lehrer nrw-Reisegruppe grüßt aus Hamburg

Unsere Reisegruppe in Hamburg
Unsere Reisegruppe in Hamburg

Einen lieben Gruß aus Hamburg senden die Herbsthamburgfahrer, von strahlendem Sonnenschein gesegnet!

Nach pünktlichem Eintreffen der Gruppe starteten wir am gestrigen Sonntag, gestärkt mit einem Kaffee und kleinem Imbiss, vom super Hotel Hafen Hamburg mit Blick über den ganzen Hamburger Hafen.

Am ersten Tag hatten wir eine Führung mit Angela rund um den Michel und heute (16.10.2017) geht es in die Hafencity mit Elbphilharmonie.

Konrad Dahlmann


Kurzbericht über die Herbstfahrt vom 15. bis 17.10.2017 nach Hamburg

Gruppe vor Rundgang
Gruppe vor Rundgang
Blick von Hotelterrasse auf Landungsbrücken
Blick von Hotelterrasse auf Landungsbrücken
Schiffsvorbeifahrt
Schiffsvorbeifahrt
Elbphilharmonie
Elbphilharmonie
Gruppe auf "Elphi"-Terrasse
Gruppe auf "Elphi"-Terrasse
St. Michaeliskirche
St. Michaeliskirche
Blick in Teil der Speicherstadt
Blick in Teil der Speicherstadt
Bei den alten Witwenwohnungen
Bei den alten Witwenwohnungen
Hafenrundfahrt mit Blick auf Köhlbrandbrücke
Hafenrundfahrt mit Blick auf Köhlbrandbrücke
Erfrischung an Bord
Erfrischung an Bord

Die Senioren des lehrer nrw trafen am „Tagungsort“ im Hotel ‚Hafen Hamburg’ pünktlich am Sonntagmittag ein, sodass sie vor dem Einchecken schon auf der Laubengalerie des Hotels oberhalb der Landungsbrücken mit Blick auf den sonnenbeschienenen Hafen und die Elphie (Elbphilharmonie) bei einer Tasse Kaffee das Dortsein genießen konnten. Das also zur Einstimmung! 

Dann noch ein Gang an den Landungsbrücken entlang, um vom Hafen und dem dortigen Touristenbetrieb den ersten Eindruck zu gewinnen. Und wieder geht es die 137 Treppenstufen hinauf zum Hotel, aber dieses Mal ohne Gepäck.

Um 15:00 Uhr holt uns die Führerin Angela zum „Rundgang um den Michel“ ab. Sie erläutert uns, wie diese Umgebung als Arbeiterviertel für die vielen Hafenarbeiter wegen der Handarbeit beim Löschen der eintreffenden Schiffe in den letzten Jahrhunderten entstanden ist und dann im Laufe der folgenden Zeit mehrere Veränderungen erfahren hat. 

Die Michaeliskirche (der Michel) mit dem später noch, nach der Führung zu besteigenden Turm - klar - bei dem schönen Wetter ist das doch eine Pflicht, da ja immer wieder betont wird, dass es in Hamburg jährlich nur 4 Sommertage gibt, die Michaeliskirche also ist eine wunderbare norddeutsche Barockkirche mit drei Orgeln. U. a. ist eine davon eine Klaisorgel, genauso wie die Orgel in der Elbphilharmonie, deren Entstehung wir ja mit den lehrer nrw-Senioren schon vor zwei Jahren in Bonn bei der Werksbesichtigung der Firma Klais sehen konnten.

Neben der Kirche sahen wir den „ Old Commercial Room“, der von vielen Potentaten besucht wurde und wird und der eine Goldmedaille für Labskaus erhalten hatte. Er besitzt außerdem ein „Prachtstück an alter WC-Anlage“. 

Gut erhalten und schön renoviert sind auch die Krameramtsstuben und die kleinen Binnenhöfe mit den ehemaligen Witwenwohnungen. 

Dann konnten wir die kleinen Märkte mit vom Zentrum aus sternförmig verlaufenden Straßenzeilen mit zum Teil gut erhaltenen und gepflegten, mehrgeschossigen Wohnhäusern bestaunen. 

An einem solchen Markt steht das berühmte Wasserträgerdenkmal, das wir uns auch genau ansahen, wegen der Darstellung des wohlbekannten Hamburger Ausrufes „Hummel –Hummel—Mors Mors“ mit dem Bild des Wasserträgers und der ihn verhöhnenden Kinder. 

Bürohäuser in der Umgebung stechen in besonderem Maße durch interessante, moderne Bauweise hervor. 

Anschließend war Kaffeezeit angesagt. 

