anderen Kölnbesuchen bekannt war.
Nach dem köstlichen Mittagsmal ging es per nichtklimatisierter Straßenbahnfahrt in 12 Minuten zum Nebeneingang des Melatenfriedhofes an der Aachener Straße.

Unser Führer, Herr Leitner, ein aktiv mit den Friedhöfen - nicht nur der Stadt Köln -beschäftigter Historiker, erläuterte uns zunächst den Ort von seiner Herkunft und seiner früheren Bedeutung her.
Das Gelände des Gutes Melaten war schon lange ein Ort des Todes und vor allem des gewaltsamen Todes. Im Mittelalter war es eine öffentliche Hinrichtungsstätte der Stadt Köln, weit außerhalb der Stadttore. Dann, in der Zeit der Hexenverfolgungen wurden neben anderen Hinrichtungen auch Frauen und Mädchen an dieser Stelle getötet.

Der Name "Melaten" leitet sich aus dem französischen Begriff "malade = krank sein“ her. Denn schon seit dem 12. Jahrhundert befanden sich auf diesem Gelände die Häuser für die Leprakranken, (Leprakranke galten als „Aussätzige“, die nicht in der Stadt wohnen durften). Sie durften aber an manchen Feiertagen zum Betteln in die Stadt gehen. Ein Schellenknecht ging dann den Kranken voran, um die Bürger vor diesen Kranken und einer möglichen Ansteckung zu warnen. Als die Lepra im 18. Jahrhundert in Europa fast ganz besiegt war, wurden auch die Leprastationen geschlossen.

Als um 1800 die innerstädtischen „Kirchhöfe“, die bisherigen Friedhöfe rund um jede einzelne Kirche, geschlossen wurden, kaufte die Stadt Köln dieses Gebiet der ehemaligen Leprastation und legte um die alte Kapelle um 1810 den „Melatenfriedhof“ an, der vom  Dompfarrer Dumont eingeweiht wurde. In zwei große Hauptwege in Form eines Kreuzes ist der Friedhof aufgeteilt gewesen, bis er später erweitert wurde.

Wir machten uns auf den Weg zu besonderen älteren Grabstätten und Gräbern. In diesem ältesten Teil sind fast ausschließlich Grabstätten bekannter Kölner Familien vorhanden, deren Blütezeit im 19. Jahrhundert war.
Zum Teil sind dort bis zu 50 Personen auf einer Grabstätte beerdigt worden. Man legte dazu „Eingangstreppen“, durch Metalldeckel verdeckt, an und ließ die Toten senkrecht darin hinab; dann wurden sie unterirdisch waagerecht nebeneinander bestattet.

Kunsthistorisch betrachtet, kann man verfolgen, wie im Laufe der Zeit die Denkmäler gestaltet wurden, ob neoklassizistisch nach griechischen und römischen Vorbildern oder im Neobarock. Manche wurden mit z. T. riesigen Denkmälern aus weißem Cararamarmor oder auf Basaltflächen angelegt. Darauf wurden Heiligenfiguren oder Biblische Szenen dargestellt.
Es gibt Formen, in Form von kleinen gotischen spitzen Türmchen, ähnlich den Dachreitern auf gotischen Kathedralen, oder aber auch einfache, aber sehr hohe Metallkreuze, mit vielen christlichen Symbolen versehen, auf denen nur die Namen der Verstorbenen genannt sind. Es gibt Denkmäler in Tempelform mit vielen Säulen oder einfache glatte Platten stehend oder schräg auf dem Boden liegend, aus besonderem Gestein mit Engeldarstellungen, die den Verstorbenen auf seinem ewigen Wege begleiten.

