Herbst-Kurzreise nach Bingen, Mainz und Rüdesheim

Auf Burg Rheinfels bei St. Goar
Auf Burg Rheinfels bei St. Goar
Auf dem 50. Breitenkreis nördl. Breite in Mainz
Auf dem 50. Breitenkreis nördl. Breite in Mainz
Chagall-Fenster in St. Stephanus, Mainz
Chagall-Fenster in St. Stephanus, Mainz
Blick zum Niederwalddenkmal
Blick zum Niederwalddenkmal

Vom 21. bis 23. Oktober 2018 haben unsere Senioren eine Fahrt an den Rhein unternommen mit dem Standort Bingen. Von hier aus sind sie am ersten Reisetag mit einem Rheindampfer nach St. Goar gefahren.

Bei Sonnenschein glitten wir mit unserem Schiff von unserem Anleger in der Nähe des NH-Hotels aus an vielen Burgen und Felsen, die bei dem Niedrigwasserstand hoch heraus ragten, vorbei bis St. Goar. Dort besuchten wir die Burg Rheinfels und genossen bei herrlichster Aussicht auf das Mittelrheintal ein leckeres Mittagessen!

Am zweiten Reisetag stand ein Besuch in der Stadt Mainz auf dem Programm. Hier nahmen wir u. a. am 50. Breitenkreis Aufstellung für eine Gruppenaufnahme und erlebten eine wunderbare Führung durch die Altstadt und den Dom sowie die barocke Augustinerkirche.

Nach dem Essen auf dem „Stadtbalkon“ gingen wir zu St. Stephanus. Dort erläuterte uns mit viel Herzblut ein Führer die interessante Geschichte der Chagall-Fenster von der Planung bis hin zu ihrer Verwirklichung und ihre Bedeutung über den Tod Chagalls hinaus.

Am dritten und letzten Tag unserer Reise haben wir sehr viel über den kleinen Ort Rüdesheim mit seinen 2000 Einwohnern erfahren. Es war schon interessant, morgens mit der kleinen Personenfähre weit unten, fast auf dem Grund des Rheins, die 1,5 Kilometer lange Strecke bis Rüdesheim durch die schmale Fahrrinne zu fahren. Dort war wegen des äußerst niedrigen Wasserstandes nur ein Not-Anleger zu benutzen.
Unsere Reiseführerin leitet uns in Rüdesheim durch nette Gassen an der Altenburg und anderen alten Gebäuden vorbei. Es ging bergauf und bergab durch den schönen Ort.

Jetzt im Herbst, vor allem morgens um diese frühe Zeit 10:00 Uhr, war natürlich nicht solch ein Betrieb in Rüdesheim, wie er normalerweise im Sommer dort herrscht. Denn es ist immerhin der Ort mit der zweithöchsten Besucherzahl nach dem Kölner Dom in Deutschland.

Wir haben in den letzten Tagen mehrfach die Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz überschritten. Heute auch wieder, denn Rüdesheim gehört zu Hessen.
Nachdem wir viel über die Geschichte der Stadt erfahren hatten, fuhren wir mit den Schwebebahngondeln auf den Niederwald hinauf. Wir schwebten über die farbigen Weinhänge von Rüdesheim und erreichten die Höhe, auf der das sogenannte Niederwalddenkmal mit der großen Figur Germania steht. Die ganze Anlage wurde zum Andenken an die Beendigung des deutsch-französischen Krieges und des nachfolgend neu entstandenen deutschen Kaiserreichs erbaut.

Einige unserer Teilnehmer gingen mit der Führerin auf dem Rückweg querfeldein über die Weinberge zurück nach Rüdesheim. Dort nahmen wir ein opulentes Mal ein im Restaurant Rüdesheimer Schloss. Dort mussten natürlich einige Teilnehmer auch den typischen Rüdesheimer Kaffee probieren (ähnlich dem Pharisäer in Norddeutschland).

Dann ging es wieder zurück mit der kleinen Personenfähre zu unserem Ausgangspunkt. Einige ließen es sich nicht nehmen die einmalige Chance zu nutzen, zum Binger Mäuseturm zu Fuß zu gehen. Denn bei dem derzeitigen Niedrigwasser ist es möglich, auf diese Insel zu gehen ohne sich die Füße nass zu machen. Dabei kam uns immer wieder das Lied „Ich hab´ den alten Vater Rhein in seinem Bett gesehen“ in den Kopf. Aber so richtig konnten wir das nicht nachvollziehen, weil wir vor allem ganz viele Kieselsteine und kein schönes Flussbett sahen.

Andere Teilnehmer nutzten die Zeit, um  in einem benachbarten Weingut für den Winter Wein aus dieser Gegend zu kaufen.

Der größte Teil der Gruppe verabschiedete sich hier und fuhr Richtung Nordrhein-Westfalen. Eine kleinere Gruppe ist sogar noch über Nacht geblieben und hatte einen schönen letzten gemeinsamen Abend: in einem der schönsten Lokale in Bingen, dem Weinkeller.

