Fröndenberg: Kettenschmiedemuseum und Stadtrundgang

Fröndenberg-Besuchergruppe an der Kette
Fröndenberg - Das Kettenschmiedemuseum
Fröndenberg - geschmiedetes Kettenglied
Fröndenberg - Beim Mittagessen

Am 19. Juni 2018 trafen sich 19 Seniorinnen und Senioren des Verbandes in Fröndenberg. Diese Gemeinde kann auf eine etwa 800-jährige Geschichte zurückblicken und darf sich seit 1952 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters hin Stadt nennen.

Der Vormittag war dem Besuch des Kettenschmiedemuseums gewidmet, einziges Museum seiner Art auf dem europäischen Kontinent, das exklusiv für die Senioren von lehrernrw geöffnet und das Schmiedefeuer angeheizt hatte. Ein einführendes Video half die Herstellung einer Kette zu verstehen, die uns nun an den funktionsfähigen Maschinen und am Schmiedefeuer vorgeführt wurde.

Die Kettenglieder werden je nach späterer Bestimmung aus Drähten oder Stahlstäben hergestellt. Besonders beeindruckend war die Herstellung einer dicken geschmiedeten Kette. Zunächst wurden maschinell aus einem Stahlstab „Pinne“ gleicher Länge geschnitten und anschließend unter großer Lärmentwicklung auf einer Maschine zu einem offenen U gebogen. Im Schmiedefeuer wurden die U-förmig gebogenen Pinne auf ca. 1300 Grad erhitzt und mit dem Fallhammer an beiden Enden flach geschlagen. Anschließend wurde das U durch ein bereits fertiges Kettenglied gesteckt und die flachen Enden wurden auf dem Amboss übereinander geschlagen, erneut erhitzt und anschließend unter dem Gesenkfallhammer in die gewünschte Form gebracht. All dies geschah unter großer Lärment-wicklung und konnte von der Gruppe -vor Funkenflug durch einen durchsichtigen Vorhang geschützt- hautnah miterlebt werden. Anschließend wurden uns die unterschiedlichsten Kettenarten z.B. für Zaumzeug oder Gerüstbau erläutert und auch ihre Herstellung an den funktionsfähigen Maschinen demonstriert. Diese feineren Ketten wurden überwiegend von Frauen gefertigt, die in der Kettenin-dustrie einen ordentlich bezahlten, aber auch nicht sehr angenehmen Arbeitsplatz fanden.

Nach der Mittagspause beim Italiener holte uns der Vertreter des Stadtarchivars zu einem Rundgang ab, für den etwa eine Stunde eingeplant war, aber wegen des großen Interesses der Gruppe erst nach über zwei Stunden endete.

Durch die Zerstörung der ca. 40 km entfernten Möhnetalsperre am 17.5.1943 erreichte eine Flutwel-le die Stadt, die alle Ruhrbrücken im Ortsbereich und etliche Häuser zerstörte. Eine Pegelmarke in-mitten der Stadt erinnert an die Katastrophe. Besonders beeindruckend ist, dass man sich hier fernab der Ruhr befindet und sich kein Wasser erahnen lässt.

Bergauf führte uns der Weg zur evangelischen Stiftskirche, die aber auch von der katholischen Ge-meinde mitbenutzt wird. Auch das ehemalige Stiftsgebäude wurde von beiden Konfessionen gemein-sam genutzt, bis die Pfarrämter in Neubauten verlegt wurden. Die teils romanische, teils frühgotische Kirche wurde vermutlich im Jahr 1230 als Klosterkirche eines Zisterzienserinnenklosters gebaut. Nach etwa 200 Jahren wurden die Klosterregeln allmählich aufgegeben und das Kloster wurde als Stift weitergeführt zu einer Versorgungsstätte für Töchter des südwestfälischen Hochadels. Diese Damen bauten auf dem ehemaligen Klostergelände teilweise eigene Häuser. Besonders beeindruckend ist das Boeselagerhaus aus dem Jahr 1783, das über Teilen des Kreuzganges des ehemaligen Klosters errichtet wurde. Das Innere der Kirche birgt zwei Schätze, einen Marienaltar, der um 1400 entstan-den ist und Konrad von Soest zugeschrieben wird und das gotisch gehaltene Hochgrab des Eberhard II. von der Mark (gestorben 1308) und seiner Frau Irmgard von Berg (gestorben 1293). Auch einige andere Grafen von der Mark und mehrere Äbtissinnen fanden in dieser Kirche ihre letzte Ruhestätte.

Im Heimatmuseum der Stadt Fröndenberg, das im Obergeschoss des ehemaligen Stiftsgebäudes un-tergebracht ist, endete ein erlebnisreicher Tag.

Klaus Köller

Fröndenberg - Kettenreste
Fröndenberg - In der Stiftskirche