Zum Abend waren unterschiedliche Interessen zu erfüllen, einige gingen zum Essen in bekannte Esslokale oder auch auf die Störtebekerklause in der Elbphilharmonie. Andere gingen ins benachbarte Reeperbahnviertel, um dort interessante Eindrücke zu erhalten. Auf jeden Fall trafen sich aber alle wieder zu einem längeren Abschluss des ersten Tages in der gemütlichen Hafenbar im Hotel.

2. Tag, Montag 

Heute wird es wieder schön, und wir fahren mit der U3 zum Bahnhof Baumwall, wo wir unseren „Kiesjungs“-Führer Michael von der Hamburger Waterkant Tour treffen. Er führt uns, wie auch die Tour benannt ist, durch die z. T. in Büro-Geschäfts- und Wohnhäuser umgewandelte Speicherstadt und die sogenannte Hafencity mit der endlich fast fertig erstellten Elbphilharmonie - wenn da nicht diese noch zu beseitigenden Wasserschäden wären!!. Auf der längsten Rolltreppe Europas muss natürlich ein Gruppenbild gemacht werden. 

Auf der Plaza, dem in 35 m Höhe über der Elbe angelegten Rundgang mit dem Eingangsbereich zu den Sälen der Philharmonie und dem Hoteleingang, gibt es viel über den Bau, die um Jahre verspätete Inbetriebnahme, die bekannte Überfinanzierung und die Beschaffenheit des großen Hamburger Hafens zu erzählen und zu erfahren. Leider ist heute nicht viel von der früheren regeren Tätigkeit im Hafen zu sehen, da ja das größte Problem für das Hamburger Hafenleben die nicht genehmigten Vertiefungen der Elbe über die 135 km bis zur Mündung in die Nordsee darstellen.

Den Abschluss dieser Führung bietet ein einstündiger erholsamer Törn von den St. Pauli Landungsbrücken aus durch den Hafen mit einem komfortablen großen Schiff. Wir genießen die Aussicht auf die höher gelegenen Stadtteile Hamburgs, den sandigen städtischen Badestrand an der Elbe, vor allem aber die Hafenanlagen mit den modernen Seehafenbecken, den vielen riesigen Kränen an den Containerterminals und den Kaianlagen, den Trockendocks an der Werftanlage Blohm und Voss, den Blick auf die hohe Köhlbrandbrücke und ebenso die Aussicht auf die historischen Schiffe Rickmer-Rickmers und Cap San Diego an den Landungsbrücken. 

Im Mittelpunkt aber steht immer wieder die moderne, wohlbekannte Form der Elbphilharmonie.

Die „freischnauzige“ deutsch-Englische Moderation an Bord machte ein von der Insel Amrum stammender ehemaliger Seemann.

Jetzt wird es aber endlich Zeit für einen Nachmittagskaffee, nachdem wir das Mittagessen bereits überschlagen haben. Dazu fahren wir mit der U-Bahn zum Rathaus, besichtigen „nebenbei“ den schönen Brunnen im Binnenhof und die wunderbare Empfangshalle des Rathauses, laufen durch die Alster-Arkaden, die den einen oder anderen an ein Venezianisches Flair erinnern und gelangen zum Jungfernstieg. Hier finden wir genug Platz für alle auf der Binnenalsterterrasse des Alsterpavillons. 

Besondere Eisspezialitäten oder Kuchensorten stehen zur Auswahl bereit, und wir können vor allem die schöne Herbstsonne, kombiniert mit dem Blick auf die 60 m hohe Fontaine in der Mitte der Binnenalster, genießen. Anschließend gehen einige noch durch einzelne der vielen Passagen, z. B. durch die Europapassage oder durch die wunderschön angelegte Passage „Hanseviertel“.

Am Abend werden Musical, Schiffstheater oder nette Lokale zum Essen aufgesucht. Und wieder trifft man sich zum Ausklang in der oben schon erwähnten Hotelbar.

3. Tag, Dienstag

Nach dem üppigen Hotelfrühstück muss leider schon wieder ausgecheckt werden. Wir treffen uns aber noch einmal, um in besonderer Weise Hamburg kennen zu lernen. 

In der Speicherstadt ist nicht nur ein Gewürzmuseum, das einige aufsuchen ebenso wie das Kaffeemuseum mit Rösterei, hier finden wir auch das weltberühmte und schon seit 15 Jahren existierende Miniatur-Weltwunderland. Hier werden selbst Erwachsene zu Kindern und lassen sich träumerisch versetzen in verschiedene Erdteile, Städte und Landschaften, angefüllt mit Straßenverkehr, Wegstrecken, vor allem Eisenbahnstrecken aller Arten, mit Bahnhöfen, Autoverkehr, Vergnügungsplätzen, Kirmes und Zoos, Flughafen und vor allem vielen Tausenden winzig kleinen Menschen.

