Von Dürer bis van Gogh, Meisterwerke im Dialog, Sammlung Bührle trifft Wallraf

Im "Brauhaus Sion" zur Stärkung vor dem Museumsbesuch
Beim Postkolloquium mit Kaffee, Kakao und Kuchen
Nach Kaffee und Kuchen fit für die nächsten Veranstaltungen

Aus dem dicht vernebelten, dunklen Münsterland kam ich am 17. Januar 2017 mit dem Zug in das sonnendurchflutete Köln, um zusammen mit den Senioren des lehrer nrw die oben genannte Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum zu besuchen.
Dazu waren aus NRW 25 Teilnehmer angereist, um sich zunächst im bekannten Brauhaus Sion zu stärken, bevor es dann zu der fast 2-stündigen Führung durch diese einmalige Ausstellung ging.

Die Sammlung Bührle wird noch an zwei oder drei weiteren Standorten in Deutschland gezeigt, ein anderer Teil ist auf „Weltreise“ in Japan, um dann schließlich ihre neue und endgültige Heimat in einem neuen Gebäude in Zürich zu finden.
Der Titel der Ausstellung sagt schon, dass Exponate aus dem Hause Wallraf-Richartz mit denen der Sammlung Bührle gegenüber gestellt werden.

Bührle, 1890 in Pforzheim geboren, ging nach seinem Studium der Philologie in Freiburg und anschließendem Studium der Kunstgeschichte in München zuerst als Unternehmer nach Magdeburg. Dann zog er in den 1920er Jahren mit seiner Familie in die Schweiz, um dort die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon zu leiten. Da dort in dem Unternehmen auch eine Rüstungsindustrie entstand, die sogar ins Nazideutschland lieferte, wurde 1944 der Verkauf nach Deutschland vom Schweizer Bundesrat verboten, sodass man sich auf andere Produkte beschränkte, aber nach dem Krieg in den 1950er Jahren wieder Rüstungsgüter produzierte.

In den 1930er Jahren entdeckte Bührle seine Sammelleidenschaft für Kunstwerke der Impressionisten, die er später mit vielen Stücken aus der Gothik und der Moderne stark erweiterte (13 seiner eingekauften Sammlungsstücke wurden aber nach dem Krieg als Raubkunstbilder identifiziert und mussten zurückgegeben werden. Einige konnte er zurückkaufen.) Am Ende seines Lebens (1956) besaß er eine stattliche Sammlung von mehr als einigen hundert Stücken, darunter außer Gemälden auch eine Reihe von Skulpturen aus verschiedenen Jahrhunderten. Diese Sammlung wurde dann 1960 von seinen Nachfahren in eine Stiftung umgewandelt.

Die Sammlung „Wallraf“ war parallel auch von einem „Bürgerlichen“ als eine Privatsammlung entstanden. Die Idee war es, jetzt, während des Um- und Neubaus in Zürich, im Wallraf-Richartz- Museum einen Vergleich von Ausstellungsstücken beider Sammlungen zu ermöglichen.

Die Führerin brachte uns Pensionären diesen Vergleich von ausgewählten etwa 80 Stücken äußerst nahe. Die Vergleiche:

  • Zwei Bilder von Aelbert Cuyp: ruhiges Meer (Titel: Fischerboote im Mondschein) und ein sich entladendes Gewitter mit riesigem Blitz über einer ruhigen niederländischen Landschaft (beide 1645 entstanden)
  • Ein Südseebild von Gauguin „Die Opfergabe“ als entlehntes Bild des Christentums mit einem „Stillende Muttergottes“- Bild aus der Gothik
  • Altarbilder mit den Darstellungen der Kreuzigung
  • Sisleys Bilder aus Hampton Court bei London (die nebeneinander ein „Beinahepanorama“-Bild darstellen) mit dem Titel: „Ein Sommersonnentag an der Themse“
  • Der bekannte „Knabe mit der roten Weste“ von Cezanne mit dem Bild „Bretonischer Junge“ von Gauguin
  • Monets Natur- und Kulturlandschaften in verschiedenen Tagesstimmungen
  • die beiden Ansichten Venedigs am Canale Grande, das eine vom Lehrer Canaletto (wirklicher Name Canal) und das andere von seinem Neffen und Schüler Canaletto (wirklicher Name: Bellotto) gemalt, der auch das berühmte Dresden-Bild gemalt hatte, jeweils in exakter Perspektive dargestellt.

Alle diese Vergleiche eröffnen dem Betrachter ein anderes Sehen und ein völlig anderes Verstehen, sei es durch die farbliche Gestaltung oder durch die Entwicklung der Darstellungsarten in verschiedenen Zeiten im Laufe von Jahrhunderten.

Es gab und gibt in jeder Zeit eine Eigenart, sei es in der häufig gleich gearteten Thematik, aber dann durch unterschiedliche Darstellungsform zum Bild transformierte Gegenstände bei Stillleben oder auch Musikinstrumenten. Ich denke hier an den „Flötenspieler“ von Dürer und an den kubistischen „Geiger“ von Braque aus dem letzten Jahrhundert.
Schließlich enden die Vergleiche innerhalb dieser Ausstellung mit den beiden Brückendarstellungen von van Gogh: Die „Seine-Brücken bei Asnieres“ mit dem dampfenden Zug und „Die Zugbrücke“.

Anschließend traf man sich noch zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch über die Ausstellung und über zukünftige Pläne.

Konrad Dahlmann


 

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