Exkursionsgruppe besuchte Krefelder Mennonitenkirche und das 'Haus der Seidenkultur'

lehrer nrw-Gruppe in Krefeld

Unter Federführung von Ingrid Langenbach besuchten unsere Senioren am 28.11.2017 in Krefeld die Mennonitenkirche und das 'Haus der Seidenkultur'.

Neben der Erläuterung der Kirche erfuhren unsere Kolleginnen und Kollegen sehr viel über die Mennoniten als Teil der evangelischen Freikirchen im Allgemeinen und speziell auch über die Mennonitengemeinde in Krefeld.

Weitere Informationen erhielten sie über Gründer der Krefelder 
Seidenindustrie, u. a. über die Seidenfabrikanten-Familie Von der Leyen. 

Nach dem Mittagessen führte der Weg durch die Altstadt mit Puppenbrunnen, dem riesigen Bahnhof für diese kleine Stadt und schließlich zur Seiden- und Paramentenproduktionsstätte - dem heutigen Museum "Haus der Seidenkultur".

Konrad Dahlmann

In Mennonitenkirche
Beim leckeren Mittagessen
Beim leckeren Mittagessen
Das riesige Bahnhofsgebäude von Krefeld
Am Puppenbrunnen
Kostbare Paramente
Kostbare Paramente
Kostbare Paramente
Seidenkrawatten und -schals
Beim "Absacker"
 
 

Auf den Spuren der Samt- und Seidenstadt: Die Seidenweber und die Mennoniten - ein ausführlicherer Bericht

Am 28. November 2017 wandelten die lehrer nrw-Senioren auf den Spuren der Mennoniten in Krefeld und erfuhren Details über ihren Einfluss auf die Entwicklung der Siedlung zur Samt- und Seidenstadt. 

Die Teilnehmer trafen sich nach Ankunft in Krefeld in dem netten  „Cafe  In“ und die neue Pensionäre lernten die „alten Hasen“ bei einem Kaffee schon einmal persönlich kennen.

Dann ging es zur Königstr. 132, wo Pfarrer Wiebe schon auf unsere Gruppe wartete. 

In der sehr nüchtern gestalteten sogen. Hofkirche der Mennoniten erläuterte der Pfarrer uns, was es mit den Mennoniten allgemein und im Besonderen in Krefeld auf sich hatte. 

„Mennoniten“ ist eigentlich „die Sammelbezeichnung für Gemeinden, die aus den Täuferbewegungen der Reformationszeit“ nach Zwingli aus der Schweiz und später vom friesischen Menno Simons (ca. 1496-1561), einem Führer der Täufer im „niederländisch-niederdeutschen Raum“  abgeleitet wurde. Diese Bewegung breitete sich vor allem nach der Auflösung des Täuferreiches in Münster nach 1535 in Norddeutschland und den Niederlanden aus. 

Jede mennonitische Gemeinde ist autonom  und entscheidet völlig selbstständig in allen Gemeindefragen wie auch der Gemeindeordnung und –finanzierung. „Es gibt weder ein übergemeindliches Glaubensbekenntnis“ wie bei Katholiken oder Protestanten noch ein „Landeskirchenamt“ oder auch ein Kirchenrecht.

Mennoniten schließen sich aber oft zu Verbänden oder Arbeitsgemeinschaften zusammen, z.B. bei der Neuausgabe eines Gesangbuches.

In Deutschland gibt es etwa 50 Mennonitengemeinden mit etwa 5000 deutschen Mennoniten als Gemeindemitglieder. Diese Gemeinden unterscheiden sich aber auch durch „gewachsene historische Unterschiede“. Während die süddeutschen Gemeinden in früheren Jahrhunderten von Pietismus und Erweckungsbewegungen beeinflusst wurden, haben sich die norddeutschen und niederländischen Gemeinden stärker vom Rationalismus prägen lassen. Solch eine aufgeklärte Gemeinde ist auch die hier in Krefeld. 

In Krefeld gibt es schon seit über 400 Jahren Mennoniten. Die hiesige Gemeinde ist „freikirchlich“, d.h. sie entscheidet  über ihre äußeren und inneren Angelegenheiten völlig selbstständig. Vor allem wird „die innere Freiheit der Mitglieder hochgeschätzt“. Getauft werden Erwachsene, d.h. mit der Religionsmündigkeit  ab 14 Jahren kann sich ein Jugendlicher auf Antrag taufen lassen. Die eigene Entscheidung der Täuflinge ist Voraussetzung für den Empfang der Taufe.