Erschöpft nach ca. 2 Stunden erholt man sich am besten draußen in der Sonne in einem netten Lokal. 

Langsam heißt es aber, von Hamburg Abschied zu nehmen. Einige fahren direkt nach NRW zurück, andere suchen noch einmal den Hafen oder die Innenstadt auf oder machen eine ergiebige, gemütliche Busrundfahrt durch Hamburg mit Binnen- und Außenalster oder werfen noch einmal den letzten Blick auf die Elbphilharmonie oder kurz Elphi, mittlerweile nett tituliert: „Viel Harmonie“. 

Das war’s in Hamburg: Hummel! Hummel!    Mors! Mors!

K.D.

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Weitere Fotos der Herbstreise 2017 nach Hmaburg
 
 

lehrer nrw-Senioren in der Hansestadt Hamburg

Auf der Reeperbahn
Auf der Reeperbahn
Honigwaben zum Frühstück
Honigwaben zum Frühstück
Polizeistation Hafenkante
Polizeistation Hafenkante
Abendessen 'gediegen hanseatisch'
Abendessen 'gediegen hanseatisch'
Musical-Palast
Musical-Palast
Musical-Palast
Musical-Palast
Obdachlose auf der Reeperbahn
Obdachlose auf der Reeperbahn
Schuhe auf/für die Reeperbahn
Schuhe auf/für die Reeperbahn
Kaffeerösterei
Kaffeerösterei
Alsterarkaden
Alsterarkaden
Elbphilharmonie
Elbphilharmonie
Gruppe
Gruppe
Im alten Elbtunnel
Im alten Elbtunnel
An den Alsterarkaden
An den Alsterarkaden
Jenseits an der Elbe
Jenseits an der Elbe
Auf der Rolltreppe
Auf der Rolltreppe

HH - Herbstfahrt Hamburg
Hamburg im Überblick

Die kleine Herbstfahrt vom 15.10. bis 17.10.2017 geht nach Hamburg. Eingeladen hat Konrad Dahlmann, Vorsitzender des Seniorenausschusses des Verbandes. Der Einladung folgen 11 Lehrerinnen und Lehrer.

Nach individueller Anreise treffen wir uns im  traditionellen Hotel Hafen Hamburg, in Willi`s Bierstube. Das Hotel mit 380 Zimmern erhebt sich jenseits der St. Pauli Hafenstraße hoch über die Landungsbrücken. Man sollte unbedingt ein Zimmer zur Wasserseite haben. Ansonsten bleibt noch der gigantische Fernblick von der Tower Bar im 12. Stock. Drei Tage genießen wir das traditionelle maritime Flair und die hanseatische Höflichkeit in diesem Hotel.

Sonntag,15.10.2017
Hansestadt Hamburg

Die mit 1.8 Mio. Einwohnern (753 Quadratkilometer) zweitgrößte Stadt Deutschlands wird ganz entscheidend vom Wasser geprägt und zählt zu den 10 lebenswerten Städten der Welt. Die bekannten Flüsse sind die Elbe und die Alster. Die Elbe mit dem Hafen  war schon immer die Hauptschlagader der Stadt. Der Hafen wird heute gehegt und gepflegt. Früher lag der Hafen direkt vor der City. Die Containerschiffe (500 Meter lang, 60m breit) sind jedoch zu groß geworden, so dass die Terminals ins Hinterland abwandern mussten. Hamburg ist von einer Vielzahl von Flussarmen und Kanälen (Fleete) durchzogen. Insgesamt 2479 Brücken überspannen diese Wasserläufe. Das Zentrum wird von der Alster geprägt. Dieser nur 51 km lange Fluss wurde vor Jahrhunderten mitten in der City aufgestaut in die Binnenalster und die Außenalster, die wie zwei Seen wirken. Hier im Zentrum liegen die Haupteinkaufsmeilen. Die Sehenswürdigkeiten können fußläufig erreicht werden. Eine klassische Altstadt gibt es nicht, wofür drei schlimme Katastrophen verantwortlich sind: 1842 ein Großbrand, 1892 ein Choleraepidemie. Die Häuser in den engen Gängevierteln wurden komplett abgerissen. 1943 wurden ganze Straßenzüge dem Erdboden gleichgemacht. 

1980/1990 entstanden unweit vom Rathaus etliche Einkaufspassagen.

Auch der Hafen wandelt sich. Da die Schiffe immer größer werden, können sie heute nicht mehr direkt im innerstädtischen Hafenbereich festmachen. Heute liegen die Kaianlagen und Containerterminals relativ weit draußen. Dennoch prägt der Hafenrand bei den Landungsbrücken das Stadtbild und vermittelt einen großartigen hafenmäßigen Eindruck.