Konrad Dahlmann

In Rüdesheim
In Rüdesheim
Unsere Reisegruppe vor dem Niederwalddenkmal
Unsere Reisegruppe vor dem Niederwalddenkmal
Trockenen Fußes zum Mäuseturm
Trockenen Fußes zum Mäuseturm
Auch die Pfalz bei Kaub steht im Trockenen
Auch die Pfalz bei Kaub steht im Trockenen

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Herbstfahrt nach Bingen

Unsere lehrer nrw-Reisegruppe am Fuß des  Niederwalddenkmals
Unsere lehrer nrw-Reisegruppe am Fuß des Niederwalddenkmals

lehrer nrw-Senioren am Binger Loch

Der Rhein zwischen Bingen und St. Goar
Die kleine aber großartige Herbstfahrt vom 21.10. bis 23.10.2018 geht an den Mittelrhein, in die Stadt Bingen. Eingeladen hat Konrad Dahlmann, Vorsitzender des Seniorenausschusses des Verbandes. Der Einladung folgen 23 Lehrerinnen und Lehrer.

Sonntag 21.10.2018
Schifffahrt nach St. Goar
Nach individueller Anreise treffen wir uns unverzüglich am Anlegeplatz für das Fahrgastschiff nach St. Goar. Die vorgesehene Nachmittagsfahrt kann wegen Niedrigwasser nicht angetreten werden. Deshalb fehlen auch 4 Teilnehmerinnen. An Deck stehend wir eisern im kalten frischen Rheinwind. Einige Chinesen oder Japaner schützen sich mit Mundschutz vermutlich vor allem, was auf dem Schiff sich bewegt! Unser Schiff muss die vielen, neuentstandenen Inseln umschiffen. Wir sehen die Nahemündung oder besser das, was von ihr noch übriggeblieben ist, am Ufer liegt Bingerbrück. Auf der Rheininsel am Binger Loch erhebt sich der zierliche Mäuseturm.

Der Mäuseturm
Er entstand im 13.Jh. als Spähturm für die Burg Ehrenfels. Dieser Funktion verdankt das Bauwerk seinen Namen: mausen = Ausschau halten. Die Sage allerdings weiß eine andere Deutung. Der hartherzige Bischoff Hatto (16.Jh.) ließ in einer schweren Hungersnot seine Untertanen verhungern. Er soll wegen seiner Unbarmherzigkeit trotz Flucht auf den Turm von Mäusen aufgefressen worden sein.
Den von Schweden und Franzosen teilweise zerstörten Turm, ließ der Romantiker Friedrich Wilhelm von Preußen in neugotischem Stil wieder errichten (1855). Von da ab diente er bis 1974 der Rheinschifffahrt als Signalstation. Bei dem extremen Niedrigwasser kann man zum ersten Mal seit 130 Jahren zu Fuß zum Turm laufen. Wir sehen vom Schiff aus Scharen von Besuchern dorthin pilgern.

Burg Ehrenfels
Die Ruine inmitten der Weinberge oberhalb des Mäuseturms bildete den Restbestand der Burg Ehrenfels. Um 1215 wurde sie als Zollburg erbaut und kam in den Besitz der Erzbischöfe von Mainz. Zusammen mit dem Mäuseturm und der Burg Klopp in Bingen bildeten sie einen starken Sperrriegel gegen Angriffe. Seit der Zerstörung durch die Franzosen 1689 blieb die Burg eine Ruine.

Assmannshausen
Das romantische Rotweindorf Assmannshausen (1108) gehört heute zu Rüdesheim. Hier wächst auf bläulichem Taunusschiefer einer der besten Spätburgunder.

Rheinstein
Gegenüber von Assmannshausen erhebt sich auf einer Felsnase die zinnengekrönte Burg Rheinstein.  Sie wurde 900 als Zollburg erbaut. Bedeutendstes Ereignis war die Anwesenheit von Rudolf von Habsburg (1282), der hier gegen die Ritter von Reichenstein zu Gericht saß. Im 17.Jh. war die Burg eine Ruine. Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen kaufte sie1825 und ließ sie wieder aufbauen.

Klemenskapelle
Hinter Burg Reichenstein sehen wir  die Klemenskapelle (13.Jh.), eine der ältesten Kirchen am Rhein.

Burg Reichenstein
Gegenüber erhebt sich auf dem Felsgrat eine der ältesten Burgen, die Reichenstein (11.Jh.) 1282 ließ Rudolf von Habsburg die Raubritterburg zerstören und die Raubritter bei der Klemenskapelle enthaupten.
Ebenso wie Reichenstein gehört die benachbarte Burg Sooneck zu den Raubnestern, die im 13.Jh. zweimal zerstört wurde. Im 19.Jh. ließ sie Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen im Stil der Romantik wieder aufbauen.

Burg Fürstenberg, Weinstadt Lorch
Die Burg Fürstenberg über Rheindiebach ließ der Erzbischof von Köln zum Schutz seines Besitzes und seines Zollrechts um 1220 erbauen. Seit 1689 ist sie Ruine. Gegenüber an der Mündung der Wisper liegt die Weinstadt Lorch.

Burg Stahleck, Bacharach
Auf Burg Stahleck residierte seit dem 12.Jh. der Pfalzgraf Stahleck.
Zusammen mit Burg Stahleck gelangte Bacharach im 11. Jh. in den Besitz der Pfalzgrafen. Der bedeutende Holz- und Weinhandel machte Bacharach neben Kaub zum einträglichsten Ort der Pfalz. Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, machten französische Truppen die Burg 1689 zur Ruine.