Seit 1607 bildete sich diese Krefelder Gemeinde aufgrund der toleranten Religionspolitik der Oranier, und es kamen viele Mennoniten in die Stadt. Mennonitische Familien und Gruppen aus anderen Gegenden, aus denen sie vertrieben wurden, fanden hier wieder einen Platz. Auch nach den beiden Weltkriegen im 20. Jhd. kamen mennonitsche, vertriebene Auswanderer aus anderen Gebieten nach Krefeld und schlossen sich zunächst der hiesigen Mennonitengemeinde an.  

Die Mennoniten erhielten 1678 die Bürgerrechte in Krefeld, weil sie infolge ihrer aufstrebenden Seidenfabriken ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Bedeutung Krefelds wurden. Somit wuchs die Gemeinde immer mehr. 

Ab 1691 wurde die erste mennonitische Kirche gebaut. Seit dem 17. Jhd. gibt es auch die besondere Tradition der großzügigen Wohltätigkeit für die Allgemeinheit, z. B. die Stiftungen der von der Leyen, die ja später auch federführend beim Aufbau der Seidenindustrie seit dem 18. Jahrhundert waren und ebenso wie bei den Familien Scheuten und de Greiff, wobei immer ein enger Bezug zu den niederländischen Mennoniten vorhanden war.
Das Abendmahl wurde auch für andere Konfessionen geöffnet, sodass sehr früh im 18. Jhd. eine „ökumenische Bewegung“ entstand.

Einen weiteren Zuwachs an Mennoniten bekam die Stadt durch die vielen Spätaussiedler in den 1970er Jahren aus der Sowjetunion, die allerdings, wegen ihrer konservativen Einstellungen und oft fundamentalistisch geprägten Gesinnung, sich nicht in die durch Rationalismus und Aufklärung geprägte ursprüngliche Krefelder Gemeinde integrierten, sondern organisatorisch selbstständig blieben. 

Da es in Deutschland keine Mennonitische Universität – wie etwa in den USA - gibt, absolvierte Pfarrer Wiebe ein Studium an einer evangelischen theologischen Fakultät in Deutschland und arbeitete dann zunächst als Kaplan an einer freikirchlichen Gemeinde, bevor er dann an der Krefelder Mennonitenkirche zum Pfarrer gewählt  wurde.

Nach diesen intensiven Erläuterungen und vielen Fragen der Teilnehmer entließ uns Pfarrer Wiebe nach etwa 1 1/2 Stunden zu dem nicht weit entfernten  Restaurant Wienges mit Brauereiausschank.

Ein deftiges Mittagsmahl mit einem Krefelder Wienges Alt und einem anschließenden Kaffee machte uns wieder aufnahmefähig und wissensdurstig.

Herr Brenner, Pressesprecher des Hauses der Seidenkultur begrüßte uns im Lokal. Er nahm uns mit zu einem kleinen Stadtrundgang „Auf den Spuren der Seidenindustrie“. Dort erhielten wir einen Einblick in die Krefelder Besonderheiten. Am Puppenbrunnen mit beweglichen Figuren, ähnlich dem Aachener Puppenbrunnen, ging es zum Denkmal des Seidenverkäufers, „Meister Ponzelaer“  genannt. Auf dem Sockel sind Bilder angebracht, die das Denkmal um 1920 und 2007 zeigen. Auf der Platte im Sockel ist eine typische Weberstube als Relief dargestellt. 

Dann liefen wir Richtung Bahnhof, der aufgrund seiner breiten Ausdehnung eigentlich der Hauptbahnhof einer Großstadt sein könnte und hier, wegen des damaligen Reichtums der Seidenstadt, solche Ausmaße erhielt, um nach außen den Reichtum zu zeigen.

Auf unserem weiteren Weg näherten wir uns dem Gebäude der Seidenkultur, einem heutigen Museum mit alten Webstühlen. Hier war einst eine ehemalige Paramentenweberei mit einem authentischen Websaal mit hölzernen Jacquardhandwebstühlen, an denen uns zwei Mitarbeiter vorführten, wie aus einem Seidenfaden ein Priestergewand (Parament) entsteht. Schritt für Schritt sahen wir, wie ein Jacquardmuster auf den alten Webstühlen entsteht.

Im technischen Atelier bekamen wir das Berufsbild des Musterzeichners, Patroneurs und Kartenschlägers erklärt. Einzelne Teilnehmer kauften sich anschließend Schals und andere gewebte seidene Kleinigkeiten.

Die Exkursion beschlossen einige von uns in einem Café, andere traten schon den Heimweg an, der sie zurück in die verschiedenen Richtungen in NRW bringen sollte.

Ein ganz herzlicher Dank gebührt für die Vorbereitung zu dieser Veranstaltung Kollegin Ingrid Langenbach. 

KD