Hamburg auch  Stadtstaat genannt, ist ein Bundesland. Das Parlament heißt Bürgerschaft, die Regierung Senat. Die Senatoren sind die Minister, der Erste Bürgermeister, zu Zeit Olaf Scholz, steht dem Senat vor. Hamburg hat 42 000 Millionäre, 18 Milliardäre (Fa. Otto, Springer, Reemtsma, Peek und Cloppenburg, Fielmann, Kühne u.a.) und 50 000 Hartz 4 Empfänger.

Rund um den Michel

Von Hotel  aus starten wir unsere Stadtbesichtigungen mit der Gästeführerin „Rund um den Michel“. Wir gehen die Seewartenstraße in Richtung Neustadt, vorbei am alten Elbpark mit dem riesigen Otto von Bismarck Denkmal. Auf einem bewaldeten Hügel dahinter befindet sich Hamburgs Weinberg. Die 50 Flaschen jährlich bekommt die Bürgerschaft, nicht zum eigenen Verzehr, sondern als Gastgeschenk zum Weiterreichen. Wir gelangen zur Kirche St. Michaelis, dem Michel. Die Hamburger haben regelrecht eine liebevolle Bindung zu ihrem Michel. Das wird auch immer durch das hohe Spendenaufkommen bewiesen und auf dem Vorplatz durch Quadratmeter große Spendenplatten mit allen Namen dokumentiert. Etwas versteckt wurde außen auch eine Plakette angebracht, die erklärt, dass 1983 ein Hamburger Kaufmann aus Übersee eine Summe von 4 Mio. DM für die Reparatur des Kirchturms spendierte. Von 1648 bis 1661 wurde sie erbaut. 1750 brannte sie, von einem Blitz getroffen, vollständig aus. 1662 wurde der neue Michel feierlich eingeweiht, der Turm entstand später (1777- 1786). 1906 wurde die Kirche erneut durch Brand zerstört und wieder aufgebaut. Bombenangriffe  (1943) beschädigten die Kirche schwer. 1952 konnten die Schäden erst beseitigt werden. An der Außenwand befinden sich Denkmäler zu Ehren von Martin Luther und dem ehemaligen Bürgermeister Johann Heinrich Burchard (1852-1912). Über dem Eingang prangt eine Skulptur des Heiligen Michaels, der den Satan besiegt. Der Innenraum ist hell und goldfarben gehalten und steht auf dem Grundriss eines gedrungenen Kreuzes. Die Kanzel aus Marmor wurde  so geschaffen, dass sie von allen 2500 Sitzplätzen aus eingesehen werden kann. Der 22m hohe Altar ist ebenfalls aus Marmor und zeigt die Auferstehung Christi. Die berühmte barocke Steinmeyer- Orgel steht auf der Westempore, sie zählt 6665 Pfeifen und ist Hamburgs größte Orgel. Zwei kleinere Orgeln, z T. in Bonn gefertigt, komplettieren den Klanggenuss. Der schmiedeeiserene Opferstock, der Gotteskasten, stammt noch aus dem 18.Jh. und steht am Eingang zur Gruft. Der 132m hohe Kirchturm ist Anziehungspunkt für viele Besucher. Auf der 106m hohen Plattform hat man einen kaum zu überbietenden Rundblick, besonders an diesem sonnendurchfluteten Spätsommertag. Unter dieser Plattform befindet sich die größte Kirchenuhr Deutschlands. Ganz in der Nähe vom Michel befindet sich das Gängeviertel mit den Kramerwitwenwohnungen. Ab 1676 wurde durch das Krameramt 20 Kramerwitwen kostenloser Wohnraum zur Verfügung gestellt. Als Witwen mussten sie aus den Wohnungen über den Läden ausziehen, damit ein neuer Händler Arbeits- und Wohnstätte übernehmen konnte. Sie zogen in die 3. Etage Hier gibt es auch einen musizierenden Friseur. Hummel Hummel, der Hamburger Gruß, hat in diesem Viertel seinen Ursprung. Der Hummel-Brunnen stellt Wasserträger dar. Sagt einer Hummel, Hummel, sagt der andere Mors, Mors. Hintergrund ist die Geschichte mit dem Wasserträger. Johann Bentz, genannt Hummel war so ein Träger (1787-1854). Wenn er mit seinem schweren Wassereimer vorbeikam, neckten ihn die Jungen mit dem Ruf „Hummel, Hummel“. Bentz antwortete „Mors, Mors“, auf Platt (in Deutsch: Leck mich am Arsch).So richtig zum Tragen kam der Hamburger Gruß aber erst, nachdem die Hamburger als Autokennzeichen HH bekamen, was eigentlich für Hansestadt Hamburg steht, aber gerne zu Hummel Hummel umgedeutet wurde. Unsere Gästeführerin empfiehlt uns noch zum Abendessen das Labskaus im Restaurant Old Commercial Room. Labskaus ist ein Kartoffelgericht mit gepökeltem Rindfleisch, Roten Beeten und einem Spiegelei oben drauf. Sie bedauert, dass die meisten Besucher nur noch Augen für die neugestaltete HafenCity haben und das alte Hamburg links liegen lassen. Und weg ist sie zu ihrem Enkel.