Kaub
Kaub mit der Pfalz und Burg Gutenfels, wird bereits im Jahr 983 erwähnt. Eine Sternstunde der Geschichte erlebte Kaub in der Neujahrsnacht 1813/1814: Auf der Verfolgung des Franzosenkaisers Napoleon setzte der preußische Feldmarschall Blücher mit Hilfe von Schiffen aus Kaub und St. Goarshausen über den Rhein und marschierte, nachdem ein Brückenkopf gebildet war, mit dem Rest seines Heeres von 100.000 Mann hier über eine schnell erbaute Pontonbrücke ans andere Ufer und schlug erfolgreich Napoleon in die Flucht. Das Blücherdenkmal am Ufer symbolisiert den Hinauswurf Napoleons aus Deutschland. Im Hintergrund der Pfalz bei Kaub wird die Burg Gutenfels sichtbar, die um 1200 erbaut wurde. In Sichtweite von Kaub befindet sich das Städtchen Oberwesel, Stadt der Türme und des Weins genannt.

Burg Schönburg
Hoch über dem Ort wacht die imposante tausendjährige Schönburg. Zeitweise im Besitz des Grafen von Stahleck übergab er sie Friedrich I. Barbarossa (1166). (Später wieder Familie von Schönbeck). Der Rheinzoll von Oberwesel machte die Schönbecks zu den reichsten und mächtigsten Familien in diesem Gebiet.

Die Loreley
Wahrzeichen der Rheinromantik ist auch heute noch der mächtige Schieferfelsen zwischen Kaub und St. Goarshausen, genannt Loreley. Unterhalb drängt sich der Strom zu seiner schmalsten und tiefsten Stelle zusammen. Felsklippen und Strudel machten die Vorbeifahrt für Schiffe und Flöße noch bis ins 19.Jh. hinein zu einem gewagten Abenteuer, und die Schiffsmannschaft wurde zuvor durch drei Glockenschläge zum Gebet aufgefordert. Kein Wunder, dass sich um ihn eine Vielzahl von Sagen wob. Die berühmteste ist die von der Zauberin Loreley, die durch ihre außerirdische Schönheit und ihren zauberhaften Gesang die Herzen der Schiffer betörte. Sie schauten hinauf zu der anmutigen Jungfrau, kippelten und versanken im Strudel. Natürlich singen wir leise mit, als auf dem Schiff das in aller Welt bekannte Loreley-Lied von Heinrich Heine, vertont von Silcher, ertönt.

St. Goar
St. Goar ist unser Ziel, das wir trotz extremem Niedrigwasser per Schiff erreichen. Die Stadt verdankt ihren Namen dem heiligen Goar, der am Platz der heutigen Stiftskirche als Einsiedler lebte. Aus der Zelle des Heiligen entwickelte sich vor 765 eines der ältesten Klöster Deutschlands. Als Festungsstadt wurde der Ort des Öfteren in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, so bei den erfolglosen Belagerungen um 1200 sowie mehrfach im Dreißigjährigen Krieg und im Siebenjährigen Krieg.

Burg Rheinfels
Der Fußweg zur Burg von St. Goar aus ist steil und bietet faszinierende Ausblicke auf das Rheintal. Einige wagen den Aufstieg, die anderen fahren mit dem Taxi nach oben.
Ab 1245 entstand  die Kernburg unter Graf Dieter V. von Katzenelnbogen. Bereits zehn Jahre später bestand sie ihre erste Bewährungsprobe. Wegen Erhöhung des Rheinzolls zogen 9.000 Bewaffnete vor die Burg. Nach 40 abgewiesenen Stürmen und einem Jahr Belagerung, mussten sie wieder abziehen. Unter dem Grafen von Katzenelnbogen wurde die Rheinfels ein Zentrum wirtschaftlicher Macht und kulturellen Lebens. Nach Aussterben der mächtigen Grafenfamilie, gelangte 1479 die Landgrafen von Hessen in den Besitz der Rheinfels und bauten sie aus. 1758 geriet die Rheinfels erstmals in feindliche Hände, als ein schwacher Kommandant trotz guter Ausrüstung die Rheinfels an schlecht ausgerüstete Franzosen kampflos übergab. Er wurde später zum Tode verurteilt. 1797 sprengten die Franzosen die Burg. Die Steine wurden als Steinbruch zum Wiederaufbau der Burg Ehrenbreitstein bei Koblenz benutzt. Der Prinz von Preußen kaufte 1843 die ehemalige Burg und verhinderte dadurch ihren endgültigen Verfall.
So können wir heute auf der Burg Ehrenfels ein regionales leckeres Mittagessen einnehmen.  Der Rückweg zum Bahnhof führt uns durch enge Gässchen mit schmucken Fachwerkhäusern.
Die geballte Anzahl von  Burgen am Rhein hat uns fasziniert und ein erhabenes Gefühl bleibt. Zum Abendessen suchen wir Weinlokale mit regionaler Küche auf.

Montag 22.10.2018
Mainz
Unser komfortables Hotel „nh- Bingen“ liegt direkt an der Rheinpromenade, dort, wo die Nahe in den Rhein fließt.
Nach einer Nacht mit regem Zugverkehr vor unseren Fenstern, stärken wir uns an dem reichhaltigen Frühstücks-Buffet.
Im Anschluss daran marschieren wir über die Nahebrücke zum Bahnhof und nehmen den Zug nach Mainz. Dort treffen wir die Gästeführerin auf dem Marktplatz in Dom Nähe..
Zunächst bringt sie uns die Geschichte der Stadt nahe. Schon vor der Zeitenwende befand sich hier eine Legionsfestung der Römer. Sie war Hauptort der Römer im oberen Germanien. Durch Bischof Bonifatius bekam Mainz eine überragende Bedeutung für die Christianisierung im 8.Jh.. Unter seiner Nachfolge wurde Mainz zum Erzbistum erhoben und erhielt als einzige Stadt neben Rom den Beinamen Heiliger Stuhl. In der Folgezeit gewannen die Erzbischöfe die Titel Erzkanzler (965) und den Vorsitz des Kurfürstenkollegs (1257). 7 Königskrönungen fanden im 11. und 12. Jh. im Dom statt. Bis 1792 blieb Mainz Residenz von Kurmainz. Als 1792 der Kurfürst vor den französischen Revolutionstruppen floh, wurde Kurmainz Republik und verlor den Erzbischofssitz. 1814 kam Mainz an Hessen und wurde 1950 zur Hauptstadt von Rheinland-Pfalz gekürt. Heute hat Mainz 215.110 Einwohner.

