Jüdisches Gemeindeleben von 321 – 2017: Besuch der Synagoge in Köln

Am 7. Dezember 2017 besuchten 33 lehrer nrw-Senioren die Synagoge in Köln. 

Nach der Sicherheitskontrolle, wie üblich beim Zugang zu einer Synagoge, steuerten wir auf das koschere Restaurant zu. Die Auswahl von koscheren Gerichten hatten wir schon anhand der von Ingrid Langenbach zugeschickten Menukarte mit seiner vielfältigen und international geprägten Speisekarte vorher durchgeführt, sodass sofort am großen Tisch gemeinsam getafelt werden konnte.

Eine Reihe neuer pensionierter Kolleginnen und Kollegen war neugierig auf die besondere Art unserer Treffen und ebenso auf die Art des „koscheren“ Essens, dessen Vorbereitung und die „Umstände“ in einem Haus der Synagoge.

Nach diesem kulinarischen Erlebnis begann die Führung in der Synagoge, in der uns die Historie der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen und das heutige Gemeindeleben anschaulichst erläutert wurde.

Im Gemeindehaus befindet sich neben der großen Synagoge im oberen Stockwerk auch das religiöse und kulturelle Zentrum der Kölner jüdischen Gemeinde, das Rabbinat, der Gemeindesaal, das Jugendzentrum, eine Krabbelgruppe und die Mikwe, das rituelle Tauchbad, sowie ein kleines Museum, das über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Köln informiert.

Bevor wir in die Synagoge durften, mussten alle männlichen Teilnehmer eine Kopfbedeckung aussuchen, die meisten nahmen eine bereit liegende Kippa, einige hatten ihre eigenen Mützen dabei.

Diese „liberale Synagoge wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts im neo-romanischen Stil erbaut. Eingeweiht wurde das damals neue Gotteshaus, das 1.400 Menschen Platz bot, am 22. März 1899.

In der Reichspogromnacht brannte auch diese Synagoge aus. 1957 – zwölf Jahre nach Neugründung der Gemeinde im April 1945 – beauftragte die Gemeinde den Architekten Helmut Goldschmidt mit dem Wiederaufbau. An der feierlichen Einweihung am 20. September 1959 nahm auch Bundeskanzler Adenauer, der frühere Oberbürgermeister von Köln, teil.“ 

Herr Günther erläuterte zunächst die Architektur der Synagoge. Das Gebäude hier hat zwei Türme, welche an die beiden Säulen des Jerusalemer Tempels  erinnern sollen. Es gibt keine Glocken in den Türmen, die zum Gottesdienst rufen. 

Die Synagoge ist ein Ort der Versammlung für Beten, Feiern, Lernen und auch zum Diskutieren. Jeden Morgen, jeden Mittag und an jedem Abend findet ein „Gottesdienst“ statt, wenn mindestens 10 erwachsene Männer anwesend sind. Frauen dürfen sich nur auf den Emporen aufhalten.

Die Männer tragen beim Gottesdienst ihre Kippa als ein Zeichen der Ehrfurcht vor Gott. Außerdem legen sie einen weißen Umhang (den Gebetsmantel) um und binden sich „Gebetsriemen“ in besonderer Weise um die Arme. Der Fremdenführer zeigte uns genau, wie diese Riemen mit den kleinen Fäden an den Armen mit 7 Umdrehungen zu binden sind. Die Zahl 7 ist bei den Juden auch eine heilige Zahl. Frauen tragen meistens eine Perücke während des Gottesdienstes.

Im Gottesdienst werden hebräische Texte aus einem Gebetbuch vorgelesen oder auch gesungen: es sind Texte aus der Tora, Psalmen und Sprüche. Es gibt auch ein Glaubensbekenntnis, das das wichtigste Gebet während des Gottesdienstes ist. 

In einer Synagoge vermisst der Besucher die Orgel. Sie wird nicht benötigt, da es keine „Kirchenlieder“ gibt.

Orthodoxe Juden sind an ihrem Aussehen leicht zu erkennen: ein schwarzer Anzug, oft kombiniert mit einem langen schwarzen Mantel, und ein schwarzer großer Hut Außerdem tragen sie lange Schläfenlocken und Bärte.

Ein Jugendlicher wird mit 13 Jahren in die Gemeinde öffentlich aufgenommen, dann darf er zum ersten Mal aus der Tora vorlesen und muss die Religionsgesetz der Tora beachten. Diese Feierlichkeit heißt Bar Mizwa.

Auch für Mädchen gibt es ab 13 Jahren die Bath Mizwa, wodurch ihre Religionsmündigkeit erklärt wird.

Der Grundriss dieser Synagoge ist eine Kreuzform, in dem sich ein Toraschrein im vorderen Teil befindet, in ihm wird die Torarolle, das heilige Buch für den Gottesdienst, aufbewahrt. Davor befindet sich mittig die Bima, das Lesepult.
In dieser Synagoge sind links und rechts von der Bima zwei riesige siebenarmige Leuchter (Menoras) mit jeweils 6 Kerzen und einem sechseckigen Stern als Krönung oben in der Mitte aufgestellt. Die Gottesdienste dauern ca. 3 Stunden, es gibt kein Orgelspiel. Die oben genannten Gesänge sind normalerweise von Kantoren gesungene Psalmen.

In den Seitenschiffen sind nach dem Kriege moderne Fenster eingebaut worden mit Darstellungen aus der Tora. So ist z. B. im rechten Fenster in der Mitte eine Taube zu sehen, die aus der Geschichte der Arche Noah stammt, als Noah, die Taube fliegen ließ, um zu kontrollieren, ob das Wasser auf Erden wieder gefallen sei. Sie kam nicht zurück, woraus Noah schloss, dass das Wasser nicht mehr da war.

Hier in Köln sind viele russlandstämmige Juden, die kein Wort deutsch sprechen und ihre Gottesdienste nicht auf hebräisch, sondern auf Russisch abhalten.

Im Anschluss an den Besuch der Synagoge machten sich die meisten Teilnehmer selbstständig in kleineren Gruppen auf zu Besuchen der zwei benachbarten Weihnachtsmärkten, welche die schönsten in der Stadt Köln sein sollen. Andere  begaben sich per U-Bahn in die Innenstadt, um dort Weihnachtsmärkte auf dem Neumarkt, dem alten Markt oder am Dom zu besuchen.

Nach dem Synagogenbesuch verbreiteten die Märkte im Dämmerlicht eine schöne Stimmung.

Einige Kolleginnen und Kollegen gingen auch noch zum Gedankenaustausch, um  über die Erlebnisse des heutigen Nachmittags sprechen zu können, in die bekannten Kölner Cafes an der Schildergasse oder auch in den Dom. Manch einen führte der Weg außerdem in christliche Kirchen im Zentrum, bevor der Heimweg angetreten wurde.

KD