Den Abend gestalteten wir in kleinen Gruppen. die einen besuchen das Kabarett im Schiffertheater auf dem Nikolaifleet („Allerdings Ringelnatz“), die anderen besteigen den Turm des Michel, bummeln  zur Elbphilharmonie und genießen den Sonnenuntergang über dem Hafen von der zentralen Plattform, der Plaza, aus.

Montag, 16.10.2017
Speicherstadt, Elbphilharmonie, HafenCity

Das Frühstück (20,-€) ist hanseatisch opulent, und bei so guter Aussicht auf die Landungsbrücken und die Elbe ein besonderer Genuss. Den Honig schneiden wir uns aus den Waben heraus, die Konfitüre ist selbstgekocht und kühn gemischt, Fisch, Wurst, Käse, Eier und viel Gesundes – es bleiben keine Wünsche offen.

So gestärkt fahren wir mit der U-Bahn zur Speicherstadt, wo wir Gästeführer Michael treffen.

Die Speicherstadt gilt als weltweit größter zusammenhängender Lagerhausbereich. Auf einer Strecke von über zwei Kilometern säumen aufwändig gestaltete Speicherblöcke malerische Fleete. Hier wurden Waren im sogenannten „Zollausland“ gelagert, d.h. die Kaufleute zahlten keine Steuern, solange die Ware nicht eingeführt wurde. Heute ist die Zollgrenze aufgehoben. Die wuchtigen Speichergebäude aus Backstein stehen aber immer noch und bilden ein eigenes Viertel. 1871 wurde das Deutsche Reich proklamiert. Bremen, Lübeck, Hamburg hatten sich das Recht auf einen Freihafen erstritten. Am 7.Mai 1189 hatte Kaiser Barbarossa mit einem Freibrief dieses Recht zugesprochen. Reichskanzler Otto von Bismarck machte 1888 damit Schluss. Hamburg trat nach erheblichen Drohungen des eisernen Kanzlers dem Zollgebiet des Deutschen Reiches bei. Die Hamburger bekamen einen Platz, an dem sie die Ware zollfrei zwischenlagern konnten. Das Gelände, auf dem der Lagerkomplex entstehen sollte, war allerdings bewohnt und zwar von 20 000 Menschen. Diese wurden kurzerhand umgesiedelt, der gesamte Wohnraum abgerissen und die neuen Lagerhäuser aus Backstein hochgezogen. Dort lagerten die Kaufleute nun ihre Waren wie Kaffee, Tee, Gewürze, Salz und Teppiche. Die Waren konnten hier verarbeitet, veredelt und dann weiterverkauft werden.

Auf dem Baumwall haben wir einen eindrucksvollen Blick auf den City Sporthafen. Laut Gästeführer ist die Elbe wieder sauber, nachdem der „Ostblock den Schirm zugeklappt hat“. Vorher konnte man die Aale der Elbe als Fieberthermometer benutzen, soviel Quecksilber hatten sie in sich. Wir kommen an der bekannten Polizeistation aus der Fernsehkrimiserie „Hamburg Hafenkante“ vorbei. Am Mittwoch 19.10.17 handelte der Krimi von einem Raubüberfall auf dem Michel (Anmerkung L.B.). 