Dom St. Martin
Wir stehen auf dem Marktplatz und blicken auf das geschichtsträchtige Bauwerk, den Dom zu Mainz, im Herzen der Mainzer Altstadt. Er prägt das Stadtbild in besonderem Maße und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. „Dieser Dom über der Rheineben wäre mir in all seiner Macht und Größe im Gedächtnis geblieben, wenn ich ihn auch nie wieder gesehen hätte“ (Anna Seghers). Der Dom Bau durchlief mehrere Phasen der Zerstörung und Wiederherstellung. Der Hohe Dom St. Martin zu Mainz ist die Kathedrale (Bischofskirche) der römisch katholischen Diözese Mainz und steht unter dem Patrozinium des heiligen Martin von Tours. Der zu den Kaiserdomen zählende Bau ist in seiner heutigen Form eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit einem West- und Ostchor, die in ihren Kapellenanbauten sowohl romanische gotische und barocke Elemente aufweist.

Der Heilige Dom zu Mainz wurde unter Erzbischof Willigis (975-1011) begonnen. 1009 zerstörte ein Brand das Bauwerk und der Dom konnte erst 1036 erneut genutzt werden. Willigis wurde deshalb in St. Stephan begraben.
Weite Plätze im Außenbezirk und die Bürgerhäuser am Gotteshaus unterstreichen noch seine monumentale Wucht. Die Anlage ist nach dem alten St. Peters- Dom in Rom mit zwei Querhäusern versehen. Das im Laufe der Jahrhunderte gewachsenen „Domgebirge“ aus gefärbtem roten Sandstein bildet einen Kontrast zu der im hellen Stein gehaltenen Gotthard-Kapelle, die Bischof Adalbert 1137 als Hauskapelle errichten ließ.
Beim Betreten des Doms  bewundern wir das älteste Ausstattungsstück der romanischen Pfeilerbasilika (Willigistür): die bronzenen Türflügel des Marktportals. Die Inschrift dieses Portals weist auf den Erbauer und Künstler hin. Diese zweiflüglige Bronzetür (um 1000) wurde vom Bronzegießer Berenger geschaffen. Auffallend sind zwei Säulen, eine rot, die andere schwarz.
Säulen aus mächtigen Kalksteinquadern trennen das 109 m lange Gotteshaus in drei Schiffe, zwei Chöre und zahlreiche Kapellenanbauten. Der Westchor mit dem Hauptaltar ist St. Martin, der Ostchor St. Stephan geweiht.
Siebenmal hatte der Dom im Laufe der Jahrhunderte gebrannt und die Angst vor Feuer war groß. Nach einem Blitzschlag erhielt der westliche Vierungsturm 1767 von Michael Neumann, Sohn des berühmten Baltasar Neumann, eine neue Turmspitze. Gebaut wurde aus Stein und nicht wie früher aus Holz. Der Ostchor mit seinen zwei Meter dicken Mauern ist der älteste Teil des Doms. Einen besonderen Schmuck stellen die Kapitelle des Liebfrauenportals dar, von lombardischen Steinmetzen um 1100 geschaffen. Der Spätromanische Westchor entstand zwischen 1200 und 1239. Sein Vierungsturm enthielt eine gotische Glockenstube. Bischof Ludwig Colmar konnte Napoleon davon überzeugen, den Dom nach der Säkularisierung 1803 nicht einzureißen und das wertvolle geschnitzte Rokoko-Chorgestühl nicht auszuverkaufen.
Aufwändige Sanierungsarbeiten 1924 bis 1928 sicherten das instabile Fundament (Wasserschäden) durch Betonfundamente. Vorher standen die Türme auf Eichenfundamenten.
Im August 1942 wurde der Dom bei Luftangriffen durch mehrere Treffer stark beschädigt.
Der Dom enthält den wohl vollständigsten Bestand an Grabdenkmälern und Plastiken aus dem 11. Bis 20. Jh. Viele Grabdenkmäler sind an Pfeilern und Wänden der Kirche und des Kreuzganges angebracht und oft idealisiert dargestellt. Seit 1928 werden die Bischöfe in der neuen Krypta unter dem neuen Westchor bestattet.

Die Stadt
Auf dem Markt vor dem Dom betrachten wir den Renaissance-Brunnen von 1526 mit seinem Formenreichtum und seiner Farbenpracht. In der Nähe befindet sich das Weltmuseum der Druckkunst mit der Nachbildung der Werkstadt Gutenbergs. Die Gästeführerin führt uns durch reizvolle Altstadtgassen. Gassen mit blauen Straßenschildern laufen parallel zum Rhein, Gassen mit roten Straßenschildern laufen rechtwinklig zum Rhein. Die Gassen sind eingerahmt von malerischen Fachwerkhäusern und barocken Adelspalästen. Wir gelangen zur Augustinerkirche.

