Lehrer NRW auf den Spuren der längsten Theke der Welt in der Düsseldorfer Altstadt

lehrer nrw-Gruppe vor dem Jan-Wellem-Denkmal und dem alten Rathaus
lehrer nrw-Gruppe vor dem Jan-Wellem-Denkmal und dem alten Rathaus
Beim Uerigen
Beim Uerigen
Hausbrauerei SCHLÜSSEL
Hausbrauerei SCHLÜSSEL
Erklärungen während der Altstadtführung
Erklärungen während der Altstadtführung
Blick über den Rhein zur Kirmes
Blick über den Rhein zur Kirmes
Wohltuende Pause während des zweistündigen Rundgangs
Wohltuende Pause während des zweistündigen Rundgangs
Bei der abschließenden Stärkung im FÜCHSCHEN
Bei der abschließenden Stärkung im FÜCHSCHEN

Am 18. Juli 2017 treffen sich 16 Seniorinnen und Senioren der lehrer nrw in Düsseldorf zu einer Führung durch die Altstadt. Wie es sich für die längste Theke der Welt (260 Lokale) gehört, beginnen wir bei der bekannten Hausbrauerei „Zum Uerigen“, dessen Gästeschar sommers wie winters zwei Straßenseiten belebt. Gründer und Braumeister Wilhelm Cürten (1862) soll ein mürrischer Geselle gewesen sein, in rheinischer Redensart, ein „Ueriger“, daher der Name. 

Hat man von dem süffigen obergärigen Altbier (Brauverfahren mit obergäriger Hefe bei höheren Betriebstemperaturen) genug, kann man sich nebenan einen oder mehrere Killepitsch genehmigen. Er besteht neben 42% Alkohol aus Zucker und 98 verschiedenen Beeren, Kräutern und Wurzeln und ist natürlich sehr gesund!! („Bevor sie uns killen, pitschen wir noch einen“, Mundartdichter Müller- Schlösser im 2. Weltkrieg ,85% der Stadt wurde zerstört). 

Wir gehen weiter auf Pflastersteinen, die mit Heinrich Heines Ausspruch „ Wenn man/ in Düsseldorf/ geboren ist/, wird einem/ wunderlich“ beschriftet sind. Von der Flingerstraße tauchen wir in die enge Schneider-Wibbel-Gasse ein. Bei  Napoleons Einzug in die Stadt (1811) beging Schneider Wibbel voll des guten Altbiers Majestätsbeleidigung und sollte ins Gefängnis. Durch einen Trick seiner schlauen Ehefrau blieb ihm das erspart. Der Mundart-Dichter Müller-Schlösser machte daraus ein Theaterstück mit dem Schauspieler Paul Henckels. Jetzt sitzt Schneider Wibbel in Bronze gegossen in einer Nische und bringt einem Glück, wenn man ihn berührt. 

Wir gelangen auf die Bolker Straße und entdecken hier Martin Luther mit dem Spruch auf der Schumacher-Hausbrauerei „Zum Schlüssel“: „Iss recht gut, trink recht klar, sprich recht wahr“. 

Die Neanderkirche gleich gegenüber wurde 1683 erbaut und ist die erste protestantische Kirche. Sie wurde nach dem Lehrer und Komponisten Joachim Neander genannt, ebenso wie das Neandertal in Mettmann. 

Das protestantische Gotteshaus musste versteckt und nicht direkt an der Straße liegen. In dem ruhigen Vorplatz der Kirche befindet sich bei gutem Wetter der Biergarten vom gegenüberliegenden „Zum Schlüssel“. 

Hier befindet auch sich das Geburtshaus von Heinrich Heine. 

Die wohl prächtigste Kirche ist die St. Andreas-Kirche. Sie ist die Kopie der Hofkirche in Neuburg an der Donau und in süddeutschem Barock errichtet (1622-1629, Jesuiten, heute Dominikaner). Nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg wurden das verschwenderisch barocke Interieur und die prachtvolle Orgel originalgetreu restauriert. Nicht so der frühere Hochaltar, der wurde von dem Bildhauer Edwald Matare (1887-1965) zu einem schlichten Altarraum gestaltet und steht heute im Kontrast zu der üppigen Innenausstattung. 