Wir befinden uns in der HafenCity und stehen auf der Mahatma Gandhi Brücke von wo aus wir einen eindrucksvollen Blick auf die Elbphilharmonie haben, auch  Elphi genannt. Die Elbphilharmonie ist ein von allen bewundertes Projekt der HafenCity, ein hochmodernes Konzerthaus und ein weitaus sichtbares neues Wahrzeichen von Hamburg. Das Konzerthaus ist auf den schon bestehenden entkernten Kaispeicher (das Dach war das frühere Mövenklo) aufgesattelt. „Wie eine Welle schwingt sich ihre spektakuläre Glasfassade in 110 Metern auf und scheint förmlich über dem Backsteinsockel des historischen Kaispeichers zu schweben“ (Zitat aus Prospekt Elbphilharmonie Hamburg). Die Außenfassade besteht aus 1100 individuell gestalteten und leicht gebogenen Glaselementen. In der „Fuge“ zwischen den Gebäudeteilen befindet sich auf 37 Metern Höhe ein neuer öffentlicher Platz, die sogenannte „Plaza“. Von diesem haben die Besucher einen tollen Hafenblick. Eine 82m lange, leicht gewölbte Rolltreppe („Tube“) befördert die Schaulustigen nach oben, eine zweite bringt sie zur „Plaza“. Unser Gästeführer empfiehlt ein Buch für die langweiligen, schneckentempoartigen Rolltreppen. Die Elbphilharmonie verfügt über zwei Konzertsäle, einen kleinen Saal (550 Plätze) und einen großen Saal mit Platz für 2100 Zuschauer. Mit seinen rings um die Bühne ansteigenden Publikumsrängen eröffnet er ein völlig neues Musikerlebnis. Die Innenwand besteht aus 10.000 Gipsfaserplatten, die den Klang optimal reflektieren. Auch eine Orgel (4765 Pfeifen) wurde eingebaut  Außerdem gibt es ein Hotel mit 244 Zimmern, Wohnungen, ein Parkhaus, Restaurants, Cafés und einen Infoshop. Als Besucher der Plaza benötigen wir ein Ticket, das wir kostenlos bekommen. Mit diesem werden wir durch die Drehtüren „hineingewickelt“. Die Rolltreppe baggert uns und viele andere Besucher zur Aussichtsplattform. Hier macht uns der Gästeführer auf die vielen Sehenswürdigkeiten aufmerksam. Im Hintergrund sehen wir die Köhlbrandbrücke. Sie wurde 1974 gebaut und überspannt die Südelbe mit 3,6 km und einer Höhe von 53m. Sie gehört zu Hamburg, wie die Golden Gate zu San Franzisco. Spätestens 2030 hat die Brücke als zu niedrig leider ausgedient und soll neu geplant werden. Die Schiffe sind heute 400m lang, 60m breit und benötigen eine Durchfahrtshöhe von 73,5m. Wir sehen den Terminal und das Trockendock, einen Schrottplatz. für alte Schrottkarossen, die auf ihren Abtransport nach Nigeria warten. Hier lagert Ware, die nicht in Container passt, z.B. Chemikalien, Vaseline.

Die Kaianlagen und Containerterminals liegen heute weit außerhalb. Die Kreuzfahrt begann mit Hapag Lloyd. Diese schickten das „Kroppzeug Deutschlands“ (Gästeführer) über den Ozean nach Amerika und in die Kolonien. Ab 1905 wurden Vergnügungsfahrten für die ganz Reichen organisiert. Heute gibt es großmannssüchtige Anfälle im Senat (Gästeführer), die drei Kreuzfahrtterminals planen, damit Hamburg zu den weltgrößten Terminals zählt. 800 000 Kreuzfahrttouristen kommen jährlich nach Hamburg. Und was ist mit der sauberen Verbrennung? Aida Prima verfügt über .Erdgas als Antrieb. Aber auch sie fährt nach wie vor mit Schweröl. Gegen den Stickoxidausstoß im  Hafen ist Stuttgart ein Luftkurort (Gästeführer). Unser Gästeführer teilt uns einige kritische Gedanken mit und bezeichnet Olaf Scholz, den ersten Bürgermeister Hamburgs als „DorfSchulzen“, der alles schon richten wird. Gegenüber liegt die ehemalige Senatsbarkasse „Senator“(23m breit und 5m lang). Sie wurde 1940 für den Gauleiter von Hamburg Karl Kaufmann gebaut. Auf ihr wurde schon dem Prinzen von Wales der Hamburger Hafen gezeigt. Heute kann man sie chartern. .Auf dem gegenüberliegenden Ufer erhebt sich der Musical Palast, der einen Wal darstellen soll. Die Hamburger sagen allerdings „Stahlhelm“ dazu. .Daneben steht das weltgrößte Eventzelt, gebaut vor Jahrzehnten, nur für einen kurze Zeit geplant. Im Sporthafen fallen zwei traditionelle Schiffe auf, die MS Cap San Diego. Das Dampfschiff wurde 1962 gebaut und befuhr bis 1982 die Weltmeere hauptsachlich beladen mit Salpetersalz aus Chile. Heute ist es Museumsschiff. Das zweite Museumsschiff ist das Segelschiff Rickmer Rickmers. Der Dreimaster von 97m Länge wurde 1896 gebaut Er transportierte Fleisch, Felle und Pansen über die Meere. Die Felle lagerten wegen des Gestanks oben auf dem Deck. Dort hatten auch die Pansenklopfer ihren Arbeitsplatz. Sie bekamen eine extra Geruchszulage. An Land waren sie einsame Menschen, denn alle rückten wegen des Gestanks von ihnen ab. 