Augustinerkirche
Die Augustinerkirche inmitten der Altstadt blieb im 2. Weltkrieg nahezu unversehrt und bietet eine prachtvolle Rokoko- Ausschmückung. Hier war der Bettelorden ansässig. Die Saalkirche wurde 1768 bis 1772 neu erbaut. Seit 1805 befindet sich hier das Bischöfliche Priesterseminar St. Bonifatius. In einer Nische sieht man die Lindenholzfigur: Maria mit dem spielenden Jesusknaben. Das hochverehrte Gnadenbild wurde 1793 aus der brennenden Liebfrauenkirche (früher hinter dem Dom)  gerettet. Im Hochaltar findet sich eine weitere Rarität: Gottvater lässt beim Tod Jesu den „Schuldschein der Menschheit“ durch einen Putten zerreißen. Die geteilte Orgel mit dem Mittelfenster baute Johann Heinrich Stumm 1773. Sie ist  eines der wenigen erhaltenen Instrumente dieser Orgelbauer-Dynastie.

Berühmt ist  Mainz heute unter anderem durch den  ZDF- Fernsehgarten auf dem Lerchenberg mit Andrea Kiewel und die Mainzer Fastnacht.
In der Augustiner Straße in der Altstadt entdecken wir hinter Rokoko-Fassaden und bürgerlichen Barockhäusern elegante Boutiquen, Cafés und Weinstuben.
Auf unserem Weg zum Gutenbergplatz, wo wir im „Stadtbalkon“ essen werden, erfahren wir noch, dass die Firma Ditsch, die an Buden Brezeln verkauft (auch in Düsseldorf), seit 1910 als Familienbetrieb in Mainz ansässig ist.
Jetzt aber wollen wir mehr, als nur Brezeln und begeben uns zum Restaurant „Stadtbalkon“. Die meisten bestellen sich Meenzer Spundekas mit Brezelchen, andere Weck, Worscht un Woi (Brötchen Wurst und Wein) oder Zucchinipuffer mit Soja-Joghurt-Mint-Dip oder Brotzeit –Brettchen: Meenzer Schinken, Schwartenmagen, Spundekas. Dazu natürlich einen Schoppen Woi aus der Gegend. Bei guter Atmosphäre und Superstimmung können wir an großer Tafel in aller Ruhe unser Essen genießen. Brezelchen bleiben übrig und werden als Wegzehrung   mitgenommen.

St. Stephan
St. Stephan ist eine Attraktion! Touristen aus der ganzen Welt pilgern hinauf auf den Stephansberg zu den blau leuchtenden Glasfenstern des Künstlers Marc Chagall. 200.000 Besucher im Jahr sprechen für sich. Restaurierung der gotischen Kirche, die im 2. Weltkrieg fast völlig zerstört wurde, brachte auch eine Neubelebung.
Vor über 1000 Jahren hatte der Erzbischof von Mainz und Erzkanzler des Reiches, Willigis, hier eine Gebetsstätte des Reiches erbauen lassen. Hier fand der Erbauer des Doms auch  seine letzte Ruhe. Der gotische Neubau wurde zwischen 1290 und 1335 errichtet. Als 1857 der nahegelegene Pulverturm explodierte, wurde St. Stephan schwer beschädigt. Bei der Wiederherstellung entfernte man die reiche barocke Ausstattung. Heute ist das Gotteshaus eine Hallenkirche mit drei Schiffen, in denen die gotischen Gewölbe noch nicht wieder hergestellt worden sind. Die Wände sind weiß gehalten. Dem  66 Meter hohen Turm wurde zur 2000-Jahrfeier der Stadt 1962 Kuppel und Laterne wieder aufgesetzt. St. Stephan ist die einzige deutsche Kirche, für die der jüdische Künstler Marc Chagall (1887-1985) Fenster schuf. In Russland geboren, verbrachte er die längste Zeit in seinem Leben in Frankreich.
Unser Gästeführer bringt uns mit all seinem Herzblut die Chagall-Fenstern nahe. Durch die Buntverglasung fällt blaues Licht in den Kirchenraum von St. Stephan, und in diesem Licht bewegen sich scheinbar schwerelos nicht nur Engel, sondern auch andere biblische Gestalten. Beim Betreten der Kirche spüren wir diese Leichtigkeit. „Die Farben sprechen unser Lebensgefühl unmittelbar an, denn sie erzählen von Optimismus, Hoffnung, Freude am Leben“ (Pfarrer Klaus Mayer). Er hat 1973 den Kontakt zu Marc Chagall, dem „Meister der Farben und der biblischen Botschaft“, hergestellt und ihn überzeugen können (nach vielen Besuchen des Klaus Mayer in Frankreich bei Chagall), dem Ostchor ein Zeichen zu setzen für jüdisch-christliche Verbundenheit und Völkerverständigung. 1978 wurde das erste Fenster des damals 91-jährigen Künstlers eingesetzt. Der Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel übergab das erste Chagall-Fenster als Stiftung des Landes Rheinland-Pfalz, in Anwesenheit von Frau Vava Chagall und vielen Ehrengästen, der Kirchengemeinde.