Die Vielfalt lässt hier die verschiedenen Familiengeschichten erkennen, auch wenn damalige Großfamilien durch Ihren Stand häufig etwas Besonderes darstellten: Heute sind einige davon gänzlich verschwunden
Da sind zu nennen die Familien großer Firmen wie Banken (Deichmann, Oppenheim und auch Herstatt), Fabrikbesitzerfamilien (Otto Wolf von Amerongen, Tonger, der Musikhausgründer, heute nur noch ein Kleinstbetrieb, der Brauereibesitzer Früh, dessen Betrieb heute hinter dem Heinzelmännchendenkmal in Köln Mitte als überlaufene Touristengaststätte gilt ).
Ein Oberbürgermeister der Stadt Köln (Schwering), aber auch der bekannte von sich selbst sehr überzeugte Domführer Holzen und der Dombaumeister Zwirner fanden hier ihre Grabstätten.
Wilhelm Kaesens Familiengrabstätte (Kaesens ist der Begründer des Kölner Volksparks) ist ebenso hier auf Melaten vorhanden wie die von Franz Karl Guilleaume von der Seilerei Felten und Guilleaume, der sehr früh eine Betriebskrankenkasse eingeführt hatte.
Die Juristenfamilie Gustav Brandt und Carsten Peter Claussen, der im Rahmen seines 70. Geburtstages eine „Führung durch seine zukünftigen Wohnstätte“ gemacht hatte: eine Führung hier auf dem Melatenfriedhof sind hier bestattet.

Auch Menschen, die Bedeutsames erfunden haben, sind hier auf Melaten beerdigt: Nicolaus August Otto, der den Viertakt-Motor erfand, Maria Clementine Martin, die berühmte Klosterfrau, die den „Klosterfrau Melissengeist“ schuf und nicht zuletzt auch die Familie Farina mit dem Schöpfer des "Eau de Cologne"...

Ferdinand Franz Wallraf, der seine riesige Kunstsammlung der Stadt Köln schenkte, Johann Heinrich Richartz, der Museumsgründer des Wallraf-Richarz–Museums haben ihre Grabstätten hier.
Die vielen noch bekannten Schauspieler René Deltgen, Willi Birgel, Willy Millowitsch, und Dirk Bach.
Der Theatergründer des Hänneschen-Puppen-Theaters mit Spielfiguren zu seinen Füßen, Johann Christian Winter ist als Statue verewigt worden, da seine genaue Grabstelle nicht mehr zu finden ist.
Karnevalisten, dabei besonders die Schlagerdichter und Sänger wie Toni Steingass, Willi Ostermann (ich möch zo Foß noh Kölle gon), Horst Muys, das Eilemanntrio (Eilemann, Schweden und Niedick), das in benachbarten Gräbern bestattet ist..
Ebenso sind hier bestattet: bekannte Büttenredner und Vorsitzende der Karnevalsvereine Kölns.

Weiterhin findet man das Grab des bekannten Sportlers und ehemaligen Fußballpräsidenten von Fortuna Köln, Klaus Urenka.
Aber auch ganz andere wichtige Menschen liegen hier auf dem Melaten bestattet: wie z.B. der Erfinder der Gebärdensprache für Taubstumme: Gronewald, mit der biblischen, bildlichen Darstellung: Jesus heilt ein taubstummes Kind) dann  auch der Erfinder der Augenlaseroperationen Hans Karl Stock (mit einer ganz modern gestalteten Plastik eines Auges).
Viele frühe Grabstätten sind vom Künstler Wilhelm Albermann gestaltet.
Man hat in den letzten Jahrzehnten auch bei Übernahme der Grabstätten die alten Denkmäler stehen gelassen, aber die Namen beseitigt, um die jetzigen Namen dort darzustellen. Diese „Unsitte“, Namen auf den Gedenktafeln einfach zu beseitigen, ist aber mittlerweile verboten worden.
Zum Schluss sahen wir den „Sensemann“, den Tod als Gerippe mit der großen Sense in den Händen, bereit zum Mähen.

Alles in allem waren wir von dem Friedhof und auch von der Art der Präsentation durch unseren Führer begeistert und hatten viel Gesprächsstoff auf dem Heimweg in alle Teile NRWs.
Konrad Dahlmann

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