Gerade sind die Fensterputzer am Werk. Dreimal im Jahr lassen sie sich von oben abseilen, um die riesige Fensterfront zu säubern. 

Wir verlassen die Elbphilharmonie und kommen zur HafenCity. Mitten in Hamburg, im Rücken der Speicherstadt wird ein nagelneuer Stadtteil aus dem Boden gestampft. Einiges ist schon fertig. Den einen gefällst den anderen nicht. Die schöne Lage am Wasser macht die Gebäude zu begehrten und hochpreisigen Immobilien. Die Magellan-Terrassen, und die Marco –Polo-Terrassen mit dem Marco-Polo- Turm (55m, 17 Stockwerke)  sind neue echte Hingucker. Wladimir Klitschko, Gerald Asamoah, Susanne Klatten (BMW), sind Eigentümer oder Mieter (sicher im 17 Stock) dieser hochpreisigen Appartements. Man soll selbst von der Badewanne einen ausgezeichneten Blick auf Elbe und HafenCity haben. Unser Gästeführer wirft  „DorfSchulze“ (Olaf Scholz) Fehlplanung vor. Da ist die hochverschuldete Elphi, es entsteht kein preiswerter Wohnraum, am Abend ist hier „tote Hose“. Die Hamburger haben deshalb auch gegen die Olympiade in Hamburg gestimmt.

Kleine Hafenrundfahrt

Hamburg und sein Hafen - die gehören zusammen. Eine Menge Leute leben noch heute vom Hafen. Etwa 45.000 Menschen sind dort direkt beschäftigt. Dazu kommen die Reedereien und Speditionen. Weltweit ist Hamburg die Nr. 11 im Containerverkehr. Er ist knapp über 800 Jahre alt. Am 7.Mai 1189 ließ sich Graf Adolf III. von Kaiser Friedrich Barbarossa einen Freibrief geben, Waren ohne Zoll in Hamburg handeln zu können. (Man sagt, der Brief sei gefälscht worden). Der 7. Mai wird jedes Jahr in Hamburg gefeiert. Für die Stadt brachte dieses Recht einen enormen Aufschwung. Inzwischen ist der Hafen so gewachsen, dass er gar nicht so richtig besichtigt werden kann.

Wir steigen am Sporthafen in unser Schiff und bewundern nun bei herrlichem,  sonnigen Sommerwetter auf Deck die Stadt vom Wasser aus, vorbei an Barkassen, Schleppern, Containerriesen, Museumsschiffen , Verladekräne, Kaianlagen, Trockendocks und Containerbrücken. 

Nach einer entspannten Schiffsfahrt nutzen wir die Zeit für einen Bummel auf dem  Jungfernstieg und den Alsterarkaden. Wir genehmigen uns eine Pause mit  Eis, Eisschokolade und Eiskaffee, denn es ist hier an der Binnenalster sommerlich warm. Für Kauflustige, das sind wir ausnahmsweise nicht, ist die Innenstadt ein Paradies. Mehrere Shoppingzentren, riesige Kaufhäuser und Boutiquen befinden sich hier. Vor allem das traditionelle Kaufhaus Alsterhaus, der Neue Wall als Luxusmeile der Hanseaten, die Gänsemarktpassage locken zum Einkaufen. Auf der Poststraße schauen wir nicht nur auf die exklusiven Auslagen in den Schaufenstern, sondern betrachten auch den eindrucksvollen Turm der Alten Post (1847). Die größte Passage ist die Europa Passage, zwischen Binnenalster und Mönckebergstraße. Sie hat 120 Geschäfte auf fünf Etagen. Mit der U-Bahn geht es zurück und es bleibt uns  noch Zeit für den Alten Elbtunnel.

Alter Elbtunnel

Es war eine kleine technische Sensation, als 1911 der Elbtunnel eröffnet wurde. 1975 wurde der neue Elbtunnel gebaut. Damals boomte der Hafen und viele Menschen fanden Arbeit auf den Werften und Lagerschuppen. Das Problem war, wie konnten die vielen Menschen über die Elbe zu ihren Arbeitsplätzen gelangen. So wurde ein fast 500m langer Tunnel tief unter der Elbe im Schlick von einem Ufer zum anderen getrieben. Auch heute wird der Tunnel noch genutzt. Zwei relativ schmale weiß gekachelte Röhren führen auf die andere Seite. Autos schrammen immer haarscharf am Kantstein vorbei und müssen sich mit Fahrradfahrern und Fußgängern die Röhre teilen. Für Fußgänger und Fahrradfahrer gibt es einen Lift, für Autos einen nostalgischen Aufzug.