Es folgten weitere acht und damit insgesamt sechs für den Ostchor und drei für das Querhaus. Das letzte Fenster vollendete Marc Chagall, der Ehrenbürger von Mainz wurde, aber nie die Stadt kennenlernte, kurz vor seinem Tod im 98. Lebensjahr. Als Hinführung zu den Meisterwerken dienen in den Seitenschiffen die 17 später entstandenen und bewusst schlicht blau gehaltenen Fenster von Charles Marq. Mit ihm hatte Chagall 28 Jahre zusammengearbeitet.
Das erste, was uns beim Blick auf die Fenster fasziniert sind ihre Farben, die wie schon erwähnt, unser positives Lebensgefühl ansprechen.
Marc Chagall entnimmt seine Lebensbejahung und Hoffnung  aus dem Weltbild der Bibel.
In den Fenstern ist nicht nur die Rolle des Mannes in der Heilsgeschichte dargestellt, sondern ebenbürtig, gleichgewichtig auch die Rolle der Frau. So sehen wir in einem Ausschnitt aus dem nordöstlichen Glasfenster, dem Paradiesfenster; Adam und Eva im Paradies, nackt (Facebook lässt grüßen!), völlig gleichberechtigt gleichgroß. Wir betrachten die Glasfenster genauer und erkennen biblische Geschichten: die Schöpfung, die Brautwerbung für Isaak, der am Kreuz erhöhte Christus, aufsteigender Engel, Frau mit Hahn, behütender Engel, Lob der Schöpfung.
Noch ganz beeindruckt von den  berühmten Fenstern machen wir einen Rundgang im schönsten spätgotischen Kreuzgang von Rheinland-Pfalz. Hier war die Begräbnisstätte vieler der 600 Stiftsherren. An sie erinnern die Grabplatten und die Wappen der Stifterfamilien.
Vier bunte Schlusssteine zeigen: Einheit gegen Rassismus, Antisemitismus, Glaubensspaltung und Nationalismus.
Der Kreuzgang war durch Hangwasser und Wasseradern vom Fluss Kästrich stark ausgehöhlt. Pfarrer Klaus Mayer gelang 1968 mit Spenden und Hilfen des Bundeslandes, der Diözese, der Stadt Mainz die Rettung des Kreuzganges.
Mit einem erhabenen Gefühl, etwas ganz Besonderes gesehen zu haben, gehen wir zum Mainzer Bahnhof.
Das Abendessen gestaltet die Gruppe individuell.

Dienstag 23.10.2018
Rüdesheim
Die Fähre bringt uns von Bingen zum schräg gegen überliegenden Rüdesheim. Wir blicken auf malerische Weinberge, soweit das Auge reicht. Zu dieser Jahreszeit sind sie gelb und abgeerntet.
Wenige Kilometer unterhalb der Stadt ändert der Rhein jäh seine Richtung und wird schmaler. Diese Stelle, das Binger Loch, war mit seinen Riffen und Stromschnellen früher ein unüberwindliches Hindernis für die Schifffahrt. Daher wurden die Schiffe, die von Süden kamen, bei Rüdesheim entladen, die Ware wurde auf der alten Keltenstraße nach Lorch transportiert und dort erst erneut auf Schiffe verfrachtet. Die Umladeaktionen brachten dem Ort regen Verkehr und willkommene Einnahmen. Erst als im 11.Jh. die Fahrrinne erstmalig verbreitert wurde, konnte die Schifffahrt diese weiterhin sehr gefährliche Stelle passieren. Noch heute bevorzugen es viele Fremdschiffe, für die Strecke zwischen Rüdesheim und St. Goar einen Lotsendienst in Anspruch zu nehmen. In Rüdesheim angekommen, erwartet uns die Gästeführerin in  grünem Mäntelchen und bietet uns drei Stunden lang volles Programm. Unmittelbar am Rhein, als Wasserburg angelegt, steht die älteste und am besten erhaltene der drei Rüdesheimer Burgen, die Brömser Burg. Sie diente im 10.-13.Jh.den Mainzer Erzbischöfen zeitweilig als Wohnung und Zuflucht. Kurzzeitig entwickelte sie sich als schlimmes Raubnest. Ihren heutigen Namen bekam die Burg durch die Nebenlinie Brömser von Rüdesheim, die von 1548 bis zu ihrem Aussterben 1668 die Burg bewohnten. Nach 1810 ließ sie die Adelsfamilie von Ingelheim herrichten und seit dieser Zeit sind die Gästebücher erhalten. 1814 hat Goethe die Burg besucht und sich im Gästebuch verewigt. Eine Bronzetafel erinnert an seinen Besuch in Rüdesheim. Heute gehört die Burg der Stadt und beherbergt das Rheingauer Heimat- und Weinmuseum. Von der Boosenburg, früher Oberburg, ist nur der trutzige Burgturm erhalten. Der Turm am Markt ist ein Rest der ehemaligen Vorderburg, die Kernpunkt der inneren Stadtbefestigung war. In der Oberstraße finden wir noch alte Adelshöfe, so den Ritterschen Hof, den Bassenheimer Hof und den Brömser Hof. Er ist der schönste aller Rüdesheimer Adelshöfe (13.Jh.) mit gotischer Kapelle und dem Ahnensaal mit Fresken.
Heinrich Brömser ließ das Gebäude 1542 erweitern. Als Nachweis der ritterlichen Abstammung brachte er am Hoftor das Ehewappen an. Unsere Gästeführerin weiß eine traurige Legende über die  Brömsers: Ein Ritter von Brömser zog mehrmals in den Kreuzzug. Vor seiner Abreise versprach er seine bildschöne junge Tochter Giesela einem erfolgreichen Ritter. Diese verliebte sich jedoch in einen anderen schönen Jüngling. Bei Brömsers Rückkehr vom Kreuzzug war alles für die Hochzeit gerichtet. Die schöne Giesela entging der Vermählung, indem sie sich in den nahen Rhein stürzte. Heute ist dort Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett untergebracht.