Gleich daneben das Kom(m)ödchen ist 70 Jahre alt (1947). Neben Lore Lorentz standen hier auch Jochen Busse, Harald Schmidt und andere auf der Bühne. Heute wird es vom Sohn Kai S. Lorentz und Christian Ehring geleitet. 

An der Mauer ist die meistgemalte Frau Deutschlands abgebildet- Mutter Ey. Johanna Ey (1864 – 1947), ließ sich scheiden und ging nach Düsseldorf mit vier Kindern alleinerziehend. Viele Künstler ließen sich von ihr vermarkten, denn sie betrieb eine Galerie. Sie wurde von den Künstlern geliebt und anerkannt, und obwohl nicht gerade schön, von vielen gemalt. 

Wir sehen die Kunsthalle K20 in Form eines großen Klavierflügels. In unmittelbarer Nähe befindet sich das ehemalige Landgericht, das in Luxuswohnungen umgewandelt werden soll. 

Wir kommen zum Rathaus mit dem Jan-Wellem- Denkmal. Unter dem Kurfürsten Johann Wilhelm II. (Jan Wellem) erlebte Düsseldorf im 17. Jh. seine kulturelle Blütezeit. Er betrieb den Stadtbau, Gemäldesammlungen, veranstaltete mit seiner italienischen Ehefrau Luisa de Medici rauschende Feste und zog Künstler, Maler, Musiker nach Düsseldorf. 

Luisa de Medici ist es zu verdanken, dass das Gemälde „Himmelfahrt Mariens“ von Peter Paul Rubens Düsseldorf erhalten blieb und heute im Kunstpalast zu sehen ist. Sein Denkmal mitten auf dem Marktplatz ist beeindruckend. Es zeigt einen gerüsteten Fürsten – ein würdevoller Herrscher - auf einem ruhig schreitenden Pferd. 

Wir kommen auf den Burgplatz am Rhein mit dem Schlossturm an der Mündung der Düssel in den Rhein. Vom ehemaligen Schloss (Feuer 1872) blieb nur der Turm stehen. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite auf den Rheinwiesen sehen wir die größte Kirmes am Rhein (4 Mill. Besucher). Sie wird zu Ehren des Stadtpatrons, des heiligen Apollinaris (20.7. Namenstag) gefeiert. Die Gebeine des heiligen Apollinaris ruhen in einem Schrein der St. Lambertuskirche. Auch das Mineralwasser ist nach ihm benannt. 

Die St. Lambertuskirche (1394) ist die älteste Kirche Düsseldorfs und wurde 1974 von Papst Paul VI. zur Basilika erhoben. Das Erscheinungsbild ist typisch für die niederrheinische Backsteingotik. 

Der Radschlägerbrunnen (1954) auf dem Burgplatz zeigt zwei Rad schlagende Jungen. Die Radschläger haben in Düsseldorf eine lange Tradition. Man findet sie als Motiv auf Gullydeckeln, Türgriffen, als Kuchen. 

Anekdoten dazu gibt es ein Menge, eine davon: Als die Väter 1288 von der erfolgreichen Schlacht von Worringen heil nach Hause kamen, freuten sich die Kinder so sehr, dass sie ein Rad nach dem anderen schlugen. 

Am Schluss betrachten wir das Stadt-Erhebung-Monument. Es zeigt, wie aus dem kleinen Fischerdorf an der Düssel die Stadt Düsseldorf wurde (1988 zu den 700 Jahrfeiern). Der Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim hat das Bonze -Monument aus 400 Einzelteilen geschaffen. Die Stationen der Geschichte Düsseldorfs lesen sich wie ein Buch. 

Nach zwei Stunden Altstadt besuchen wir zur Stärkung die Brauerei im Füchschen. Das Altbier dort ist süffig, das Essen lecker und die Atmosphäre deftig burschikos mit umsichtigen Kellnern, die Köbis heißen (Jakob). Ein guter und passender Abschied von der Düsseldorfer Altstadt. 

Lilo Becker