Landungsbrücken

Unser Hotel liegt hoch über den Landungsbrücken. Sie bestehen aus insgesamt acht Pontons, die miteinander verbunden und 600m lang sind. Die ersten Landungsbrücken entstanden 1838 mit den ersten Dampfschiffen. Da sie Kohle bunkerten und unter Feuer fuhren, stellten sie eine Gefahr für den Hamburger Hafen dar. So entstand weit außerhalb des damaligen Hafens ein neuer Bereich für die Dampfschiffe.

Reeperbahn

Die vierspurige Reeperbahn (Reepschläger war ein Beruf der Seilmacher) misst knapp 900m. Tagsüber kann sie schon mal relativ trübe wirken. Das wahre St. Pauli Feeling kommt erst am Abend auf. Dann blinkt es, lockt es und verführt die vielen Schaulustigen zum Geldausgeben. Parallel zur Reeperbahn befindet sich das Operettenhaus, das „Cats“ und „Mama Mia“ jahrelang aufgeführt hat. Dort gibt es auch das Panoptikum mit dem Wachsfigurenmuseum. An der Ecke steht die Davidwache, Hamburgs kleinstes, aber berühmtestes Polizeirevier. Auf der gegenüberliegenden Seite laden Sexshows, Tabledance  Sex-Flatrate u.a. die in Gruppen herumschlendernden Männer ein. Zwischen dem ganzen Geglitzer liegen junge Obdachlose Männer in ihren Schlafsäcken, oft in Gruppen. Gegenüber der Davidwache befindet sich die Bordellstraße (Herbertstraße). Jugendliche unter 18 und Frauen dürfen hier nicht durchgehen. 

Das Abendessen nehmen wir wieder hanseatisch gediegen (auch vom Preis her) im Hotel ein. Jedes Gericht ist besonders zubereitet und die Aufmerksamkeit und Höflichkeit der Kellner tut richtig gut.

Der wundervolle Sommertag im Oktober in der faszinierenden, aufregenden, lebendigen Hafenstadt Hamburg findet in Willi´s Bierstuben seinen Ausklang.

Dienstag, 17.10.2017
Miniatur Wunderland

Nach dem Frühstück checken wir im Hotel aus. Unser Ziel ist das Miniatur Wunderland. auf der Kehrwieder Straße. Ein herrlicher Kaffeeduft liegt hier in der Luft. Der kommt von der traditionellen Kaffeerösterei an der Kehrwieder. Ins Wunderland zu kommen, ist nicht einfach (wie im Leben!). Wir sollen zwei Stunden warten (zu viele Besucher). Unser findiger Leiter, Konrad Dahlmann, schafft es mit viel Charme, dass wir einen Sonderstatus bekommen und schon sind wir im Wunderland. Hier befindet sich die größte Modelleisenbahn weltweit. Es wurden  in dieser riesigen Anlage thematische Schwerpunkte mit unglaublicher Präzision und Liebe zum Detail geschaffen. Es gibt Themenbereiche Hamburg, Amerika, Schweiz, Skandinavien, Österreich, Harz. Venedig und Monaco entstehen gerade. Von Hamburg sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nachgebildet, so der Michel, die Speicherstadt, die Landungsbrücken, das HSV-Stadion, die Elbphilharmonie. Durch alle Gebiete rollen Züge, wurden Alltagsszenen mit Miniaturautos, -menschen und –gebäuden modelliert. Ein Hochgeschwindigkeitszug rast alle paar Minuten von einem Ende zum anderen und zurück. Man kann Knöpfe drücken, dann bewegt sich irgendetwas, z.B. winzige Delphine, die aus dem Wasser hochspringen. Wenn die Räume nachtdunkel werden, sieht man ein faszinierendes Lichtermeer über Hamburg. Ein unendlich vielfältiges Gemisch von Besuchern bevölkert begeistert die Räume, selbst an einem ganz normalen Dienstag.

Nach diesem wundervollen, Höhepunkt verdächtigen Besuch trennen wir uns, um die Heimreise anzutreten. Ich fahre von Hamburg nach Düsseldorf nur 3 Stunden mit dem Zug.

Es waren drei unvergessliche Tagen. Wir danken Konrad Dahlmann und Monika Dahlmann  ganz herzlich für die kompetente Betreuung während der Reise. Perfekt vorbereitet ermöglichten sie uns wieder ein wunderbares Reiseerlebnis. Der Gruppe vielen Dank für den netten, freundschaftlichen und interessierten Umgang miteinander. Wir freuen uns auf die nächste Reise. 

Lilo Becker, 23.10.2017

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