Am Marktplatz steht die im Mittelalter erbaute katholische Pfarrkirche St. Jakobus. Bauherr soll Ritter Brömser gewesen sein. Sie ist ein Schmuckstück aus rheinischem Bruchstein-Mauerwerk.
Eigentümlicher weise trägt sie eine Wetterfahne mit Halbmond und Stern. Diese soll an ihren mutmaßlichen Bauherren, dem Kreuz- Ritter von Brömser, erinnern.
Eine weitere Kirche in der Langstraße ist die älteste evangelische Kirche im Rheingau. Sehenswert ist das Weinstockfenster im Altarraum.
Romantische enge Gassen mit urgemütlichen Weinlokalen, darunter auch das mittelalterliche Foltermuseum und ein Laden mit faszinierenden Spieluren, (singenden Schneekugeln), laden uns zum gemütlichen Bummel ein (wenn es nicht so kalt und zugig gewesen wäre).
2,7 Millionen Besucher werden jährlich verzeichnet. Nur der Kölner Dom hat mehr. Punkt 12.00 Uhr stehen wir in der Drosselgasse und lauschen dem Glockenspiel. Als die Lorelei ertönt, singen Lehrer nrw kräftig mit. Die weltberühmte Drosselgasse ist nur 144 Meter lang und 2 Meter breit. Im traditionellen Weingasthaus „Breuer´s Rüdesheimer Schloss“ in der Drosselgasse werden wir später das Mittagessen einnehmen.
Neben dem Tourismus lebt die Stadt vom Weinbau mit seinen berühmten Rieslingsorten. Seit 1892 wird der Weinbrand Asbach in Rüdesheim gebrannt. Der Klassiker Asbach Uralt gilt als die deutsche Premiumspirituose. Ebenso beliebt sind die Asbach Pralinen.

Das Niederwalddenkmal bei Rüdesheim
Die  Kabinenseilbahn bringt uns auf die Höhe des Niederwaldes, zum Niederwalddenkmal. Das Schweben mit der Kabinenseilbahn über den Reben ist sehr beeindruckend. Man  hat einen herrlichen Panoramablick auf den Rhein, die Rüdesheimer Altstadt und Weinberge, soweit das Auge reicht. Oben angekommen, haben wir zuerst das unbedingte Bedürfnis, uns in dem neu geschaffenen Bau für Touristen aufzuwärmen.
Am Waldrand des Niederwaldes, 225 m über dem Rhein, entstand 1877 bis 1883 ein monumentales Denkmal, das die Wiederherstellung des Deutschen Reiches und die Einheit Deutschlands symbolisieren soll. Hauptfigur des 37,6 m hohen Denkmals ist die Germania, 10,5 m hoch. Die Tochter des Bildhauers soll dafür Modell gestanden haben. Sie hält in ihren Händen das Reichsschwert und die Kaiserkrone. Für den Guss der gewichtigen Dame benötigte man 32 t Bronze (meist aus alten Kanonen gewonnen). Die Gesamtkosten betrugen 1,2 Millionen Goldmark, aus Spenden des Volkes. Den Sandsteinaufbau ziert ein Bronzerelief, auf dem etwa 200 Personen in Lebensgröße dargestellt sind: Kaiser Wilhelm I. zu Pferd, Bismarck, die deutschen Landesfürsten und ihre Heerführer sowie Soldaten aller Truppengattungen. Zwei Engelsfiguren, Krieg und Frieden, 2,8 m groß flankieren das Bildwerk. Darunter sind fünf Strophen des Liedes „Die Wacht am Rhein“ zu lesen. Kaiser Wilhelm I. vollzog 1877 die Grundsteinlegung. 1883 wurde es eingeweiht.
Vom Denkmal genießen wir eine herrliche Aussicht über die Weinberge nach Rüdesheim und über den Rhein nach Bingen mit der Burg Klopp. Rheinaufwärts erstreckt sich der liebliche Rheingau, an dessen Hängen schon vor 2000 Jahren Römer Weinbau betrieben. Nach rechts verengen sich Tal und Strom, hier beginnt der schroffe, felsige Mittelrhein.
In der Nähe des Denkmals befindet sich eine Adlerwarte. Zum Jagdschloss und zur Benediktinerinnen-Abtei St. Hildegard gelangt man bei einer Wanderung durch den Niederwald. Niederwald heißt er deshalb, weil die Eichen bewusst kleingehalten wurden durch Schälen der Eichen. Man spricht von Eichen-Schäl- Nieder- Waldungen. Die Lohrinde wurde verarbeitet.
Nach 3 Stunden Führung ist Schluss. Die meisten lassen sich wieder hinuntergondeln. Einige laufen mit der Gästeführerin, die wohl schnell nach Hause will, im Schweingalopp senkrecht die unebenen Weinberge hinunter. Sie ist Winzerin und darf das, wir folgen ihr und haben am nächsten Tag tierischen Muskelkater.
Das Mittagessen im traditionellen Weinhaus Breuer`s Rüdesheimer Schloss in der Drosselgasse nehmen wir in der gemütlichen Weinstube ein. Es gibt hauseigene Spezialitäten aus regionalen Produkten: Spundkas, Rieslingsüppchen, Wildfleisch- Würstchen, Freilandschwein in Holunder Öl geschmort. Das Schloss-Quartett spielt Musik zum Lauschen, Mitsingen und Tanzen. Ein Senioren-Gruppe aus dem US-Bundesstaat Connecticut ist begeistert und wir auch. (Kontakt auf der Toilette!)
Am Schluss genießen einige Mutige den Rüdesheimer Kaffee, eine Spezialität. Dieser Kaffee ist eine verführerische Mischung aus Asbach Uralt, köstlich geröstetem Kaffee und einer Haube aus frischer Sahne. Drei  Würfel Zucker mit 4 cl gut erhitztem Asbach Uralt aufgießen, entzünden und gleichzeitig rühren, bis der Zucker aufgelöst ist. Dann mit heißem Kaffee auffüllen, eine gesüßter Schlagsahne aufsetzen und mit feinherben Schokoraspeln überstreuen. Köstlich!
Unsere Fähre zurück nach Bingen erreichen wir dann doch noch, obwohl wir eine ganze Weile an der geschlossenen Schranke stehen müssen
Hier endet die schöne Reise für die meisten.

Beobachtungen am Rande
Einige bleiben einen Tag länger, für eine Weinprobe, einen Bummel durch Bingen oder Rüdesheim. Ich nutze diesen Tag, um mit dem Fahrgastschiff nach Rüdesheim überzusetzen. Als ich nach zwei Stunden wieder übersetzen möchte, geht das nicht mehr: zu wenig Wasser. Zum Glück fährt noch die 1km entfernte Autofähre. So schön Rüdesheim ist, übernachtet wollte ich dort nicht, obwohl Rüdesheim bei nur 10.000 Einwohnern 3.200 Gästebetten hat.
Bei der Zeiteinplanung muss man unbedingt an die Schranken denken. Auf unserer Seite fuhren die Personenzüge, auf der gegenüberliegenden Rüdesheimer Seite die Güterzüge im Minutentakt. Es sind die meistbefahrenen Strecken in Deutschland. Die Schranken waren im Dauereinsatz.
Auf meiner Rückfahrt nach Düsseldorf wurde der Zug von Bingen 5 Minuten vor Abfahrt mit „Zug fällt aus“ angezeigt. So schön Bingen ist, der Bahnhof gibt nicht viel her. Keine Ansage, kein Schaffner. Nur gut, dass es noch nette Mitreisende gibt, sodass wir auf dem tristen Bahnsteig wenigstens Kontakte knüpfen konnten. Mit einem Regionalzug kamen wir weiter.
Die Japaner und Chinesen machen es nur mit Mundschutz.

Im Touristenbüro von Bingen erfuhren wir Neuigkeiten über den Mäuseturm: In der Nacht vom Samstag zum Sonntag (20./21.Oktober) waren Randalierer zum Mäuseturm vorgedrungen und hatten die Tür eingetreten. Im Anschluss daran  gaben sie über Facebook bekannt, dass man den Mäuseturm besteigen könne. So war es nicht verwunderlich, dass wir am Sonntag auf unserer Schiffsfahrt einen regelrechten Pilgerstrom zur Insel des Mäuseturms sahen. Mit Aufsicht wurde er für die Besucher geöffnet.
Als wir zu zweit am Dienstag den wackeligen Steinweg durch den Rhein zur Insel mit vielen anderen Besuchern wagten und lange anstanden, um den Turm zu besteigen, erfuhren wir, dass es hauptsächlich Einheimische waren, die mit ihren Kindern diese, hoffentlich einmalige, Sensation erleben wollten. Die Turmbesteigung auf engstem Raum  war dann der Höhepunkt mit viel Herzklopfen.

In diesem Jahr gibt es sehr viel ausgezeichnete Weintrauben. Die Winzer mussten Trauben hängenlassen, da der Ertrag limitiert ist. Jetzt hofft man auf Frost für einen guten Eiswein.

Unsere Gästeführerin in Rüdesheim ist eine Frau zum Bewundern: Studium der Jura, Sozialarbeiterin, Arbeit mit Dementen, Geschichts- und Kunststudium, Winzerin, eigenes Museum und eben unsere Gästeführerin. Außerdem ist sie die Einzige, die nach drei Stunden Führung immer noch entspannt wirkt (trotz dünnem grünem Mäntelchen!). Das Bemerkenswerteste an ihr aber ist die Fähigkeit rückwärts zu gehen. Ohne zu stolpern marschiert sie auf dem unwegsamen Kopfsteinpflaster der Altstadt. mühelos rückwärts, damit wir, die hinter ihr trottende Seniorengruppe, auch alles verstehen können. Großartig!

Es waren wieder drei unvergleichliche Tage im  wunderschönen lieblichen Rheingau und dem felsigen Mittelrhein. Wir danken Konrad Dahlmann und Monika für die kompetente Betreuung während der Reise. Perfekt vorbetreitet ermöglichten sie uns wieder ein unvergessliches Reiseerlebnis. Auch dem Ehepaar Klüber- Figge danken wir, das mit organisatorischem Geschick  im Vorfeld die Reise optimal plante und uns teilweise begleitete.
Dank der Gruppe für den netten, freundschaftlichen und interessierten Umgang miteinander. Wir freuen uns auf die nächste Reise.
Lilo Becker, 02.11.2018


 

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